Nachverdichtung ja, aber bitte nicht so

Sie wollen keine Wohnblocks im Villenviertel - Stadt sieht das anders

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Ist die Gartenstadt in Gefahr? Diese Gruppe glaubt „ja“ und kämpft um ihr Grün. 

Die Bewohner des Südtiroler Viertels in Giesing sind sauer: Mitten in ihrer grünen Oase plant ein Bauträger Wohnblocks mit vier Etagen und Dutzenden Single-Appartments. Nachverdichtung ja, aber nicht so, sagen sie. Doch die Stadt winkt ab.

München - Sie haben 180 Unterschriften gesammelt, mit Behörden Kontakt aufgenommen und in einem Brief Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) um Hilfe gebeten. Die Bewohner des „Südtiroler Viertels“ in Giesing fürchten um ihr Grün, ihre Ruhe und den Gartenstadt-Charakter ihres Umfelds, das zwischen den Trainingsgeländen von FC Bayern und TSV 1860 liegt. Denn: An der Traminer Straße 6 sind insgesamt sieben bis zu 13 Meter hohe, viergeschossige Wohnblocks mit 90 Single-Appartments geplant – mitten im Villen-Viertel.

Fast 200 Anwohner haben sich nun zu einer Interessensgemeinschaft zusammengeschlossen, um das „massive Vorhaben“ zu verhindern. „Was hier geplant ist, ist Maximalverwertung“, sagt Martin Baur von der Initiative. „Für uns bedeutet das Lärm, Abgase und den fast völligen Kahlschlag des Baumbestands auf dem Grundstück.“ Die insgesamt fünf Tiefgaragenausfahrten seien so geplant, dass sie in kleinste Nebenstraßen führen – und dort Chaos verursachen.

Auf dem 7400 Quadratmeter großen Areal wollen drei Parteien bauen. Zwei davon gehören zu einer Erbengemeinschaft. Den größten Teil des Geländes aber will die zum Immobilieninvestor Advisum gehörende Dolomitenstraßen GmbH & Co. mit vier je 13 Meter hohen Wohnhäusern bebauen. In den Gebäuden entstehen vor allem Kleinst-Appartments mit maximal 34 Quadratmetern. Für die Initiative ein Signal, dass hier mit einem „Boarding House“ für Manager oder Studentenbuden maximaler Gewinn gemacht werden soll. Der Projektleiter des Immobilieninvestors wollte sich auf Anfrage nicht zum Bauvorhaben äußern.

Die Initiative hat bereits einen Anwalt eingeschaltet, er prüft das Verfahren und soll die Nachbarn notfalls in einer Klage vertreten. „Niemand will die Verwertung des Grundstücks unterbinden“, macht Baur klar. „Jeder hat Verständnis für Nachverdichtung in München, aber eine so extensive Bebauung mit Single-Wohnungen zerstört den familiären Charakter.“

„Dieses Bauvorhaben passt überhaupt nicht in dieses Eck des Viertels“

Auch Clemens Baumgärtner (CSU), Chef des Bezirksausschusses (BA) Untergiesing-Harlaching, nimmt kein Blatt vor den Mund: „Dieses Bauvorhaben passt überhaupt nicht in dieses Eck des Viertels“, schimpft er. Die geplanten Gebäude gingen über die Höhe aller Häuser dort hinaus. „Es ist ja schön, wenn sich Bauträger die Taschen voll machen, aber den Lärm und den Verkehr haben die Anwohner.“ Zunächst sei aber fraglich, ob das bestehende Haus auf dem Anwesen nicht unter den Denkmalschutz falle und abgerissen werden dürfe. Der BA hat die Pläne des Immobilieninvestors in seiner Januar-Sitzung jedenfalls durchfallen lassen.

Neubauten sollen sich in die Umgebung einfügen, das hat kürzlich Cornelius Mager, Leiter der Lokalbaukommission, der Bayerischen Hausbesitzerzeitung gesagt: „Wir würden uns wünschen, dass Bauträger auch mal wieder an familiengerechte und bezahlbare Wohnungen denken. Gerade in den grünen Vierteln mit großen Gärten machen Single-Wohnungen wenig Sinn.“ Das eine ist der Wunsch, das andere die rechtliche Lage, sagt Thorsten Vogel vom Planungsreferat. „Baurechtlich sind die Wohnungsgrößen, die ein Bauherr umsetzt, kein Beurteilungskriterium.“

Vogel erklärt: Seit 2014 gibt es einen Bauvorbescheid für sieben Mehrfamilienhäuser. „Aktuell läuft die Prüfung von zwei Bauanträgen mit sechs Häusern.“ Maß für die Neubauten sei die Umgebungsbebauung. Und: „Es gibt hier bereits Gebäude mit der gleichen Höhe“, betont Vogel.

Doch was ist die Umgebung? Laut den Anwohnern hat sich das Planungsreferat an 13 Meter hohen Gebäuden am Karneidplatz orientiert. „Die sind aber gar nicht in Sichtweite“, sagt Baur von der Interessensgemeinschaft. Alle sonstigen Gebäude bestünden nur aus Erdgeschoss, erstem Stock und Dachgeschoss. Auch hier winkt Vogel ab: „Selbst das Gebäude, das bisher auf dem Baugrundstück steht, ist so hoch wie die geplanten Bauten.“ Und: Unter Denkmalschutz stehe es nicht.

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