Report nach dem Isar-Drama

Aufpasser an der Isar-Todeswalze hat wichtigen Rat an alle 

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Stefan Schmoll  (27) am Ufer neben der Walze.

München spricht über das Isar-Drama an der Marienklause. Ein Student war dort ertrunken. Die tz sprach mit einem ehrenamtlichen Retter der Wasserwacht. 

Am Morgen nach dem Drama an der Marienklause steht Stefan Schmoll (27) am Ufer neben der Walze und passt auf, dass heute alle lebend aus dem Wasser kommen. Schmoll ist Krankenpfleger – und ehrenamtlich Retter bei der Wasserwacht. Aber weder er noch seine Kollegen konnten am Mittwoch dem 24 Jahre alten Studenten aus Markt Schwaben helfen, als der im tödlichen Sog der Wasserwalze ertrank. 

Die Hütte der Wasserwacht ist unter der Woche nicht besetzt. „Aber heute bin ich da“, sagt Schmoll. Auch an seinem freien Tag. „Wenn heute etwas passiert, kann ich eingreifen.“ Das Todesdrama an der Isar: Andreas K. (Name geändert) und drei Kumpels hatten sich am Mittwochabend an der Isar getroffen. Nach Aussagen der Freunde habe man ein bisschen was getrunken, aber nicht übermäßig viel. Im Internet zeigte sich K. genauso: naturverbunden, gerne in den Bergen unterwegs – und beliebt bei seinen Freunden, mit denen er gerne Zeit verbringt. 

Gegen 19 Uhr gingen die vier Männer in die Isar, ließen sich immer wieder ein Stück treiben. K. schwamm mit einem Freund ein wenig weiter hinaus – die Strömung erfasste ihn. Sein Begleiter konnte sich auf einen Betonpfeiler retten. K. wurde von der Walze, die sich an der Stufe nach der Marienklausenbrücke gebildet hatte, unter Wasser gezogen. Einsatzkräfte fanden den Mann im Wasser treibend am Flauchersteg. Christian Hankofer, Gruppenführer bei der Berufsfeuerwehr München, war am Mittwoch vor Ort. Er ist auch Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Markt Schwaben. K. war dort für zwei, drei Jahre bei der Jugend. Hankofer kannte den Buben. Wer der Tote war, wusste er zum Zeitpunkt des Einsatzes noch nicht. Erst am nächsten Tag erfuhr er, wen er und seine Kollegen aus der Isar gezogen hatten. „Kein wirklich schönes Gefühl, das kann man sich wohl leicht vorstellen“, sagt er. Wasserretter Stefan Schmoll kennt das – auch er musste schon Leichen bergen. Er selbst würde derzeit nicht ohne Sicherung und Unterstützung in die Nähe der Walze gehen. „Es hat Hochwasser und die Isar ist eiskalt“, sagt er. „Wenn dich die Walze packt, ist es wie in einer Waschmaschine.“ Die Walze sei derzeit an die zwei Meter tief, der Untergrund glitschig, das Wasser trüb. „Da verliert jeder die Orientierung.“ 

Was ist zu tun, wenn man in eine Wasserwalze gerät? Retter Schmoll sagt: Ruhe bewahren. Mit den Armen den Kopf schützen, den Körper lang und steif machen, nicht strampeln, treiben lassen. Dann spuckt einen die Walze wieder aus. 

Helfern rät er: „Auf jeden Fall: Notruf! Hilfe holen! Auf keinen Fall selber reinspringen! Besser: Dem Schwimmer einen Schwimmkörper zuwerfen oder einen langen Ast reichen.“

Die wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf den Facebook-Seiten „Harlaching - mein Viertel“ und „Giesing - mein Viertel“.

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