Anwohner haben Bedenken

Nach Haus-Abriss in Giesing: Eigentümer darf Trümmer selbst wegräumen

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Am Donnerstag soll der Schutt an der Oberen Grasstraße 1 weggeräumt werden.

Anfang September wurde ein unter Denkmalschutz stehendes Haus illegal abgerissen. Nun werden die Reste des früheren Uhrmacherhäusl weggeräumt - vom Eigentümer selbst. 

München - Ein Berg Schutt unter Abdeckplanen ist alles, was vom unter Denkmalschutz stehenden Uhrmacherhäusl an der Giesinger Oberen Grasstraße 1 blieb, nachdem es am 1. September ohne Genehmigung abgerissen worden war. Die Reste des Handwerkerhäuschens von 1840 verschwinden nun am kommenden Donnerstag – allerdings werden sie nicht entsorgt, sondern vom Eigentümer, der den illegalen Abriss veranlasste, weggeräumt.

Wie Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bereits im Oktober ankündigte, soll der Wiederaufbau des Anwesens in alter Form und Größe „mit allen rechtlichen Mitteln“ durchgesetzt werden. Die im Referat für Stadtplanung und Bauordnung angesiedelte Untere Denkmalschutzbehörde teilte am Dienstag mit, dass am 9. November die „geordnete Räumung des Abbbruchmaterials“ stattfinde. Räumen wird nach Informationen unserer Zeitung der Eigentümer des abgerissenen Hauses, Andreas S. aus Neuried, selbst – allerdings „unter der Aufsicht von Fachleuten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege“. Sie sollen überwachen, welcher Schaden entstanden ist und welche Teile des Baumaterials möglicherweise bei einem Wiederaufbau verwendet werden können.

Eigentümer droht hohe Geldstrafe

Die Initiatoren der Bürgerinitiative „Heimat Giesing“, die von Anwohnern nach dem illegalen Abriss gegründet wurde, haben Bedenken angesichts der Tatsache, dass der Eigentümer selbst räumen darf. „Wir werden unsere Augen offen halten“, kündigte Angelika Luible an, damit keine historische Bausubstanz unwiederbringlich verschwinde. „Wir fragen uns zudem, wo die Trümmer überhaupt hingebracht werden.“

Im Zuge der Arbeiten lässt die Stadt außerdem die angrenzenden Gebäude und die Mauerreste des Uhrmacherhäusls umfangreich sichern. Das Verwaltungsverfahren, mit dem die Stadt den Hauseigentümer Andreas S. aus Neuried zum Wiederaufbau verpflichten will, läuft weiter. Ebenso das Bußgeldverfahren – mit möglichen 250 000 Euro Strafe wegen Missachtung des Denkmalschutzes und 500 000 Euro wegen des Verstoßes gegen die Bauordnung. Außerdem finden nach Angaben der Stadt noch Abstimmungen mit dem Polizeipräsidium und der Staatsanwaltschaft statt.

Mit Letzterer hatte Andreas S. bereits 2015 einmal zu tun, als wegen einer Streitigkeit mit einem Mieter seines Hauses an der Fraunhoferstraße 36 ein Strafbefehl gegen ihn beantragt wurde. Vor Gericht wurde dieser dann eingestellt. Wie berichtet, hatte S. sich bei der Sanierung ebendieser Immobilie bereits einmal über Bauvorschriften hinweggesetzt.

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