SPD sauer auf CSU und Grüne

Grünwalder: Sanierung der Westkurve ausgebremst

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Die Westkurve des Grünwalder Stadions ist aktuell nur teilweise nutzbar.

München - Die von der SPD angestrebte Prüfung, ob die Westkurve des Grünwalder Stadions saniert werden und somit die Kapazität der Spielstätte wieder gesteigert werden kann, ist ins Stocken geraten.

Mal tritt der Geschäftsführer auf einer Giesinger Bürgerversammlung auf, mal besucht der Investor den Oberbürgermeister: Der TSV 1860 kokettiert mit einer Rückkehr seiner Profis ins Städtische Stadion an der Grünwalder Straße. Wie ernst es den Löwen ist – da wollen sich nicht einmal Insider festlegen. Klar ist aber: Wenn es ernst wird, kommt es auch auf den politischen Willen an. Am Mittwoch diskutierte der Stadtrat über die Sanierung einiger Blöcke in der weitgehend gesperrten Westkurve. Und nicht einmal bei dieser vergleichsweise kleinen Maßnahme konnten sich die Parteien einigen.

Die traditionsreiche Fankurve der Löwen ist derzeit bei den Amateur-Spielen im Stadion weitgehend gesperrt. Bei den meisten Spielen verlieren sich nur ein paar dutzend Gästefans unter der Anzeigentafel, auf der nach wie vor die Tafeln mit dem Spielstand per Hand ausgetauscht werden. Nur bei den „kleinen“ Derbys zwischen Bayern und Sechzig in der Regionalliga wird ersichtlich, dass die Tristesse in der Kurve nicht nur an fehlendem Zuschauerinteresse liegt: Dann ist die Kurve ganz oder fast ausverkauft – und bietet trotzdem ein trauriges Bild, weil eben nur einzelne Blöcke in der Mitte geöffnet werden dürfen. Die SPD hatte im März beantragt zu prüfen, was es denn kosten würde, die ganze Westkurve zu sanieren (wir berichteten). Das Sportreferat wollte jetzt konkrete Projektkosten ermitteln lassen – wurde am Mittwoch aber von Schwarz-Grün im Stadtrat ausgebremst. Offenbar hatten die Stadträte aus der Verwaltung Signale bekommen, dass eine Erweiterung der aktuellen Zuschauerkapazität (12.500) rechtlich nicht möglich sei. Die rechtliche Frage ist, nach welchen Maßnahmen das Stadion noch Bestandsschutz genießt – und wann es, etwa beim Emmissionsschutz, die Werte wie ein Neubau nachweisen müsste. CSU-Stadträtin Christina Frank sagte unserer Zeitung: „Bevor wir Geld ausgeben, müssen wir jetzt erstmal prüfen lassen, was rechtlich möglich ist.“ In der Stadtrats-Diskussion hatte sie auch darauf verwiesen, dass es aktuell doch nur um zwei Spiele im Jahr gehe – alle anderen Spiele außer den Derbys zwischen Rot und Blau sind bei weitem nicht ausverkauft.

Die SPD reagierte mit Unverständnis. „Jetzt wird es länger dauern bis wir alle Fakten auf dem Tisch haben“, sagte SPD-Stadträtin Verena Dietl. „Die leeren Ränge in einem ansonsten gut besuchten Stadion sind traurig anzusehen.“ Ihre SPD-Kollegin Beatrix Zurek nannte die Westkurve im aktuellen Zustand eine „Bauruine“.

Mancher im Rathaus fand die Debatte am Mittwoch etwas absurd – war es doch eigentlich der Auftakt zu der großen Frage: ob die Löwen-Profis heimkehren könnten oder nicht. Die meisten Stadträte dürften es da mit ihrem Oberbürgermeister halten. Dieter Reiter hatte stets betont, er brauche eine klare Ansage des TSV 1860, ob sie denn nach Giesing heimkehren wollen oder nicht. Erst dann könne sich die Stadt ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen. Und dann wiederum dürfte Markus Drees Recht behalten. Der Vorsitzende der „Freunde des Sechzgerstadions“ kommentierte die Bedenken der CSU am Mittwoch ganz nüchtern so: „Es ist eben der politische Wille gefragt.“

20.000 Zuschauer, schätzt Drees, könnten im aktuellen Stadionbau nach Sanierung eingelassen werden. Ob Politik und Verwaltung das im Ernstfall ähnlich sehen werden – daran darf man seit Mittwoch noch ein bisschen mehr zweifeln.

Felix Müller

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