Nachbarn in Aufruhr

Harlaching: Demo gegen Heimag-Abriss

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Die braven Bürger von Harlaching protestieren: Rudolf Auer (73, Mitte, grünes Hemd) und seine Nachbarn fürchten um ihre Heimat

München - Seit 49 Jahren lebt Rudolf Auer (73) in der Heimag-Siedlung in Harlaching. Gleich nach der Hochzeit mit seiner Uta (72) zog er ein. Jetzt fürchten sie um ihre Wurzeln.

Seit 49 Jahren lebt Rudolf Auer (73) in der Heimag-Siedlung in Harlaching. Gleich nach der Hochzeit mit seiner Uta (72) zog er ein, davor durften sie nicht. Die Tochter Birgit haben sie dort großgezogen. Jetzt fürchten sie um ihre Wurzeln: „Für uns wäre es die Vertreibung aus dem Paradies.“

Die Heimag-Siedlung in Harlaching

Seit Monaten sind die Nachbarn in Aufruhr: Will die Heimag unsere Wohnungen abreißen? Das Wohnunternehmen gehört zu 70 Prozent der städtischen Gewofag. Will die Stadt unsere Heimat plattmachen? Am Mittwoch sollte das Thema endlich im Rathaus besprochen werden, nachdem es schon einmal vertagt wurde. Die Nachbarn haben sich vorbereitet, Transparente und Schilder, ja sogar eine Demonstration auf dem Marienplatz angemeldet, bei der zwei, drei Dutzend Anwohner den Politikern die Meinung geigten – vor allem ältere Nachbarn, die seit Jahrzehnten dort wohnen.

Die braven Bürger von Harlaching gehen auf die Straße. Und was macht das Rathaus? Die SPD lässt das Thema vertagen!

Der Heimag-Aufsichtsrat und zuständige Stadtrat Christian Amlong habe leider einen wichtigen beruflichen Termin dazwischenbekommen, sagte SPD-Fraktionsvize Claudia Tausend. Die Bürgerinitiative der Siedlung sei vorab informiert gewesen. „Am Vorabend um 17.45 Uhr“, ärgert sich Mieter-Sprecher Hermann Gilbhard (69). Zu spät. Die braven Bürger sind außer sich: „Allerhand!“, ruft einer von der Besuchertribüne. „Ihr bekommt die Quittung!“

Die Rathaus-Drucksachen mögen geduldig sein, die Angst der Anwohner ist es nicht: „Es gibt ständig widersprüchliche Angaben“, sagt Gilbhard. Nach einer ersten Untersuchung 2011 habe es „Abriss“ geheißen, 2012 sei plötzlich ein besserer Zustand festgestellt. Jetzt heißt es auch in der Beschlussvorlage für den Stadrat: „Nach 2015 wird eine vertiefende Untersuchung des Gebäudezustands vorgenommen.“ Die Mieter trauen dem nicht. Eine „Beruhigungspille“ könne das sein.

Anwohner Rudolf Auer will noch lange weiter am Perlacher Forst in seinen ordentlichen 63 Quadratmetern wohnen bleiben – und auch nicht in ein paar Jahren zur Sanierung ausziehen: „Wenn ich dann 80 bin, dann gründe ich doch keinen neuen Hausstand mehr!"

David Costanzo

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