München braucht den Strom

Kraftwerk-Streit: Unterföhring will Gaskraftwerk unbedingt verhindern - „Unmoralisch“

Im Heizkraftwerk Nord in Unterföhring wird noch Strom aus Steinkohle gewonnen.
+
Im Heizkraftwerk Nord in Unterföhring wird noch Strom aus Steinkohle gewonnen.

Mit einem Bebauungsplan für das auf ihrem Gebiet liegende Betriebsgelände des Münchner Heizkraftwerks Nord will die Gemeinde Unterföhring den Neubau eines Gaskraftwerks unbedingt verhindern.

München - Mit einem Bebauungsplan für das auf ihrem Gebiet liegende Betriebsgelände des Münchner Heizkraftwerks Nord will die Gemeinde Unterföhring einen weiteren Pfahl einrammen, um den Neubau einer gasbetriebenen Anlage (GuD3) zu verhindern. In München sieht man jedoch keine Alternative.

Wohin die Bauleitplanung führen soll, hat der Unterföhringer Gemeinderat eindeutig klargestellt: Neue Anlagen zur Energieerzeugung aus fossilen Quellen sollen auf dem 32 Hektar großen Gelände verboten werden. Das von den Stadtwerken geplante Gaskraftwerk wäre mithin nicht durchzusetzen. Dass die Anlage die Lücken in Strom- und Fernwärmeversorgung der Landeshauptstadt schließen soll, die durch die per Bürgerbegehren beschleunigte Abschaltung des Kohleblocks entstehen, erkennt man auch in Unterföhring an. Doch dort herrscht die Ansicht, München solle lieber seine innerstädtischen Heizkraftwerke ertüchtigen.

Kohlekraftwerk Unterföhring: Der Ton zwischen den Nachbarn wird schärfer

Das freilich werde nicht reichen, sagt Christoph Bieniek, Leiter der Strom- und Wärmeerzeugung bei den Stadtwerken (SWM). „Am Kraftwerk Süd geht gar nichts mehr, und an den vorhandenen Heizwerk-Standorten fehlt der Platz.“ Außerdem würde deren Ausbau nichts daran ändern, dass der Kohleblock im Kraftwerk Nord im deutschen Stromnetz systemrelevant ist. Die Folge: „Wenn wir die GuD3 nicht bauen, muss der Kohleblock am Netz bleiben, bis die großen Stromtrassen aus dem Norden fertig sind.“ Das sei „frühestens 2028, ich rechne allerdings eher mit 2032“. Die GuD-Anlage könne wesentlich früher verfügbar sein, so Bieniek. Sie war ursprünglich für 2022/23 geplant, wurde dann durch die Einsprüche aus Unterföhring gestoppt. „Wenn ich jetzt grünes Licht bekomme, geht sie 2026 in Betrieb“, so der Experte.

Der Ton zwischen den Nachbarn wird schärfer: Als „unmoralisch“ rügt Unterföhrings Dritter Bürgermeister Johannes Mecke (Grüne) das Ansinnen der Münchner. Von seinen Parteifreunden in der Landeshauptstadt sei er „enttäuscht“.

Kraftwerk Unterföhring: Die Stadtwerke werben mit weiteren Vorzügen

Auch Bieniek ist enttäuscht: Man würde den Nachbarn gern alle Beweggründe darlegen, sei aber bisher kein einziges Mal angehört worden, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung. Auch der Münchner Grünen-Fraktionschef Dominik Krause lässt sich von den Anwürfen aus Unterföhring nicht beirren. Zwar steht ein Gaskraftwerk gewiss nicht auf der Wunschliste der Grünen, doch unter den gegebenen Umständen sei der jetzt gefundene Weg zum Kohleausstieg, der eben als Zwischenlösung ein Gaskraftwerk am Standort Nord vorsieht, die beste Lösung. Und der Kohleausstieg, so wundert sich Krause, sei doch schließlich auch ein Anliegen vieler Bürger in Unterföhring. Zudem sei im Koalitionsvertrag eigens festgeschrieben, dass der Kohleblock abgeschaltet wird, sobald die GuD-Anlage steht. Ein zusätzliches Kraftwerk werde es also nicht geben. CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sieht ebenfalls keinen Anlass, von den städtischen Plänen abzuweichen.

Die Stadtwerke werben mit weiteren Vorzügen. So sei die geplante GuD-Anlage mit modernster Technik so ausgelegt, dass sie mit regenerativ erzeugten Gasen betrieben werden kann, sobald diese zur Verfügung stehen. Zudem entfalle beim Gasbetrieb der Verkehr zur Kohleanlieferung, den die Unterföhringer bisher erdulden müssen.

Argumente, die in der Nachbargemeinde offenbar nicht verfangen. Dass es hier nach jahrzehntelangen Reibereien längst um Grundsatzfragen geht, lässt ein Satz von Unterföhrings Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer ahnen. „Wir sollten uns unsere Planungshoheit nicht aus der Hand nehmen lassen“, riet er den Gemeinderäten.

Alle Nachrichten aus München lesen Sie immer bei uns.

Auch interessant

Kommentare