Zittern vor dem erneuten Stadion-Einzug der Löwen

„Randalierer“: Anwohner laufen Sturm gegen Rückkehr der Löwen

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Bilder aus vergangenen Tagen: Das Archivfoto zeigt das Spiel der Löwen im Grünwalder Stadion gegen den 1. FC Saarbrücken im April 2005. Endstand: 1:1. 

Der TSV 1860 München wieder zurück ins Stadion an der Grünwalderstraße. Vorbehalte haben dagegen Anwohner. Es wird wohl einen Kompromiss geben müssen.

Die Fußballer des TSV 1860 München streben nach dem dramatischen Abstieg in die Regionalliga mit Macht zurück ins Grünwalder Stadion. Dieses Ansinnen sorgt zwar für diverse Vorbehalte im Bezirksausschuss (BA) Untergiesing-Harlaching. Aber letztlich will man den Löwen den Weg zurück nach Giesing nicht verbauen. Ebenso deutlich artikulierten Anwohner aber auch ihre Sorge vor einer Rückkehr von „Randale und Ärger“ auf Giesings Höhen.

Fußball gegen genervte Anwohner: Diese Quadratur des Kreises wird in einen Kompromiss münden müssen. Der Bezirksausschuss will deshalb eine Info-Veranstaltung. Noch vor dem ersten Heimspiel der Blauen Ende Juli sollen Polizei und Stadt ihre Strategien den Bürgern vorlegen. Termin und Ort der Veranstaltung stehen aber noch nicht fest. Fest steht: Die Zeit drängt. Zumal sich die Löwen auch noch mit dem FC Bayern über einen vorzeitigen Auszug aus der Allianz Arena einigen müssen.

Einige Anwohner stellen sich klar gegen eine Rückkehr

Die Rückkehr ins Grünwalder Stadion ermöglichen und gleichzeitig die Anwohner nicht verprellen. Kein leichter Akt für den BA. „Nichts gegen Fans, aber das sind Randalierer“, stellte sich Anwohner Peter T.* klar gegen eine Rückkehr. „20 Spieltage Ausnahmezustand pro Saison“ befürchtet er. Die verständlichen Interessen der Anwohner würden missachtet. Schlüssige Konzepte für das zu erwartende Verkehrschaos auf der Straße und der Tram-Schiene vermisse er. „Dafür scheißen sie in die Vorgärten“, schimpfte Anwohner Wolfgang Sonne.

Beim BA weiß man um die Sorgen der Menschen ums Stadion herum. Zur Sitzung hatte die örtliche SPD klare Rahmenbedingungen vom Verkehrskonzept bis zur Sicherheit sowie eine Einwohnerversammlung gefordert. Weil die Zeit drängt, belässt es der BA gegen die Stimmen der Genossen bei der Info-Veranstaltung im kleineren Rahmen. „Eine Einwohner- oder Bürgerversammlung hätte viel zu viel Vorlauf“, argumentierte BA-Chef Clemens Baumgärtner (CSU). Ganz zu schweigen von den Kosten. „8000 bis 12 000 Euro“ würden den BA-Etat eines Jahres sprengen. Security wohl nicht eingerechnet. Bei Bedarf soll über eine größere Versammlung erneut beraten werden.

SPD-Mann bezeichnet Rückkehr ins Grünwalder Stadion als „ohnehin alternativlos“

Erst einmal will man die Löwen aber auf Giesings Höhen starten lassen. Ob es zur Rückkehr kommt, hängt auch am Nachbarn FC Bayern. Matthias Hügenell (SPD) sieht derzeit beim TSV „zwei Vereine“ am Werk. „Wenn die Roten den Blauen nicht den Ausstieg aus der Allianz Arena erlauben, ist die KGaA pleite und der e.V. muss ohnehin ins Grünwalder zurück.“ Für Michael Sporrer (SPD) ist die Rückkehr der Löwen in die alte Heimat „ohnehin alternativlos“. Den notwendigen Rahmen gelte es jetzt abzustecken.

Helmut Biermeier von der Giesinger Polizeiinspektion bestätigte „laufende Gespräche“ mit dem Sportamt. Die Stadtverwaltung und auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatten wie berichtet nach dem Abstieg bereits grundsätzlich Zustimmung für eine Rückkehr ins Grünwalder signalisiert. „Wenn Rückkehr, dann muss der TSV energisch gegen das rechte Fan-Klientel vorgehen“, mahnte aber Wolfgang Geißelbrecht (Grüne) an. Fraktionskollege Sebastian Weisenburger forderte, sich an die Vergangenheit mit 30 000 Zuschauern auf Giesings Höhen zu erinnern und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Brar Braren (Grüne) zweifelte am notwendigen Rahmen. „In der Zweiten Liga lag der Schnitt bei 24 000 Zuschauern. Ins Grünwalder passen nur 12 500 – zu wenig, da verbaut sich der Verein seine Zukunft.“

Eine Erfolgsmeldung gibt es seitens der Polizei

Eine Erhöhung des Fassungsvermögens war aber für den Bezirksausschuss kein ernsthaft zu diskutierendes Thema. Letztlich stehen die Zeichen klar auf Rückkehr. Das wurde auch im Bezirksausschuss deutlich. Anwohner Peter T.* will anders als früher nicht zu den Spielen gehen. „Die Klientel hat sich total verändert.“

Immerhin eine kleine Erfolgsmeldung gibt es seitens der Polizei. „Während des Derbys im Februar konnten bei Schwerpunktaktionen einige Graffiti-Sprüher festgenommen werden, die zunehmend auch rund ums Stadion die Gegend verunzieren“, so Polizist Helmut Biermeier. „Laut Kripo haben wir da Sprayer auf Champions-League-Niveau erwischt.“

*Name geändert

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