Seit dem Kopfschuss im Wachkoma

Zwei Jahre nach S-Bahn-Drama von Unterföhring: Angeschossene Polizistin Jessica endlich zu Hause

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Die Familie der in Unterföhring angeschossenen Polizistin Jessica Lohse.

2017 eskalierte eine Routinekontrolle am S-Bahnhof Unterföhring. Der verwirrte Täter schoss um sich - und traf die Polizistin Jessica Lohse in den Kopf.

  • Eine Routinekontrolle am S-Bahnhof Unterföhring bei München am 13. Juni 2017 eskaliert. Der Täter schießt um sich.
  • Die Polizistin Jessica wird in den Kopf getroffen.
  • Etwas mehr als zwei Jahre nach der Tat kann Jessica zu ihren Eltern.

München - Es war ein Verbrechen, das die ganze Stadt, das ganze Land schockierte: Gut zwei Jahre ist es nun her, dass der Münchner Polizistin Jessica Lohse (28) bei einem Einsatz in Unterföhring in den Kopf geschossen wurde. Der Schütze, der geistig verwirrte Alexander B. (39), kam in die Psychiatrie. Die junge Frau aus Sachsen überlebte, liegt seitdem aber im Wachkoma. Monatelang wurde sie in Kliniken versorgt. Bis jetzt! Denn nun durfte die junge Frau endlich nach Hause.

Wer Dein Schweigen nicht versteht, versteht Deine Worte nicht“: Für Veiko und Janet Lohse sagt dieser Spruch alles, was in ihrem Leben wichtig ist. Sie haben ihn gewählt, um das neue Zimmer ihrer Tochter mit einem Wandtattoo zu schmücken.

Jessica, die alle nur Jessi nennen, hat schon lange nichts mehr zu ihnen gesagt. Zumindest mit Worten. Blicke, Geräusche, Körpersprache: Damit kann sie sich ihren Eltern in gewisser Weise mitteilen – aus ihrem Wachkoma heraus. Dass die 28-Jährige nach fast zweieinhalb Jahren in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen heimgeholt werden konnte, ist für ihre Eltern das größte Glück. „Wir sind so dankbar“, sagt Janet Lohse.

Polizistin Jessica darf endlich nach Hause - Mehr als zwei Jahre nach der Schießerei in Unterföhring

Um Jessi daheim pflegen zu können, musste viel passieren. Das Haus der Familie im sächsischen Brand-Erbisdorf bekam einen Anbau. So groß, dass auch Platz für einen Sozialraum ist. Schließlich sind rund um die Uhr, in Zwölf-Stunden-Schichten, Pflegekräfte da. „Mit ihnen haben wir richtig Glück“, sagt Jessis Mutter. Die Pfleger gehören schon ein Stück weit zur Familie.

Seitdem die Polizistin im Dienst schwer verletzt wurde, unternimmt der Freistaat Bayern viel, um den Lohses das Leben zu erleichtern, bestätigt die Familie. Ein Leben, das sich durch die Schüsse am 13. Juni 2017 für immer veränderte.

Video: Täter muss in Psychiatrie

Zweieinhalb Jahre nach der Schießerei in Unterföhring: Jessica wird heimgeholt

„Natürlich müssen wir noch immer daran denken“, sagt Jessis Mutter über den folgenschweren Angriff. Seitdem verging kein Tag, an dem die Eltern in den Einrichtungen nicht an der Seite ihrer Tochter waren. Jetzt will die Familie einfach nur nach vorne schauen. „Für uns ist vieles nun leichter“, erklärt Janet Lohse. Die 24-Stunden-Pflege in den eigenen vier Wänden ermöglicht es ihr, bald wieder zur Arbeit zu gehen. Und: Daheim ist ein bisschen mehr Alltag möglich.

Zum Beispiel dann, wenn Jessi bei Kaffee und Kuchen im Wohnzimmer der Eltern dabei sein kann. Sie sitzt dann mit auf dem Sofa. Zwei bis drei Stunden pro Tag kommt sie auch ins Stehbett. „Das ist wichtig“, sagt ihre Mutter, um den Kreislauf auf Trab zu bringen. Mit Physio-, Ergo- und Logotherapie wird alles getan, um Jessi zu helfen. Und sie macht gute Fortschritte, wie die Mediziner bestätigen.

Nach Kopfschuss auf Polizistin in Unterföhring: So geht es Jessica Lohse heute

Das nächste große Ziel ist, dass sie wieder komplett eigenständig schlucken kann. Und Stück für Stück ein bisschen wacher wird. Schon jetzt reagiert sie auf Geräusche und Stimmen. „Sie merkt, dass wir bei ihr sind“, weiß ihre Mutter. Ihr war es wichtig, das Zimmer ihrer Tochter besonders gemütlich einzurichten. Zum Beispiel mit warmen Orange-Tönen. Und eben mit dem Spruch an der Wand, der für Jessis Eltern so viel Wahrheit enthält.

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