Unterwegs beim Training in Unterföhring

Meister der Kraft: Dieser 79-Jährige trainiert wie wild - mit Erfolg

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Im Fitnessstudio trainiert Alexander Diepold dreimal pro Woche. Die meisten dort sind nicht mal halb so alt wie er.

Wenn es ums Gewichtestemmen geht, macht Alex Diepold so schnell keiner was vor. Er ist mehrfacher Welt-, Europa- und Deutscher Meister im Kraftdreikampf. Und das, obwohl er fast 80 ist.

Puch/Unterföhring – Es scheppert. Mit einem lauten Knall fallen 90 Kilo zurück auf die Halterung. Der Mann, der die Gewichte gerade auf dem Rücken liegend in die Luft gestemmt hat, springt mit Schwung und einem lauten „Jawoll“ hoch von der Bank. Sein Optimismus ist mindestens so groß wie seine Oberarm-Muskeln. Das wird was bei der Bankdrücken-EM in Finnland nächsten Monat, da ist er sich sicher. „Unter die ersten Drei komm ich auf jeden Fall.“

Dieses Selbstvertrauen gehört nicht einem 30-jährigen Muskelprotz – sondern einem 79-jährigen Kraftpaket. Alexander Diepold, 1,60 Meter groß, 64 Kilo schwer, Kraftdreikämpfer seit fast drei Jahrzehnten. Auf dem Rücken liegend stemmt er 90 Kilo. Im Kreuzheben schafft er sogar 150. Ein Handtuch braucht er beim Training nicht – ihm steht nur selten der Schweiß auf der Stirn.

Muskelprotz Diepold ist nur 1,60 Meter groß und 64 Kilo schwer

Dreimal die Woche trainiert Diepold zur Zeit mit seinem Personaltrainer Andi Gaich in einem Fitnessstudio in Unterföhring (Landkreis München). Denn wenn er ganz ehrlich ist, einer der ersten drei Plätze in Finnland reicht ihm eigentlich nicht. „Gewinnen ist Pflicht“, sagt er. Es wäre nicht der erste Pokal, den er nach Bayern holt. Diepold ist mehrfacher Weltmeister, Europameister und Deutscher Meister im Kraftdreikampf. Erst neulich hat er sich in Landshut wieder einen Pokal im Kreuzheben geholt. „Ich muss das machen“, sagt er ganz ernst. „Ich brauch den Sport zum Leben.“ Das hat er vor fünf Jahren gemerkt – als er das letzte Mal eine Zwangspause machen musste. Wegen einer Herz-OP. Kam sehr ungelegen, mitten in den Vorbereitungen für die WM in Kanada. Seiner Frau zu Liebe sagte Diepold damals alles ab und nahm sich ein paar Wochen Auszeit, um wieder gesund zu werden. Spätestens danach wusste er: Ohne den Kraftsport geht es nicht. Das glauben ihm mittlerweile auch seine Ärzte. „Sie schütteln zwar immer wieder mit dem Kopf darüber, wie fit ich für mein Alter bin“, erzählt er. „Aber dann sagen sie, ich solle unbedingt so weitermachen.“

Sein Personaltrainer Andi Gaich feuert Alexander Diepold an, während der 90 Kilo stemmt.

Genau das hat Diepold auch vor. Deshalb hat er sich vor ein paar Monaten einen Trainer genommen, der ihn noch näher an seine Grenzen bringt. „Jetzt machen wir noch ein bisschen Zirkeltraining“, sagt Andi Gaich, nachdem er seinem 79-jährigen Trainingspartner die 90-Kilo-Hantel abgenommen hat. „Wenn du das sagst“, antwortet Diepold, nimmt einen Schluck aus seiner Wasserflasche und marschiert los zum ersten Gerät. Klimmzüge. Immer wieder kämpft er sich stöhnend nach oben. Die ungläubigen Blicke der meisten anderen Sportler im Fitnessstudio entgehen ihm nicht. Keiner hier ist auch nur halb so alt wie er. „Ab und zu fragt mich einer, wie ich so fit sein kann oder wie alt ich eigentlich bin“, sagt er. Dann antwortet er gerne mit einem festen Händedruck und einem „Ich bin der Alex“. In seinem Verein, dem KSC Puch in Fürstenfeldbruck, kennt ihn längst jeder – manche kennen auch seine Geschichte.

„Gewinnen ist Pflicht“

Alex Diepold war schon lange, bevor er mit dem Kraftsport angefangen hat, ein Kämpfer. Er ist im Waisenhaus aufgewachsen, seine Mutter hatte ihn nach der Geburt weggegeben. Der gelernte Maler war im Leben immer auf sich selbst gestellt. „Da lernt man es, seinen Mann zu stehen“, sagt er. Und noch was anderes lernt man: Disziplin, Zielstrebigkeit, Selbstvertrauen. „Kraftsport ist keine reine Muskelsache“, sagt Diepold. „Ganz viel passiert im Kopf.“ Es gibt Tage, an denen bekommt er die 90 Kilo nicht in die Luft – und dann gibt es Tage wie heute, an denen die Hantel scheppernd und mit einem lauten „Jawoll“ in die Halterung fällt. An diesen Tagen ist er sich völlig sicher, dass er aus Finnland Gold heimbringen wird. Obwohl die anderen Sportler in seiner Altersklasse gut zehn Jahre jünger sind als er. Im Leben von Alex Diepold spielt Alter nun aber wirklich keine Rolle. Ihm glaubt schließlich sowieso keiner, dass er diesen Sommer 80 Jahre alt wird.

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