„Bei mir war die Luft raus“

Das Café „Bald Neu“ schließt

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Bye-bye, Bald Neu: Inhaber Julius Klemz und sein Hund Berlioz verabschieden sich nach viereinhalb Jahren.

Das beliebte Café „Bald Neu“ in Untergiesing schließt – Inhaber Julius Klemz will nicht länger selbstständig sein. 

München - Der Name war ein Zufallsprodukt. „Bald Neu“ schrieb jemand 2012 mit Paketklebeband auf das Schild vor dem Lokal, während drinnen noch renoviert wurde. Bei der Eröffnung blieb der provisorische Schriftzug stehen – und etablierte sich als Name. Passte er doch so gut zu dem Charme des Unfertigen, den das kleine Café nahe dem Schyrenbad verströmt. Nach viereinhalb Jahren ist jetzt jedoch Schluss im „Bald Neu“. Am kommenden Sonntag sperrt Julius Klemz (31) zum letzten Mal die Türe zu.

„Ich habe gemerkt, dass bei mir die Luft raus war“, sagt der Inhaber und Betreiber. „Viele träumen davon, ein eigenes Café zu führen. Aber es ist viel Arbeit und auch sehr aufwendig.“ Er sei sieben Tage die Woche beschäftigt gewesen und habe kaum noch Zeit für sich selbst gehabt, erzählt Klemz. Vor allem seine Leidenschaft, die Musik, sei auf der Strecke geblieben. Nun hat Klemz eine Festanstellung gefunden und gibt das Café auf – und damit auch „die Unsicherheit der Selbstständigkeit“, wie er sagt.

Der 31-Jährige wirkt erleichtert – dennoch fällt ihm der Abschied nicht leicht. Für ihn und seinen Hund Berlioz war das Café ein zweites Zuhause, genauso wie für viele Untergiesinger, die sich wohlfühlten zwischen alten Flohmarkt-Sofas, Bücherregalen und unverputzten Wänden. „Wo sollen wir denn dann hin?“, schrieb ein weiblicher Stammgast auf Facebook, nachdem Klemz den Abschied verkündet hatte. Eine andere: „Was? Oh nein! War immer so schön bei euch.“ Einige lobten auch den „besten Schokokuchen ever“, den es im Café gegeben habe.

„Viele sind sehr traurig“, sagt Julius Klemz. „Da wird man natürlich ein wenig wehmütig. Aber es ist schön zu sehen, dass ich etwas aufgebaut habe, das den Leuten gefallen hat.“

Die gute Nachricht für alle Untergiesinger: Schon ab 1. März soll es im Lokal weitergehen, mit einem neuen Inhaber, der wohl auch Brot und Gebäck anbieten will. Nur Hund Berlioz wird dann die Gäste hier nicht mehr begrüßen. 

Janina Ventker

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