Stadt kauft 355 Wohnungen

GBW-Mieter: Wir sind gerettet

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In diesem Haus im Hasenbergl wohnt die Familie Peter

München - Jubel bei vielen GBW-Mietern: Ihre Wohnungen werden nicht an einen Konzern verhökert – die Stadt hat sie übernommen! Kosten: Etwa 50 Millionen Euro.

Nach einer knallharten Debatte hat der Stadtrat hinter verschlossenen Türen dem Kauf von 355 Wohnungen zugestimmt. Kosten: rund 50 Millionen Euro. Aber nicht nur die betroffenen Mieter im Hasenbergl und in Giesing dürfen aufatmen – nach tz-Recherchen sollen auch die anderen 8000 GBW-Mieter in München besser gestellt werden!

Zunächst einmal geht es um sechs Wohnblöcke mit 300 Wohnungen im Hasenbergl an der Ecke Dülfer-/Ittlingerstraße und um eine Anlage mit 55 Einheiten an der Ecke Agilolfinger-/Krumpterstraße in Giesing. „Die Zeit der Unsicherheit und der Ängste ist vorbei. Mit dem Erwerb konnte endgültig verhindert werden, dass Ihre Wohnungen in die Hände eines rein profitorientierten Immobilienunternehmens gelangen“, schrieb OB Christian Ude (SPD) den Mietern in einem Brief. Die gute Nachricht hatte jeder Betroffene schon am Nachmittag im Briefkasten – weil Udes persönlicher Fahrer, Hüsamettin Kaya, die Briefe zustellte!

Doch auch alle anderen GBW-Mieter dürfen auf etwas mehr Schutz hoffen: Sie sollen laut Staatsregierung endlich Zusätze zu ihren Mietverträgen bekommen, die ihnen mehr Rechte wie Schutz vor Kündigung und Luxussanierung gewähren! Diese könnten sie bei Verstößen sogar einklagen. Das hatten Mieterverein, Stadt und Rot-Grün lange gefordert, weil die bislang gültige Sozialcharta wertlos sei. Außerdem verlangen sie darüber hinaus einen besonderen Schutz vor Mieterhöhung. Zuletzt hatte sogar die CSU im Landtag einen Dringlichkeitsantrag gestellt. Die GBW will dazu keine Stellung nehmen – dementiert aber auch nicht.

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Es war kein Geringerer als Finanzstaatssekretär Johannes Hintersberger (CSU), der im Landtag den Schritt ankündigte. Laut Protokoll sagte er: „Nach Kenntnis der BayernLB, die das Kontrollorgan ist, hat die Patrizia umgehend Schritte zur Umsetzung dieser Sozialcharta in die einzelnen Mietverträge in die Wege geleitet. Das ist ein Prozess, der nach meinem Informationsstand derzeit läuft.“ Die BayernLB hatte nach ihrem Milliarden-Debakel die GBW mit 33 000 Wohnungen an ein Konsortium unter Führung des Konzerns Patrizia verkauft. Der Mieterschutz betrifft laut Staatssekretär auch die Wohnungen, die jetzt weiter verhökert werden: „Außerdem muss die Patrizia bei dem zulässigen Verkauf von Bestandswohnungen dafür sorgen, dass der Erwerber die Regelungen auch einhält.“

Ude kündigte den jetzt schon betroffenen 355 Mietern in seinem Brief an, dass sie Ergänzungen zu den Mietverträgen bekommen – allerdings würden sie bald von der Gewofag betreut und seien durch das Soziale-Mieten-Konzept der Stadt noch besser geschützt.

Wollten schon fast wegziehen

Wir sind sehr erleichtert, weil wir vor einer erneuten Mieterhöhung Angst hatten. Für 68 Quadratmeter zahlen wir ja jetzt schon 920 Euro warm! Wir hatten sogar geplant, wegzuziehen, wenn es so gekommen wäre. Seit 2009 wohnen wir hier – und trotz zwischenzeitlicher Miet­erhöhung wurde nichts ­renoviert. Von der neuen Hausverwaltung wünschen wir uns eine Außensanierung des Hauses, und dass es etwa einen eingezäunten Fußballplatz für die Kinder gibt.

Peramezza Marcellino (24), selbstständiger Entsorger, und Tanja Peter (26), ­Hausfrau, mit den gemeinsamen Kindern Josephina (7) und Giuliano (4)

Danke an den Oberbürgermeister

Das ist eine gute Nachricht für uns – und dafür möchte ich mich auch bei unserem Oberbürgermeister bedanken. Der bisherige Eigentümer hat sich um die Anlage allerdings nicht gekümmert. Bei Beschwerden und Problemen hat sich die Hausverwaltung nicht zuständig gefühlt. Ich wohne schon seit 1998 hier: Seitdem sind ganz viele Nachbarn weggezogen. Ich wünsche mir, dass sich die neue Hausverwaltung der Gewofag für uns einsetzt.

Cakin Bekir (47), Aluminium-Gießer, mit seinem Sohn Emir Kaan (11)

 

David Costanzo, Christof Nikolai

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