In Harlaching

Anwohner klagen gegen Schulturnhalle

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Für die sonntägliche Ruhe seiner Mandanten kämpft Rechtsanwalt Michael Beisse. Die Dreifachturnhalle, die im Hintergrund entsteht, soll zu den Ruhezeiten so wenig wie möglich geöffnet werden.

München - Eine Turnhalle zieht Menschen an – und die verursachen Lärm und benötigen Parkplätze. Mehrere Anwohner des städtischen Theodolinden-Gymnasiums, wo gerade eine Dreifachturnhalle gebaut wird, haben darauf keine Lust. Sie haben gegen die Baugenehmigung der Halle geklagt.

Ruhig ist es an der Eschenstraße in Harlaching. Im Innenhof der Wohnhäuser zwitschern Vögel, einzig hört man aus einem Klassenzimmer des Theodolinden-Gymnasiums auf der anderen Straßenseite „Morning has broken“ klingen. Geht es nach den Anwohnern, soll es auch so bleiben. Doch sie bangen um ihre Ruhezeiten, denn in der Dreifachturnhalle, die die Stadt München derzeit neben der Schule baut, sollen neben Schulsport und Trainingseinheiten auch Turniere und andere Veranstaltungen stattfinden. Vor dem Verwaltungsgericht wurde gestern die Klage gegen die Baugenehmigung behandelt.

Knackpunkt war die Frage nach der Begebenheit des Wohngebiets. Um diese zu klären, trafen sich Vertreter der Stadt, die Kläger und das Gericht vor der Verhandlung zum Ortstermin. Für Verwaltungsrichterin Marion Pauli-Gerz stand danach fest: Es handelt sich um ein reines Wohngebiet. Zwar grenzen die Häuser der Kläger auf der Rückseite an die Naupliastraße, an der sich drei Gewerbe befinden. „Es ist aber ein klarer Strukturschnitt“ zu erkennen. Es wurde also auf Basis der Lärmschutzbedingungen für ein reines Wohngebiet verhandelt.

„Wichtig ist uns, dass wir nicht gegen Schulsportbetrieb und Breitensport sind“, erklärte Rechtsanwalt Michael Beisse im Namen der Anwohner. Es gehe um die Abendstunden, die Wochenenden und Großveranstaltungen. Zum einen ist seinen Mandanten der Lärm, den Hallenbesucher vor dem Eingang machen könnten, ein Dorn im Auge. Die von der Stadt berechneten acht Personen, die während des Punktspielbetriebs in einer halben Stunde vor dem Eingang stehen und reden könnten, seien nicht realistisch.

Problematisch sehen die Anwohner auch die Parkplatzsituation in der Ruhezeit. Denn im reinen Wohngebiet sind dann nur 13 Bewegungen zulässig – während des Punktspielbetriebs in einer Dreifachturnhalle kaum möglich. Die Vertreterin der beklagten Landeshauptstadt meinte, man könne mit einer Schranke arbeiten und je nach Bedarf Halteverbote zu den Ruhezeiten einführen. Aber die Richterin war die „Bestimmtheit der Baugenehmigung“ in mehreren Punkten „nicht greifbar“ genug. So kam man auf den Vorschlag, Punktspiele sonntags erst ab 16 Uhr zu genehmigen. Trainiert werden könnte schon früher. Wochentags soll abends nur bis 21.30 Uhr gesportelt werden.

Es wäre ein Kompromiss für beide Seiten. „Es tut uns schon weh“, sagt Siegfried Trautmannsberger vom Referat für Bildung und Sport. Denn der Bedarf an Sporthallen sei bekanntlich hoch. „In den meisten anderen darf sogar bis 23 Uhr trainiert werden.“

Die Kläger werden sich intern besprechen, genauso wie die Behörden der Stadt. Dafür haben sie drei Monate Zeit. „Wenn die Stadt auf die besprochenen Vorschläge eingeht und die Baugenehmigung entsprechend ändert, ist die Klage ja hinfällig“, sagt Beisse. Zusätzlich wollen die Anwohner, dass der Halleneingang an die Westseite verlegt wird.

Andrea Steiler

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