Forderung an Bezirksausschuss

Jugendliche wollen unter die Candidbrücke - Politiker zollen Respekt, aber ...

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Das Areal unter der Candidbrücke könnte zu einem Treffpunkt für Jugendliche werden.

Die Jugendlichen in Untergiesing fordern mehr Spielflächen - und denken dabei an die Candidbrücke. Die Politiker vertrösten den Nachwuchs allerdings.

München - „Wir haben zu wenig Flächen für uns!“ Johanna und Amir sind ehrenamtlich tätige Jugendliche im Untergiesinger Jugendtreff Akku. Und sie sind verärgert. Zusammen mit der Akku-Leiterin Sieglinde Felixberger vom Kreisjugendring München-Stadt brachten sie auf der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Untergiesing-Harlaching eine klare Forderung vor: „Wir wollen eine Kinder- und Jugendspielfläche unter der Candidbrücke für uns junge Leute.“ Der regengeschützte Bereich sei sehr attraktiv für die Jugendlichen, ergänzte Felixberger.

Für die Wünsche der Jugend haben die BA-Politiker durchaus Verständnis. Doch der Zeitpunkt sei zu früh gewählt. „Der Candidplatz wird umgebaut und umstrukturiert“, erklärt BA-Chef Clemens Baumgärtner (CSU). „Doch mit allen notwendigen Schritten wird das schon noch zehn Jahre dauern.“ Bis dahin verfüge der Stadtteilnachwuchs ohnehin noch über eine Spielfläche weiter südöstlich auf dem Candidplatz. Abgestimmt wurde deshalb noch nichts. Auch wenn die jungen Leute viel Lob für ihr Engagement bekamen. „Euer Antrag ist sehr vorausschauend“, attestierte Baumgärtner den beiden Jugendlichen.

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„Dann würden Schrottautos verschwinden“

Umso erstaunlicher gestaltete sich die kontroverse Debatte zu dem Thema, die vorwiegend zwischen Grünen-Abgeordneten geführt wurde: „Gute Gedanken“ erkannte Fraktionssprecher Wolfgang Geißelbrecht. Es gelte, im Areal zwischen Akku, Auer Mühlbach und der Bushaltestelle im Umgriff der bestehenden Parkour-Anlage Jugendbereiche zu etablieren. „Dann würden die Schrottautos dort verschwinden.“ Doch dem widersprach sein Fraktionskollege Brar Braren: „Osram oder Hans-Mielich-Karrée - überall wird gebaut.“ Da werde der ohnehin hohe Parkdruck noch ansteigen. „Ich habe nichts gegen die Pläne der Jugendlichen, aber erst muss doch auch die Parksituation geklärt sein.“

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Fordern mehr Platz für die Jugend: Sieglinde Felixberger (Mi.) mit ihren Ehrenamtlichen Johanna und Amir.

Dem wiederum widersprach Parteikollegin Petra Jakobi. „Es ist doch absurd, hier mit Parkplatzbedarf zu argumentieren.“ Diese 20 Parkplätze seien zu vernachlässigen. BA-Vize Melly Kieweg, ebenfalls von den Grünen, empfand es indes grundsätzlich „jämmerlich“, die Kinder überhaupt unter die Brücke zu bugsieren. Dies sah Peter Ödinger (CSU) ähnlich: Unter der Candidbrücke seien Parkplätze allemal „besser geeignet“ als ein Jugendspielplatz. „Wir haben die Zeit, anderswo ein stimmiges Konzept dafür zu entwickeln“, befand er. „Die Isarauen sind zum Fußballspielen und für die Freizeit allemal besser geeignet.“ „Wir haben noch Jahre, um etwas Sinnvolles zu planen“, so Baumgärtner.

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Abgestimmt wurde schließlich mit Candidplatz-Bezug doch noch. Der BA votierte mehrheitlich dafür, den besagten Bereich künftig als Anwohnerparkplatz und nicht mehr für Park-and-Ride zu widmen. Weitere Entspannung erhofft sich das Gremium auch durch das neue Parklizenzgebiet, das noch heuer auf diese Gegend ausgeweitet werden soll.

Harald Hettich

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