Streit um Heizkraftwerk

Keine Alternative für Kohle im Kraftwerk Unterföhring - müssen die Bürger jetzt nochmal abstimmen?

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Nach einem Bürgerentscheid müsste der Kohleblock im Heizkraftwerk Unterföhring abgeschalt et werden.

Im November 2017 hatten die Bürger Münchens für das Aus des Kohleblocks im Heizkraftwerk Unterföhring gestimmt. Doch die Alternativen fehlen. Kommt es nun erneut zur Abstimmung?

München - Nach dem Aus für die Gas- und Dampfturbinen-Anlage in Unterföhring planen die Stadtwerke München offenbar nur noch an vier bis fünf Standorten die Errichtung von Gasheizwerken.

Das teilte SWM-Chef Florian Bieberbach am Dienstag im Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft mit. Ferner will der Energiekonzern auch an einer Kohleminderungsstrategie arbeiten, bei der der Kohleblock im Heizkraftwerk Unterföhring sukzessive zurückgefahren werden könnte.

Verwunderung über Entscheidung

„Der Kohleblock ist ertüchtigt worden und kann in Teillast hochgefahren werden“, sagte der Technische Geschäftsführer der SWM, Helge-Uve Braun. Die Münchner hatten am 5. November 2017 mehrheitlich dafür gestimmt, den Kohleblock in Unterföhring bereits Ende 2022 abzuschalten. Damit das möglich ist, müssen die Stadtwerke Alternativen für die dann wegfallenden Strom- und Wärmemengen schaffen. Dies hätte zum einen durch eine GuD-Anlage in Unterföhring erfolgen können, zum anderen durch mehrere Heizwerke, die im Stadtgebiet errichtet werden sollten.

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Die Gasverbrennung in Unterföhring hätte den Vorteil geboten, sowohl Wärme als auch Strom zu erzeugen, mithin den dann abgeschalteten Kohleblock vollständig zu ersetzen. Mehrere Mitglieder des Ausschusses äußerten ihre Verwunderung über die Entscheidung der Nachbargemeinde. Offenbar war sowohl den SWM als auch den Vertretern der Stadtspitze mehrfach signalisiert worden, dass der Bau einer GuD-Anlage kein Problem darstelle.

Bundesnetzagentur stimmt wahrscheinlich nicht zu

Das einstimmige Nein aus dem Gemeinderat sei daher überraschend, räumte auch Münchens OB Dieter Reiter (SPD) im Ausschuss ein. SWM-Chef Bieberbach geht derweil davon aus, dass die Bundesnetzagentur der Stilllegung des Kohleblocks „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ nicht zustimmen wird. Erst recht nicht nach dem Aus für die GuD-Anlage. Die Agentur prüft, ob der Block systemrelevant ist, also für die Versorgung der Bevölkerung mit Strom und Wärme unerlässlich. Ein Ergebnis der Prüfung soll Ende nächsten Jahres vorliegen.

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FDP will erneut Bevölkerung befragen

Bis dahin wird sich der Stadtrat wohl ebenfalls weiter mit dem Thema befassen. Die FDP hatte beispielsweise im November vorigen Jahres beantragt, die Bevölkerung erneut zu befragen. Ob nach Bekanntwerden aller Folgen des ursprünglichen Entscheids tatsächlich abermals eine Mehrheit für die Stilllegung des Kohleblocks votieren würde, bezweifeln die Liberalen.

Sascha Karowski

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