OB erteilt strengste Anweisungen

Ude entmachtet die Klinik-Bosse

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Klinik-Drama: OB Ude entmachtet die Bosse Elizabeth Harrison, Freddy Bergmann (li.) und Hans-Jürgen Hennes

München - Das Städtische Klinikum nähert sich dem Herzstillstand: Jetzt kritisiert OB Christian Ude die drei Klinik-Bosse und erteilt strengste Anweisungen - das kommt einer Entmachtung gleich.

Das Städtische Klinikum nähert sich dem Herzstillstand: Die Notmaßnahmen greifen kaum, um die fünf Häuser in Schwabing, Bogenhausen, Neuperlach, Harlaching und der Thalkirchner Straße ist es immer schlechter bestellt. Doch jetzt packt OB Christian Ude (SPD) den Elektroschocker aus! Nach Jahren der Rettungsversuche und fast 300 Millionen Euro Finanzspritzen stellt er auf Anfrage der tz fest: „Es liegt kein durchgerechnetes und belastbares Sanierungsprogramm vor.“ Ude erteilt den drei Klinik-Bossen strengste Weisungen, die auf eine völlige Entmachtung hinauslaufen – und greift selbst ein!

Von wegen Abschied nach 21 Jahren im Amt: „Die Kliniken werden in den nächsten Monaten mein absoluter Arbeitsschwerpunkt“, sagt Ude. Zu groß ist der Vertrauensverlust in die Geschäftsführer – Klinikum-Chefin Elizabeth Harrison, Finanz-Boss Freddy Bergmann und Ärztlicher Direktor Prof. Hans-Jürgen Hennes. Er habe das Trio immer wieder gegen Aufsichtsräte, Stadträte und Chefärzte verteidigt. Spätestens seit 24. Oktober ist das Verhältnis zerrüttet: Da habe Bergmann dem OB mitgeteilt, den Termin für ein neues Finanzkonzept verschieben zu müssen, um am Nachmittag in einer Pressekonferenz laut über neue Millionen-Zuschüsse der Stadt und ein Abbau von Betten nachzudenken. Wenn nichts passiere, sei das Städtische Klinikum in zwei Jahren Pleite (tz berichtete)!

Jetzt reicht’s Ude und der Stadtspitze – sie nehmen die Geschäftsführer in die Pflicht: Von den Forderungen sei zuvor nie die Rede gewesen. „Wir haben den Eindruck, dass monatelang erforderliche Konsequenzen unterlassen wurden.“ Notwendige Sanierungsschritte seien nicht umgesetzt worden. Darum erteilt der OB nach 21 Jahren im Amt zum ersten Mal städtischen Geschäftsführer Weisungen.

Vor allem greift er selbst ein: Entscheidungen dürfen die Klinik-Bosse nur noch mit schriftlicher Genehmigung treffen! Ein Lenkungskreis unter Udes Vorsitz soll jetzt das Sanierungskonzept erstellen. Zu den wöchentlichen Treffen sollen der Kämmerer, der Gesundheitsreferent, Berater und auch die Geschäftsführer kommen. Ude gibt zu, dass er damit der CSU recht gibt. Die bemängelt seit langem, dass kein echtes Sanierungskonzept vorliegt.

CSU-Fraktionschef Josef Schmid bricht allerdings nicht in Jubel aus: „Das ist kein Lenkungs-, sondern ein Ablenkungskreis! Der OB müsste den Chefposten im Aufsichtsrat übernehmen.“ Das tue er aber nur nicht, um den jetzigen Chef, Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne), zu schonen.

David Costanzo

Und auch hier gibt’s Baustellen

Großhadern

Wie sieht das Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in 20 Jahren aus? Eine Machbarkeitsstudie hat mehrere Optionen untersucht. Eine Sanierung im laufenden Betrieb – also 20 Jahre Baustelle im Haus – kommt demnach kaum in Frage. Bleiben Neubau und Abriss oder teilweiser Neubau und Sanierung des alten Riegels – beide mit Vor- und Nachteilen. „Die Studie ist die Grundlage der weiteren Beratungen“, sagt Klinik-Sprecher Philipp Kreßirer. Mitte 2014 soll eine Konzept stehen. Kosten: möglicherweise rund 500 Millionen Euro. Schon im kommenden Jahr soll das neu gebaute OP-Zentrum mit 32 OPs und weiteren vier Sälen für ambulante Eingriffe direkt neben dem Haupthaus in Betrieb gehen. Auch eine Intensivstation mit 72 Betten entsteht. Derzeit läuft der Innenausbau und der Einbau der Medizintechnik. Die Kosten liegen insgesamt bei 130 Millionen Euro. Auch das neue Zentrum Schlaganfall und Demenz soll 2014 die ersten Patienten behandeln.

Rechts der Isar

Auch das Klinikum rechts der Isar der Technischen Uni baut: An der Einsteinstraße entsteht bis 2016 für 61 Millionen Euro das Krebsforschungszentrum TranslaTUM. Nachbarn fürchten, dass Versuchstiere zu Gestank führen könnten. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums sollen bis zu 36 000 Mäuse und 800 Ratten unterkommen. Laut Gesundheitsreferat der Stadt sollen auch einzelne große Tiere wie Schafe oder Schweine jeweils zur Behandlung gebracht werden. Wegen der modernen Käfige und Luftfilter sollen die Geruchsprobleme gering sein.

Portalklinik

Die LMU modernisiert und verkleinert auch ihr Innenstadtklinikum: Ab etwa 2015 geht die neue Portalklinik an der Ecke Ziemssen-/Nußbaumstraße in Bau. Für rund 90 Millionen Euro soll bis 2020 ein mit 200 Betten kleines, aber schlagkräftiges Krankenhaus entstehen – mit Notaufnahme und vier OPs. Dafür schließen Chirurgie, Poliklinik und HNO-Klinik, die in dem Neubau und in Großhadern unterkommen. Erhalten bleiben die Psychiatrien für Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche und die Augenklinik. Die Gesamtzahl der Betten in Innenstadt und Großhadern reduziert sich von 2200 auf 2000.

Haunersche Kinderklinik

Auch die Haunersche Kinderklinik und die Frauenklinik an der Maistraße werden ersetzt: In Großhadern soll bis 2022 das „Neue Hauner“ der LMU entstehen – für 165 Millionen Euro! Die Schwerpunkte liegen auf Kinderheilkunde, -chirurgie und Geburtshilfe. Die Zahl der Betten soll bei 240 liegen. Über 200 Ärzte und 330 Pfleger versorgen jährlich über 10 000 kleine Patienten stationär. Weitere 40 000 werden nur zur Behandlung und 16 000 teilstationär erwartet. Ein Teil der Münchner Kindl soll auch in der neuen Portalklinik zur Welt kommen. Dort entsteht eine eigene Gynäkologie.

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