Stammtisch schreibt offenen Brief

Was ist aus unserem Marienplatz geworden?

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Der Marienplatz, aufgenommen am Donnerstagnachmittag. Gegen den Christkindlmarkt haben die Stammtischbrüder nix – aber sonst …

München - Der Marienplatz sei in einem absolut erbärmlichen Zustand, findet ein Ratskeller-Stammtisch. In einem Brief an den Bürgermeister haben die Mitglieder alles aufgeschrieben, was sie stört.

Im Ratskeller: die Marienplatzler mit Ex-Stadtrat Helmut Pfundstein (3.v.l.) und Franz Forchheimer (4.v.l.).

Seit Monaten – ach was, seit Jahren – fressen die Marienplatzler ihren Frust in sich rein. Die Herren widmen sich seit 50 Jahren mit Leidenschaft dem Marienplatz. Jeden Donnerstag treffen sie sich im Ratskeller und granteln drauf los: „Wir müssen etwas dagegen unternehmen!“ Was die Marienplatzler ankaast? Zum Beispiel die „ewige Baustelle“ der Stadtwerke am Fischbrunnen, die Biertische und Brauereischirme, die Radl-Taxis – und außerdem sei der Marienplatz zum reinen „Eventareal“ und zur „Gaudizone“ geworden. All diese Punkte haben die Marienplatzler, ein kunterbunter Haufen aus amtierenden und ehemaligen Stadträten, Künstlern und Marktleuten, aufgeschrieben und per offenem Brief an Bürgermeister und Stadtratsfraktionen geschickt. Einige Auszüge:

Hugendubel raus

Lesen bildet! Und jetzt verschwindet ausgerechnet Münchens Vorzeige-Buchhandlung aus der guten Stube der Stadt? Das geht den Marienplatzlern gehörig gegen den Strich. „Das ist moralisch unverantwortbar“, sagt Mitglied Franz Forchheimer. Doch es ist beschlossene Sache: Hugendubel zieht Anfang 2016 aus dem Haus am Marienplatz aus, dafür zieht die Telekom ein.

Freischankflächen

Fast das ganze Jahr stehen auf dem Marienplatz „Biertische und 14 hässliche Brauereischirme“ – so empfinden es die Marienplatzler. Der Stammtisch findet: Ihr Platz wird als „Primitivausschank“ missbraucht. Bierstadt hin oder her: Die Masskrugkultur darf laut Meinung des Stammtischs auf dem Marienplatz nicht im Vordergrund stehen.

Dauerbaustelle

Die „ewige U-Bahn-Baustelle“ stört die ­Marienplatzler besonders. Sie sagen: Seit zweieinhalb Jahren lagert hier Baumaterial, stehen Klohäusl und ein Kran. Die Stammtischler finden das unhaltbar. Matthias Korte, SWM-Pressesprecher, verspricht: Spätestens Herbst 2015 soll der Untergrund-Umbau (mit überirdischem Lager) fertig sein.

Rikschas

Alle Macht den Fußgängern, raus mit den Radl-Taxis? Die Marienplatzler, stört es, dass so viele Rikscha-Fahrer am Marienplatz stehen und fahren. „Die sollen mal die Kirche im Dorf ­lassen“, kontert Dominic Staat, Chef des Radl-Taxi-Unternehmens Pedalhelden. „Wir gelten als Sympathieträger und halten uns an die ausgewiesenen Haltezonen!“

Veranstaltungen

Einfach nur ein Platz in der Stadt? Naja … Die Marienplatzler haben das Gefühl, hier gebe es immer mehr Veranstaltungen aller Art – von der Demo bis hin zur Gaudi. Der Stammtisch fordert: „Keine Geräusch- und Lärmmacherei mit Gesängen, Hetzen und Untergangsverkündungen“! Einzige Ausnahmen: kirchliche Feiern, Christkindlmarkt und Fasching.

A. Capasso

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