Mädchen (10) von Stadtwerken verklagt

Opfer leidet bis heute unter dem Horror-Busunfall

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Im Juli 2013 war das zehnjährige Mädchen vor den Bus gelaufen. Bei dem Unfall wurde Henriette Franziszi (r.) vom Sitz geschleudert.

München - Die Klage der Stadtwerke gegen ein Mädchen auf 15.300 Euro Schaden­ersatz zieht weite Kreise. Die Grünen und ein Opfer hoffen auf eine baldige Einigung.

Sie lief mit ihrem Tretroller in der Schönstraße 2013 vor einen Bus: Nun verklagen die Stadtwerke eine damals Zehnjährige auf 15.300 Euro Schaden­ersatz (tz berichtete). Die Stadtratsfraktion der Grünen und Rosa Liste findet das zu hart. Sie fordert in einem Antrag: OB Reiter soll hinwirken, dass die Stadtwerke (SWM) die Klage fallenlassen! Die SWM und damit auch die Stadt sollten „gerade bei einem schwer traumatisierten Kind und seinen Eltern den rechtlichen Rahmen nicht bis zum Äußersten ausschöpfen“, so die Fraktion. Die Stadtwerke fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. „Wir klagen, weil die Haftpflichtversicherung des Mädchens es bisher ablehnt, den Schaden zu regulieren“, sagt Sprecher Matthias Korte. „Eine Klage gegen den Versicherer ist seitens der Stadtwerke nicht möglich. Deswegen müssen wir eine Klage gegen den Unfallverursacher anstrengen.“

Auch Henriette Franziszi (81) ist bis heute auf dem Schaden des Horror-Crashs sitzengeblieben. Sie saß in dem Bus und wurde schwer verletzt. An den 1. Juli 2013 kann sie sich noch gut erinnern. Denn er veränderte ihr Leben. Die alte Dame ist gerade mit ihrem Mann mit dem Bus der Linie 52 auf dem Heimweg vom Hautarzt am Candidplatz. Das Paar sitzt gleich bei der dritten Tür und hat schon fürs Aussteigen gedrückt. Dann geht alles ganz schnell: Ein Mädchen läuft kurz vor der Haltestelle Wilhelm-Kuhnert-Straße vor den Bus. Der Fahrer legt eine Vollbremsung ein. Henriette Franziszi wird von ihrem Sitz geschleudert. Und erleidet einen Genickbruch.

Sie ist eines von zehn Opfern, die bei dem Horror-Crash vor zwei Jahren teils schwer verletzt werden. Das Mädchen übersteht den Unfall mit Platz- und Schürfwunden.

Henriette Franziszi hat bis heute nichts von ihrem Schaden erstattet bekommen. Nach dem Unfall musste sie mit ihrem Mann Siegfried (85), der ein Pflegefall ist, sieben Monate lang in ein Heim ziehen. Kosten: 24.000 Euro. Auch für Anwälte gab das Paar nochmal mehrere Tausend Euro aus.

Doch nicht nur finanziell ist die Giesingerin ruiniert. Wegen ihres Genickbruchs musste sie lange eine Eisenmaske um ihr Gesicht tragen. Auch heute kann sie kaum noch einen Meter ohne Schmerzen gehen, ist auf einen Rollator angewiesen. „Mein Leben ist total zerstört“, sagt sie verzweifelt. „Früher bin ich gerne am Flaucher spazieren gegangen – doch jetzt kann ich gar nichts mehr machen.“

Sie war froh, dass der Busfahrer bei dem Unfall geistesgegenwärtig reagierte. Sonst wäre das Mädchen heute tot, ist sie sich sicher. „Ich denke oft daran, wie glücklich ich bin, dass das Mädel lebt. Ich bin doch nur eine alte Frau.“ Aber: „Warum weigert sich die Haftpflichtversicherung des Mädchens zu zahlen?“

Franziszi hofft, dass mit der Klage der Stadtwerke Bewegung in den Fall kommt. Und auch sie für ihren Schaden endlich entschädigt wird.

Ramona Weise

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