Mutter klagt an - wir fragen nach

Bub (1) nach Anfall bewusstlos - doch der Krankenwagen fährt einen Umweg

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Der kleine Domenico im Krankenwagen. Nach dem Krampfanfall war er lange Zeit weggetreten. 

Es müssen dramatische Minuten für die 28-jährige Marina D’Apolito gewesen sein: Ihr Sohn hatte einen schweren epileptischen Anfall, die stationäre Hilfe aber verzögerte sich.

München - Eine Horrorvorstellung für jede Mutter: Das eigene Kind wird bewusstlos und der Krankenwagen „irrt“ durch die Stadt. Diese bangen Minuten erlebt Marina D’Apolito am Sonntag. Sie hat Angst um ihren erst eineinhalb Jahre alten Sohn Domenico. Bewusstlos liegt er im Krankenwagen - und es dauert lange, für die Mutter gefühlt eine Ewigkeit, bis er endlich in eine Klinik eingeliefert wird.

Von Anfang an: Der Kleine erleidet einen epileptischen Anfall. Seine Mutter Marina wählt den Notruf. Eigentlich ist die nächste Klinik nicht weit entfernt, nur wenige Fahrminuten. Es ist das Klinikum Harlaching, in dem bei ihrem Sohn auch im Dezember die Diagnose Epilepsie gestellt wurde. Die Pfleger und Ärzte kennen ihn, Domenico kam dort zur Welt. 

Mutter: Er bekam kaum Sauerstoff und schwebte in Lebensgefahr

Doch hier kann er am Sonntag nicht eingeliefert werden, das Klinikum hat zu diesem Zeitpunkt nicht genug Kapazitäten frei. Der Krankenwagen muss mit dem bewusstlosen Kleinkind zum 20 Minuten entfernten Uni-Klinikum Großhadern fahren. Ein langer Umweg durch die Stadt. "Die Notärzte und Rettungssanitäter waren extrem nervös“, erzählt Marina D‘Apolito im Gespräch mit unserer Redaktion. Ihr Sohn habe in Lebensgefahr geschwebt. Domenicos Sauerstoff-Sättigung sei abgefallen, er habe blaue Lippen bekommen, sei über eine Stunde lang nicht aufgewacht. Die Kinderärztin und der Notarzt hätten darüber beraten, den Jungen zu sedieren, ihn also in ein „künstliches Koma“ zu legen.

Der kleine Patient im Uni-Klinikum Großhadern. 

Schon im Winter hatte das Kleinkind immer wieder schlimme Krampfanfälle. Doch am Sonntag war es besonders schlimm. Auf Grund des Vorfalls wandte sich die Mutter nun zunächst an die Abendzeitung

Aber wie gefährlich war die Situation wirklich? Bestand akute Lebensgefahr? Der Pressesprecher des Klinikums Harlaching wehrt sich: „In der Berichterstattung ist der Eindruck entstanden, wir hätten den kleinen Patienten am Sonntag aktiv abgewiesen. Das ist falsch.“

BRK schlägt Alarm: Patienten mit Wehwehchen überlasten die Notaufnahmen

Klinik-Pressesprecher: Wir hätten bei Lebensgefahr Notfallversorgung geleistet

Die Rettungsleitstelle in München verteile die vielen Einsätze im Stadtgebieten an die Krankenhäuser. Die Koordinierung laufe in München über das sogenannte IVENA-System ab. „Es zeigt minutenaktuell in einem Online-Portal an, welche Klinik gerade zum Beispiel einen Schwerverletzten mit Kopfverletzungen behandelt. Dann fährt ein Rettungswagen mit einem ähnlichen Beschwerdebild gleich ein anderes Krankenhaus an“, so Diecke weiter. „So kommt es nicht selten vor, dass die Anfahrt von der Rettungsleitstelle in ein Krankenhaus koordiniert wird, das nicht zwangsläufig die räumlich nächstgelegene Klinik sein muss. Das passiert am Tag in München mehrfach, dass eine Klinik gegebenenfalls für eine Stunde einen Schockraum abmeldet, weil gerade Patienten mit schweren Verletzungen dort behandelt werden, durch die personelle Ressourcen in großem Umfang gebunden werden.“

Notfall: Wann Patienten direkt ins Krankenhaus sollten

Aber: Wenn es eine lebensbedrohliche Situation in einem Rettungswagen gibt, so Dierck, werde sofort das nächstgelegene Krankenhaus angefahren. Konkret für diesen Fall versichert er: „Wir wären am Sonntag für diese Form der Notfallversorgung in der Kinderklinik Harlaching zur Verfügung gestanden.“ Domenicos Mutter dagegen sagt: „Jeder epileptische Anfall ist lebensgefährlich, vor allem mit Bewusstlosigkeit!“ Aus ihrer Sicht hätte das Krankenhaus angefahren werden müssen, das am schnellsten helfen kann.

Domenicos Mutter geht es nicht um Vorwürfe

Ob die Situation tatsächlich so lebensbedrohlich war, wie es die besorgte Mutter in diesen Minuten wahrnahm, bleibt eine offene Frage. Ihr ging es auch nie darum, dem Klinikum Harlaching Vorwürfe zu machen. Die Pflegekräfte dort seien sehr bemüht um ihren Sohn. Eher geht es ihr um die Politik. Marina D’Apolito verlangt eine bessere finanzielle Ausstattung der Krankenhäuser, damit sie mehr Ressourcen und Kapazitäten frei hätten, um alle Notfälle aufzunehmen. 

Die gute Nachricht: Domenico und seine Mutter wurden am Dienstagmittag aus der Klinik entlassen. Ihm geht es wieder besser. „Gott sei Dank ist in unserem Fall nochmal alles gut gegangen und Großhadern hat wirklich super Arbeit geleistet“, sagt die erleichterte Mutter.

Domenico geht es mittlerweile besser - sehr zur Erleichterung von seiner Mutter Marina. 

Grippewelle im Frühjahr zeigte Grenzen auf

Zuletzt berichteten wird auf merkur.de darüber, dass die Krankenhäuser in der Region durch die jüngste Grippewelle zeitweise ausgelastet waren. So beispielsweise Stationen in Dachau und Indersdorf. Auch in Fürstenfeldbruck kam es zu Engpässen, sogar Betten mussten in der dortigen Kreisklinik gesperrt werden, ähnlich war die Situation auch in Wolfratshausen Anfang März. Durch die angespannte Situationen während der Grippewelle, konnten sogar Unfallopfer nicht aufgenommen werden.

mag

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