Nachbarn klagen verzweifelt gegen Pläne

"Reinster Horror": Kampf gegen Riesen-Mauer

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Die Nachbarn am Schmorellplatz in Harlaching protestieren gegen das Projekt mit einer 13 Meter hohen Mauer.

München - Die Nachbarn am idyllischen Schmorellplatz kämpfen: Nebenan soll ein Vier-Etagen-Wohnquartier gebaut werden. Inklusive einer 13-Meter-Mauer!

Sie haben 600 Unterschriften gesammelt, Briefe an Behörden geschrieben, einen Anwalt eingeschaltet: Die Nachbarn am idyllischen Schmorellplatz(Harlaching) fürchten um ihr Grün, ums Licht und um die Luft, zu atmen. Denn auf der anderen Seite des Gartenzauns soll eine Villa abgerissen und durch einen Neubau mit sieben Wohnungen ersetzt werden. „Das wird der reinste Horror“, sagt Anwohner Roman Telega (60). Einige Meter vor ihren Fenstern und Balkonen könnte einmal die Rückseite des Hauses betoniert werden — fast 13 Meter hoch, mehr als 40 Meter breit! Montag ging es vor dem Verwaltungsgericht um das Grundstück. Und es sieht schlecht aus für die Nachbarn … Verhandelt wurden nur ein Neubau und nur sieben Wohnungen — es geht aber auch um die Zukunft der Stadt: Wie wollen wir wohnen? Müssen wir nicht alle ein bisserl zusammenrücken, um Druck aus dem Mieten-Kessel abzulassen? Nach einer Studie der Stadt könnten allein in den Gartenstädten wie in Harlaching noch 190 000 weitere Wohnungen entstehen!

Alt-OB Christian Ude (SPD) hatte zuletzt mehrfach gemahnt, dass es beim Neubau die meisten Proteste hagele: Alle wollen Wohnungen — aber bitte nicht vor der eigenen Haustür! Andererseits: Wie viel müssen die Alteingesessenen ertragen, wenn ein Investor seinen Grund maximal ausreizt, um mit Luxus-Wohnungen maximalen Profit zu scheffeln? Abstandsflächen, Geschossflächenzahlen, Bauvoranfragen: Vor Ort füllen die Nachbarn sie mit Leben — Christa Börke (70) etwa, die seit 38 Jahren nebenan im Erdgeschoss lebt und darum umso mehr den Schatten des Neubaus fürchtet. Ihre Nachbarin Dr. Marianne Wälischmiller (82) hat ihre Wohnung 1995 gekauft und prangert die „Rücksichtslosigkeit“ an. Sie wollen nicht den Wohnungsbau verhindern – es graut ihnen vor der schieren Größe.

Wo früher nur Ex-FC Bayern- Star Luiz Gustavo gewohnt habe, sollen vier Geschosse entstehen, obwohl in der Umgebung drei Etagen üblich seien. Statt einer Villa könnte es sieben Apartments geben — inklusive Penthouse. In der Tiefgarage sollen 14 Autos Platz finden. So steht es in den Plänen, die alle Nachbarn im Briefkasten hatten. Der prominente Münchner Investor äußerte sich ebenso wie sein Anwalt auf Anfrage der tz nicht.

Im Prozess ging es um zwei Voranfragen: Die Stadt hatte nämlich einen ersten Entwurf abgelehnt. Der Architekt hatte aber noch einen abgespeckten Plan eingereicht, gegen den sich jetzt der Protest richtet. Hier gab die Lokalbaukommission aber positive Signale! Die Nachbarn beknieten hinterher den Anwalt des Investors. Der aber argumentierte, dass der Neubau nach dem Gesetz auch nicht größer als die Gebäude in der Umgebung ausfalle. Und dass schließlich auch das Haus der Nachbarn sehr nah an die Grundstücksgrenze gebaut sei. Unterm Strich könnte der Neubau eine Genehmigung bekommen, wenn er noch ein bis zwei Meter von den Nachbarn abrückt. Heute fällt die Stadt eine Entscheidung

David Costanzo

CSU-Stadtrat Babor: „Dieses Projekt ist ein Unding!“

Die Nachverdichtung hat im Wahlkampf eine große Rolle gespielt: Vor allem die CSU hatte Gartenstädte vom engeren Wohnungsneubau ausnehmen wollen. Jetzt ärgert sich der Harlachinger CSU-Stadtrat Reinhold Babor über das Projekt am Schmorellplatz: „Das Grundstück soll überproportional bebaut werden. Ein Unding!“ Stadtbaurätin Elisabeth Merk solle dem Neubau die Genehmigung verweigern. SPD-Stadträtin und Mieterschützerin Beatrix Zurek kann die Sorgen der Nachbarn verstehen, erinnert aber ans Baurecht: Wenn der Neubau rechtlich zulässig ist, wäre das eine Enteignung des Eigentümers. Millionen-Entschädigungen kämen auf die Stadt zu! Auch teure Wohnungen entlasteten den Markt, weil durch den „Sicker- Effekt“ beim Umzug günstigere frei würden. Schwarz-Rot hat sich darum geeinigt, Villenviertel nicht auszuschließen.

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