Keine Blitzer in der Giesinger Straße

„Hier rasen alle“: Münchner sucht beim KVR nach Hilfe - und erhält eine kuriose Auskunft

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Marcus Kaiser gibt sich mit der Auskunft des Kreisverwaltungsreferats nicht zufrieden.

Stell Dir vor, es gilt Tempo 30 – und keiner hält sich dran! Das dachte sich Marcus Kaiser (42) jeden Morgen, wenn er seine Tochter zur Kita brachte und dann in die Arbeit ging. 

München - Sein Weg: entlang der Herzogstandstraße in Giesing. „Hier rasen alle“, ärgert sich der Münchner. Und das offenbar ohne Folgen: Denn laut Kreisverwaltungsreferat, kann an der Stelle gar kein Blitzer installiert werden!

Marcus Kaiser, Grünen-Mitglied vom Ortsverband Giesing-Harlaching, hat die Situation an der Herzogstandstraße lange beobachtet: „Es gibt eine Ampel, an der Ecke zur Deisenhofener Straße sowie eine Ampel Ecke zur Perlacher Straße. Deshalb schießen alle über die Herzogstandstraße, um noch schnell über diese Ampeln zu kommen.“ Der IT-Techniker befürchtet: „Hier sind Kinder unterwegs, es kann immer was passieren.“

Kuriose Reaktion auf Antrag beim KVR

Deshalb stellte Kaiser mit seiner Fraktion im Bezirkausschuss Obergiesing-Fasangarten einen Antrag ans KVR, sich zu der Raser-Strecke zu äußern. Und tatsächlich kam als Stellungnahme zurück: In dieser 30er-Zone könne gar nicht geblitzt werden! Aus „messrechtlicher und messtechnischer Sicht“ könne mit der „zur Verfügung stehenden Radarmesstechnik keine gerichtsverwertbaren Geschwindigkeitskontrollen vorgenommen werden“, so äußerte sich die zuständige Kommunale Verkehrsüberwachung (KVÜ). 

Dafür benötige man nämlich eine gerade Strecke von mindestens 45 Metern sowie zu Beginn und Ende des Bereichs eine zehn bis elf Meter lange Parklücke mit einem Mindestabstand von 200 Metern zum Tempo-30-Schild.

Hier wird gerast: Der betroffene Straßenabschnitt in Giesing.

Dies sei aber in der Herzogstandstraße nicht gegeben: Es gebe „keine geeignete Aufstellmöglichkeit für die Messeinheiten“. Stadteinwärts sei die Messstrecke nicht gerade genug, stadtauswärts liege der theoretisch mögliche Messpunkt zu nahe an den Tempo-30-Schildern.

Für Marcus Kaiser und die Giesinger Grünen ist das nicht hinnehmbar. „Es ist aus unserer Sicht kaum vorstellbar, dass im Jahr 2018 nicht auf jeder Straße so geblitzt werden kann, dass die Ergebnisse gerichtsverwertbar sind.“ Die Fraktion hat nun beantragt, dass die Stadt endlich Geräte mit der neuesten Technologie anschafft. Denn: „Wenn nicht kontrolliert wird, halten sich die Autofahrer auch nicht an die Geschwindigkeitsbegreunzungen.“ Das gelte zum Beispiel auch für die Tempo-30-Zone an der Ichoschule.

Super-Blitzer werden in Giesing nicht helfen

Tatsächlich ist die Kommmunale Verkehrsüberwachung bereits dabei, die vorhandene Radarmesstechnik nach und nach auf moderne Lasertechnik umstellen, sagt KVR-Sprecher Johannes Mayer zur tz. „Seit Dezember 2017 steht der KVÜ für Geschwindigkeitsmessungen ein Fahrzeug mit Lasermesstechnik zur Verfügung. Mit der neuen Technik können auch an gefährlichen Stellen vor Schulen, Kindergärten und Altenheimen Geschiwndkigkeitskontrollen durchgeführt werden, an denen es früher technisch nicht möglich war.“ Die neuen Geräte könnten auch außerhalb des Fahrzeugs auf Stative gestellt werden – wodurch kein Parkplatz mehr notwendig sei. Zudem seien nun auch Kontrollen in kurvigen Straßen möglich, bei schrägen Parkplätzen könne auch „seitlich aus dem Fenster gemessen werden“, so Mayer.

Diese neue Super-Laser helfen den Giesingern allerdings wohl wenig. Es sei fraglich, ob deren Einsatz in der Herzogstandstraße möglich ist, so die KVÜ. Dennoch wolle man dies aber beizeiten vor Ort überprüfen.

Bleibt diese Straße also blitzerfrei? Und: Für welche anderen Straßen in München gilt dies auch? Die tz hat beim KVR nachgefragt – als Antwort hieß es allerdings nur, dies sei „die Ausnahme. „Eine Statistik gibt es nicht.“

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