In Untergiesing

„Es stinkt und ist voller Rattenmist“ - Aus diesem Häusl soll ein Treff werden

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Die drei Freunde (v.l.) Florian Jund, Julian Hahn und Philipp Behringer wollen dieses Häusl aufpeppen.

In Untergiesing wartet ein altes Kioskhäusl seit Jahren darauf, wachgeküsst zu werden. Jetzt ist die Zeit so weit. Der Mietvertrag mit dem Grundstücksbesitzer ist schon unterschrieben.

München - Julian Hahn (25) liebt Sperrmüll und Haushaltsauflösungen – vor allem, wenn er alten Dingen neues Leben einhauchen kann. Bei dem ehemaligen Waldorfschüler wird ein ausrangierter Anhänger zur Küche, eine auseinander­geflexte Badewanne zur Sitzgelegenheit. Zu bestaunen ist das etwa beim Café Gans am Wasser, das Hahn 2016 im Westpark eröffnet hat. Jetzt hat er ein neues Projekt: Im Sommer wird er zusammen mit seinen Freunden Florian Jund und Philipp Behringer in Untergiesing aktiv.

Vor der Bahnbrücke an der Ecke Pilgersheimer- und Kupferhammerstraße wartet ein altes Kioskhäusl seit Jahren darauf, wachgeküsst zu werden. Die rote und blaue Farbe samt Graffiti schält sich langsam vom Holz, auf dem kleinen Grundstück wuchert das Unkraut. „Das Haus stinkt total und ist voller Rattenmist“, sagt Hahn. „Wir wollen es aufwerten und eine kleine Oase schaffen.“

„Das soll ein richtig schönes Hexenhäuschen werden“

Das Holzhaus soll neue alte Fenster bekommen – Überbleibsel vom Viehhof, wo gerade die Abrissbirne tobt –, eine Veranda und im Garten eine Kleinkunstbühne. Als Sitzgelegenheit soll zum Beispiel eine alte Kutsche dienen, die die Männer aufmöbeln wollen. Ein Naturholzzaun soll den Garten umrahmen, um eine intime Atmosphäre zu schaffen. „Das soll ein richtig schönes Hexenhäuschen werden“, schwärmt Julian Hahn. Drinnen soll es Snacks und Getränke geben, draußen sollen die Gäste Lesungen, Theaterstücken und Musik lauschen können. Der Name des Projekts steht noch nicht fest, aber vielleicht wird es das „Café Gans woanders“, grinst Hahn.

Läuft schon erfolgreich: das Café Gans am Wasser im Westpark.

Zusammen mit seinen Kumpels ist er zwischenzeitlich schon am Werkeln, aber es fehlen noch grundsätzliche Dinge wie Wasser- und Abwasserleitungen. Auch einige Genehmigungen der Lokalbaukommission stehen noch aus. Doch der Mietvertrag mit dem Grundstücksbesitzer – einem Privatmann – ist schon unterschrieben: Für zunächst fünf Jahre soll das Hexenhäuschen Untergiesing attraktiver machen. Es gibt eine Option auf Verlängerung – vielleicht werden danach auf dem Grundstück aber auch Wohnungen gebaut.

Kreativ-Team mit mehreren Projekten

Julian Hahn hat sich in der Kreativ- und Kulturszene Münchens in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Zusammen mit seinen Brüdern Daniel und Laurin sowie einigen anderen gründete er 2012 den Verein Wannda, aus dem verschiedene Projekte hervorgingen, etwa ein Musikfestival und der Märchenbazar, ein alternativer Christkindlmarkt auf dem Viehhof. Julians älterer Bruder Daniel (27) machte zudem mit der MS Utting von sich reden, einem ausrangierten Dampfer, der seit vergangenem Februar auf einer Sendlinger Brücke thront und zum Veranstaltungsort werden soll.

Eigentlich wollte Julian Hahn Medizin studieren, erzählt er. „Aber Daniel hat mich da mit reingezogen – und die Projekte wurden immer zeitintensiver…“ Und irgendwie hat er damit ja auch seine Bestimmung gefunden: „Ich liebe es, Sachen zu basteln“, sagt Julian Hahn. Die nächste Haushaltsauflösung kommt bestimmt…

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