In der Bürokratie-Falle

Gastronom will Kult-Brauerei nach München zurückholen - und gerät in kuriosen Disput mit der Stadt

Dietrich Sailer will an der Tegernseer Landstraße wieder „Münchner Kindl“-Bier herstellen.
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Dietrich Sailer will an der Tegernseer Landstraße wieder „Münchner Kindl“-Bier herstellen.

Ein Brauer will eine bekannte Sorte nach München zurückbringen - und zwar als Bio-Bier. Bereits seit zwei Jahren ist er in der Bürokratie-Falle gefangen.

  • Seit zwei Jahren will ein Gastronom die „Münchner Kindl“-Brauerei wieder aufleben lassen. 
  • Doch das Planungsreferat München hat eine Fläche falsch bezeichnet.
  • Nun liegt das Projekt auf Eis.

München - Eine ganz klassische Brauerei stellt sich Dietrich Sailer vor – eine Hausbrauerei mit Gaststätte. Ein ökologischer Hopfengarten drum herum, eine Bienenweide und Platz für Pferde. An der Tegernseer Landstraße 337 soll endlich das „Münchengefühl“ einziehen, der Meinung ist man auch im Bezirksausschuss (BA) Untergiesing-Harlaching. „Der Wille ist da“, sagt Sailer. Der Plan für die Brauerei steht – und doch geht bislang nichts voran.

Laut dem Traunsteiner Gastronom liegt das an der Stadt München: Es scheitert am Flächennutzungsplan. In diesem ist das 4000 Quadratmeter große Grundstück als „ökologische Vorrangfläche“ eingetragen. Das bestätigt ein Sprecher des Planungsreferats. Das bedeutet, dass diese Fläche im allgemeinen Umweltinteresse genutzt werden soll, beispielsweise mit Hecken oder Bäumen, die den Stickstoff aus der Luft binden oder einen Lärmschutz darstellen.

Brauer kämpft gegen das Planungsreferat München - BUND Naturschutz auf seiner Seite

Blickt man auf die Fläche nahe dem Perlacher Forst, ist es dort allerdings wenig grün. Stattdessen steht in der Amerikaner-Siedlung die alte Tankstelle der McGraw-Kaserne. Dazugehörige Gebäude und Flächen werden heute als Abstellmöglichkeit für Lastwagen genutzt. Eine Kfz-Reparaturwerkstatt ist noch in Betrieb. Seit 1971 ist das Gelände somit komplett versiegelt.

Mittlerweile unterstützt auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Bayern die Brauereipläne. Sailer hatte die Kreisgruppe München um eine Beurteilung des Grundstücks gebeten. Laut des Gutachtens des BUND ist die Fläche zwar auf einem als Biotop gekennzeichneten Bereich, das Gelände würde aber „in keiner Weise Biotopcharakter“ vorweisen, das stellte der BUND nach einer Besichtigung fest. Vielmehr stelle die Tankstelle und die versiegelte Fläche einen Fremdkörper dar – und die Baupläne der Brauerei wären sogar eine Aufwertung im Sinne der Natur.

So soll die geplante Kindl-Brauerei aussehen.

Brauer will „Münchner Kindl“ zurückbringen - als Biobier

Diese Fläche will Sailer mit seiner Hausbrauerei aufwerten und den 1880 gegründeten „Münchner Kindl“-Bräu mit etwa 10.000 Hektolitern gebrautem Biobier im Jahr wiederauferstehen lassen. Vor zwei Jahren dachte er, er könne seine Brauerei mit dem Backsteingebäude und dem Hopfengarten bereits 2019 eröffnen. Doch 2018 fehlten noch die Baugenehmigungen, wofür die Stadt den Flächennutzungsplan ändern müsste. Das Vorhaben scheiterte an dem gleichen Problem. Mit der Beurteilung des BUND und der Unterstützung des BA hofft Sailer, eine Änderung des Flächennutzungsplans zu erreichen.

Seit mehr als zwei Jahren besitzt der Traunsteiner das Grundstück. Weil er keine Möglichkeit sieht, seine Pläne bald umzusetzen, sieht er sich nun nach anderen Lösungen um. Er müsse wirtschaftlich handeln, sagt Sailer. Deshalb will er den genehmigten Servicebetrieb der Kfz-Reparaturwerkstat um eine Carwash-Station erweitern. Eine Bauvoranfrage hat er dazu bereits gestellt, eine Genehmigung sei ihm telefonisch vom Planungsreferat zugesagt worden. Der BA unterstützt beide Pläne von Sailer, die Brauerei und die Autowaschanlage. Allerdings wolle man mit Nachdruck an das Planungsreferat appellieren, die Brauerei nicht zu verhindern, hieß es von der SPD-Fraktion im BA: „Der Nutzungsplan darf nicht im Weg stehen.“

Astrid Probst

Diese zehn Münchner Brauhäuser müssen Sie kennen - und auch diese Kleinbrauereien in München.

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