In der Haftanstalt Stadelheim

Kinderschänder auf Buddhismus-Trip

Kirchheim - Pädophilie und Buddhismus - passt das zusammen? In der Münchner Haftanstalt Stadelheim offenbar schon. Ein 66-jähriger Sexstraftäter vom Heimstettner See gründete dort schon vor Jahren einen buddhistischen Gesprächskreis. Fraglich ist, ob dort nur meditiert wurde.

Im Prozess um die Frage der Sicherungsverwahrung gegen den Mann wurde am Montag auf pikante Weise die buddhistische Runde bekannt. In der Zelle des Angeklagten war nämlich ein ein Buch mit dem Titel „Wie ein Kind entsteht“ gefunden worden. Die Gefängnisverwaltung zog es umgehend ein. Unklar blieb, ob es ein Mitinsasse (60) aufgrund sentimentaler Erinnerung an die Geburt seines Sohnes mitgebracht hatte oder ob es die Männer - allesamt Sexualstraftäter - auf die Kinderbilder abgesehen hatten. Als Zeugen sagten zwei Mithäftlinge aus, gegen einen läuft gerade am Landgericht München II ein Strafverfahren wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes bis hin zur Vergewaltigung. Der 41-Jährige war nach seiner Verhaftung im Jahr 2013 zu der Gruppe gestoßen. Er bestritt, dass das Buch in der Gruppenstunde irgendeine Rolle gespielt hatte. Es sei von einem Mithäftling mitgebracht worden. „Der hatte immer so Bücher dabei“, sagte er. „Eines hieß, Existiert Gott?’. Er hoffte, in den Büchern wiederzufinden, was wir in der Gruppe besprochen hatten.“

Das Buch sei kein Thema gewesen, berichtete er, „Es passte gar nicht zu unserer Gruppe.“ Demnach soll der im Sicherungsverfahren angeklagte Medienberater sehr darauf geachtet haben, dass es um Buddhismus ging. Angeblich betrieb die Gruppe ein Fernstudium. Vom Münchner Aryatara Institut zog er ein Schreiben hervor, wonach die Stadelheimer als die „enthusiastischsten Studenten“ belobigt wurden.

Aber nicht allen Teilnehmern ging es nur um Buddhismus. Der 60-Jährige, der das pränatale Buch mitgebracht hatte, kam am liebsten, weil in der Gruppenstunde (viermal wöchentlich) hinter verschlossener Tür geraucht und geratscht werden durfte. Das zumindest gab er als Zeuge im Prozess zu. Über pädophile Neigungen oder über Straftaten sei es nie gegangen, behauptete der Mann. Das Buch habe ihn nur an früher erinnert. In dem Buch befanden sich aber auch Bilder kleiner Kinder. Ähnliche Bilder hatte der Angeklagte zuhauf angefertigt. Unter anderem von Kindern bei der Haarer Tafel. Den Eltern wollte er schöne Abzüge zukommen lassen. „Ich war immer ein Hobbyfotograf“, erwiderte er darauf ein wenig bockig.

Das Sicherungsverfahren hatte die Staatsanwaltschaft beim Bundesgerichtshof erwirkt. Trotz mehrmaliger Sexualstraftaten war sie im jüngsten Prozess, im Mai 2012, vom Landgericht MünchenI nicht verhängt worden. Damals hatte der Mann am Heimstettner See ein vierjähriges Mädchen in sein Schlauchboot geholt und es mitten auf dem See sexuell missbraucht. Der Prozess dauert an.

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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