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Neue Ausgabe „Unsere Isar“: Das Isarwasser im Qualitäts-Check

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In der neuesten Ausgabe von „Unsere Isar“ erfahren Sie alles über die Wasserqualität der Isar.
In der neuesten Ausgabe von „Unsere Isar“ erfahren Sie alles über die Wasserqualität der Isar. © Unsere Isar

Die Münchner lieben es, an der Isar zu grillen, Sport zu treiben oder einfach nur zu entspannen. Aber wie sauber ist das Wasser eigenlicht? Ein Qualitäts-Check.

In den 1980er Jahren war der Zustand der Isar in München schlecht – nahe ihrer Quelle im Karwendel-Gebirge handelt es sich bei ihr noch um einen alpinen Wildfluss, doch auf dem Weg nach Norden hat sie ihr Temperament verloren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwängte der Mensch sie in ein starres Korsett, um der Kraft „der Reißenden“, wie sie auch genannt wurde, Einhalt zu gebieten. Doch das hat dem Isarwasser nicht gutgetan: Jahrzehntelang nahm sie den Dreck der Stadt auf, Industriebetriebe und Haushalte spülten ihr Abwasser in den Naturfluss. Zudem machten ihr Ufermauern und Talsperren zu schaffen.

Renaturierung der Isar: „Die Reißende“ wird aus ihrem starren Korsett befreit

Derartige Eingriffe verhindern, dass sich das Wasser auf natürlichem Weg ausbreitet und fruchtbare Landschaften wie Auen und Feuchtgebiete entstehen können. Dabei erfüllen diese Landschaften wichtige Aufgaben. Zum einen nehmen Auen bei Hochwasser das überschüssige Wasser des Flusses auf und können damit Überschwemmungen andernorts verhindern. Zum anderen speichern Auenwälder CO2 und filtern Schadstoffe aus dem Wasser. Auch der Fischbestand leidet unter den Bebauungen. Wehre, Schleusen und Staumauern, die wie ein Balken quer in den Fluss gebaut sind, schneiden den Fischen den Weg zu ihren Laichplätzen ab.

1995 beschlossen die Stadt München und der Freistaat Bayern daher den sogenannten „Isar-Plan“: Ziel war die Renaturierung des Flusses. Ufermauern wurden entfernt und Grünflächen angelegt, um der Isar ihren natürlichen Charakter zurückzugeben. Inzwischen haben sich in den entstandenen Auen und Inseln zahlreiche Wildvögel, Biber und Reptilien angesiedelt.

Qualitäts-Check der Isar: Belastet durch Keime, aber frei von industriellen Schadstoffen

Dank der Renaturierung ist die Isar wieder quicklebendig und mit Artenvielfalt gesegnet.
Dank der Renaturierung ist die Isar wieder quicklebendig und mit Artenvielfalt gesegnet. Keime sorgen allerdings für ein Qualitätsmanko. © Bernhard Huber

Ein großes Qualitätsmanko hat die Isar allerdings: Keime, die durch Abwasser in die Isar gelangen. Um die Keimbelastung zu verringern, wurden die Kläranlagen mit speziellen UV-Desinfektionsanlagen aufgerüstet, die Krankheitserreger abtöten. Weil der Betrieb dieser Anlagen jedoch sehr viel Energie verbraucht, laufen sie nur in der Badesaison von Mitte April bis Ende September.
Die meisten Experten sind sich einig, dass die Anlagen viel dazu beitragen, die Keimbelastung insbesondere im Stadtgebiet München zu reduzieren. Bis 2005 wurde aufgrund der hohen Keimbelastung dringend vom Baden in der Isar abgeraten. Heute, gut 15 Jahre später, dürfen die Münchner ohne Bedenken vor allem an heißen Tagen die Abkühlung im Fluss genießen.

Vorsicht geboten ist allerdings nach starkem Regenfall: Extremer Niederschlag lässt an manchen Tagen selbst die Entlastungsbecken volllaufen, sodass Wasser aus der Kanalisation direkt in die Isar abfließt. Dadurch landet eine große Menge an Keimen in der Isar – Münchner sollten daher nach starken Regenfällen ein paar Tage abwarten, bevor sie wieder ein Bad im Fluss genießen.

Abgesehen davon hat die Isar aber aus chemischer Sicht eine gute Qualität, wie Thomas Schindler, Laborleiter des Wasserwirtschaftsamts München, erklärt. Normalerweise weisen Gewässer an Industriestandorten häufig eine starke Belastung mit chemischen Giften und Rückständen von Medikamenten auf. Überprüft wird dies daran, ob sich in den Organen der Fische Schadstoffe aus der Industrie angereichert haben – das ist ein Zeichen dafür, dass das Wasser schon länger mit Schadstoffen belastet ist. Doch die Isar ist sauber.

Belastung der Isar durch Erholungssuchende

Letztlich kommt es aber auch auf jeden Einzelnen an, sich für einen nachhaltigen Umgang mit wertvollen Ökosystemen wie der Isar und ihren Auen einzusetzen. Der Freizeitwert des Wildflusses in der Millionenstadt ist enorm – und gleichzeitig sein Verhängnis. Viele hinterlassen ihren Müll auf den Kiesbänken, den Wiesen und im Fluss. Wieder wird das Ökosystem schwer belastet. Auch die Isarauen selbst mit ihrer eindrucksvollen Vielfalt an Tieren und Pflanzen leiden unter dem Ansturm der Erholungssuchenden, die oft ahnungslos Brutstätten stören oder gar beschädigen. „Ich glaube nicht, dass irgendjemand den Tieren bewusst schaden will. Die meisten wissen es einfach nicht“, vermutet Beate Rutkowski vom BUND Naturschutz. Deshalb gehe es darum, die Menschen besser zu informieren. Die Artenvielfalt erklärt Rutkowski zur Lebensgrundlage: „Wenn das Ökosystem gesund ist, sind auch wir Menschen gesünder“.

Mehr rund um die Lebensader Münchens erfahren Sie in der zweiten Ausgabe von „Unsere Isar“. Erhältlich ist das Magazin in digitaler Form in der eLibrary oder als Print-Version im Pressehaus (Bayerstr. 57), im Handel oder im Bavariashop.

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