Autofahrer versucht, Polizisten in Washington zu überfahren

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Wohnblock statt Idylle

In Giesing weichen die Bäume dem Beton

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Sigi S. schaut jetzt auf einen Erddamm statt auf ein Wäldchen.

München - In Untergiesing haben derzeit die Motorsägen das Sagen. Zwei grüne Oasen, auf denen schöne Bäume standen, werden plattgemacht. Teuere Wohnungen sollen hin, na klar.

In Untergiesing haben derzeit die Motorsägen das Sagen. Kaum, dass auf Kosten der Steuerzahler die Lärmschutzwand auf dem Bahndamm des Südrings errichtet wurde, versilbert die Bahn die Flächen links und rechts der Gleise. Das heißt auch, dass damit der Ausbau der Bahnlinie bis auf Weiteres ad acta gelegt ist. Ein Investor plant hier, wo zuletzt noch Bäume standen, neue Wohnhäuser – und die haben ihren Preis.

„Wir hatten hier ein grünes Idyll, jetzt sind die schönen Bäume weg.“ Anwohner Sigi S. schaut auf einen braunen Erdwall, den man ihm vor die Nase geschoben hat. Die Bäume wurden gefällt. Das Grundstück wurde an einen Investor verkauft, der mehrere Wohnhäuser errichten will. „Dabei hatte dieser Grund vor dem Zweiten Weltkrieg meiner Familie gehört, wir mussten es 1942 verkaufen, für einen Dumpingpreis.“ Die Nazis wollten die Bahnline Richtung Osten sechsgleisig ausbauen, dazu brauchte die Bahn den Grund. Geschichte, die Gleise kamen nie. Nun wurde die Fläche meistbietend verkauft. „Wir hätten den Grund gerne zurück gekauft“, so Sigi S, „Man hat uns aber nicht gefragt.“

Auch die Architekten Goldbrunner + Hrycyk aus der Au waren an dem Grund interessiert, wollten günstige Genossenschaftswohnungen bauen. „Es hießt aber, dass man auf dem Bahngrundstück nicht bauen kann“, so Martin Goldbrunner. Nun plant das die Grünwalder Metropolian Dritte GmbH, die schon in der Nachbarschaft auf dem Telekomgelände ein Wohnhaus errichtet. Preis: 7100 Euro pro Quadratmeter. Metropolian-Chef Stefan Pfender: „Das Bahngrundstück wird bald umgewidmet, dann können wir dort bauen.“

Kommen die Studenten?

Viele Giesinger waren in den vergangenen Tagen geschockt. Die Schrebergartenanlage an der Hebenstreitstraße ist weg, die großen Bäume gefällt, die kleinen Häuschen plattgemacht.

Bis vor kurzem breiteten sich in der Hebenstreitstraße Schrebergärten mit stattlichen Bäumen aus. Das ist aber mittlerweile Vergangenheit …

Was ist da los? Die Bahn als bisheriger Eigentümer verrät nur, dass „Baumpflegemaßnahmen an der Böschung“ stattgefunden hätten. Richtig sei auch, dass das Grundstück verkauft worden sei. Käufer ist die Grünwalder Metrolpolian Dritte Projekt GmbH, sie plant hier eine Studentenwohnanlage mit 62 Apartments. „Die Lage ist hervorragend, die Bewohner haben es nur ein paar hundert Meter zur Isar und die U-Bahnstation liegt vor der Haustüre,“ so Metropolian-Chef Stefan Pfender.

Die Stadt fand das Bauprojekt bislang noch nicht so berauschend: Der Bauantrag wurde Ende vergangenen abgelehnt – unter anderem mit dem Hinweis, dass es sich laut Flächennutzungsplan um ein Bahnbetriebsgelände handle.

„Die Umwidmung ist längst eingeleitet“, sagt dagegen Pfender, der gegen die Ablehnung Rechtsmittel eingelegt hat. Spätestens mit der Entwidmung stehe dem Apartmenthaus nichts mehr im Wege. Und die Bäume sind schon weg …

Johannes Welte

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