Schülerin läuft vor Linienbus

Stadtwerke verklagen Zwölfjährige auf Schadenersatz

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Einen Schock hatte der Fahrer der Linie 52 bei dem Unfall im Juli 2013 erlitten.

München - Die Stadtwerke erheben Klage gegen ein Kind: Als Zehnjährige war das Mädchen vor einen Bus gelaufen – mit schweren Folgen auch für Fahrer und Passagiere. Es geht um mehr als 15 000 Euro Schadenersatz.

Zwei Jahre liegt der Unfall an der Schönstraße in Untergiesing zurück: Im Juli 2013 war eine Zehnjährige mit ihrem Tretroller vor einen Bus der Linie 52 gelaufen. Der Fahrer, der mit Tempo 47 unterwegs war, machte eine Vollbremsung – und rettete so wohl das Leben der Schülerin. Ihr Kopf zerschlug die Windschutzscheibe, wobei sie sich glücklicherweise nur Platz- und Schürfwunden zuzog. Überrollt wurde sie von dem tonnenschweren Bus nicht.

Schwerer traf es dagegen den Busfahrer und die Passagiere. „Durch die Vollbremsung gab es zehn Verletzte, darunter auch Schwerverletzte“, sagte MVG-Pressesprecher Matthias Korte unserer Zeitung am Sonntag. Zudem habe der Busfahrer ein Trauma erlitten. „Er war lange Zeit nicht arbeitsfähig.“

 Nun fordern die Stadtwerke 15 300 Euro Schadenersatz von der Gymnasiastin. Korte zufolge geht es um die Kosten für die Reparatur der Karosserie und der Windschutzscheibe. Außerdem fordern die Stadtwerke Ersatz für die Lohnfortzahlung des Busfahrers, der bis ins Jahr 2014 nicht arbeitsfähig war.

Der Prozessauftakt war am Freitag vor dem Landgericht München I. Das Gericht wird sich im Lauf des Verfahrens unter anderem mit der Frage beschäftigen, ob der Busfahrer langsamer hätte fahren müssen. In der Nähe des Unfallortes gibt es einen Kindergarten. Warnschilder weisen auf Kinder hin. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, befand die Richterin vorerst, es sei ausreichend gewesen, bremsbereit zu sein, so lange keine Kinder in der Nähe zu sehen waren.

Auch wenn es ungewöhnlich scheint, eine Zehnjährige zu verklagen: Laut Gesetz können Kinder ab zehn Jahren für die von ihnen verursachten Schäden haftbar gemacht werden. In der Regel übernimmt die Haftpflichtversicherung die Schadensregulierung. Allerdings gibt es bei Kindern vom siebten bis zehnten Lebensjahr Einschränkungen bei Unfällen mit Kraftfahrzeugen. Die Gymnasiastin war zum Unfallzeitpunkt zehn Jahre und zwei Monate alt.

Alleine muss sie jedenfalls nicht haften: Laut Gesetz ist der Betrieb eines Fahrzeugs an sich schon eine Risikoangelegenheit. Deshalb besteht eine sogenannte allgemeine Betriebsgefahr. Die hat die Richterin dem SZ-Bericht zufolge auf 30 Prozent bestimmt. Wann die Verhandlung am Landgericht weitergeht, ist noch unklar.

Bettina Stuhlweißenburg

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