"Totalräumungsausverkauf"

Sporthaus Reichhart hat ausgesportelt

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Das Sporthaus Reichhart in der Humboldtstraße 42.

München - Das riesige Transparent am Sporthaus Reichhart am Fuße des Giesinger Bergs ist nicht zu übersehen: „Totalräumungsausverkauf“. Das Traditionsgeschäft sperrt nach 52 Jahren zu.

Betreiber Herbert Reichhart (61) gibt zwei Gründe an: die Parkraumbewirtschaftung der Stadt – und den Internet-Handel, der immer mehr Kunden abzieht.

„Es ist nicht so, dass ich zusperren muss, aber es rentiert sich auch nicht wirklich mehr“, sagt Reichhart, der 1970 als 18-Jähriger das von seinem Vater gegründete Geschäft übernommen hatte. Herbert Reichhart will nun lieber selber in die Berge gehen, statt die Giesinger und Münchner weiterhin mit den dazu nötigen Ausrüstungsgegenständen auszustatten.

Jahrzehntelang konnten die Reichharts den Sport­riesen der Innenstadt wie Scheck oder Schuster die Stirn bieten. Sie hatten ja auch einen Vorteil: die kostenlosen Parkplätze in der Humboldtstraße und in der Plattnerstraße gleich ums Eck. Aber heute ist alles anders. Reichhart: „Seit die Stadt die Parkbewirtschaftung in Untergiesing eingeführt hat, bleiben viele Kunden weg.“ Denn seit 2010 dürfen nur noch Anwohner aus der direkten Nachbarschaft ohne Parkschein ihr Auto vor dem Laden und in der Nähe abstellen.

Die Sporthaus-Chefs Herbert (l.) und Sohn Thomas Reichhart schließen Ende März nach 52 Jahren ihr Geschäft.

Doch auch das Internet machte den Reichharts das Leben immer schwerer. Während gerade ein modisch gekleideter junger Mann mit seinem iPhone den Barcode eines eh schon drastisch heruntergesetzten Paars Ski einscannt und den Preis im Internet vergleicht, erzählt Junior-Chef Thomas Reichhart: „Ich hatte einen Kunden, der ließ sich stundenlang wegen eines Paars Wanderschuhe beraten. Als dann endlich welche passten, fragte er nach der Artikelnummer – und ging.“

Seniorchef Herbert Reichhart ist zwar überzeugt: „Das wird sich irgendwann wieder drehen, aber ich will nicht darauf warten.“ Für Thomas bleibt einstweilen nur die logische Konsequenz: „Ich folge den Kundenströmen ins Internet und werde mich im E-Commerce betätigen.“ Sprich: Auch er will künftig seine Waren übers Internet verkaufen. „Ich denke aber nicht nur an Sportartikel, sondern generell an Textilien.“ Von den vier Angestellten haben übrigens drei schon einen neuen Job gefunden.

Der Räumungsverkauf bei Sport Reichhart dauert noch bis Ende März. Herbert Reichhart: „Damit wollen wir den Kundendienst für unsere Wintersportler gewährleisten.“

Johannes Welte

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