Adventssegen hängt schief

Zoff um Weihnachtsmärkte am Hans-Mielich-Platz in Untergiesing 

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Zoff um Weihnachtsmärkte am Hans-Mielich-Platz in Untergiesing (Symbolfoto).

Vorweihnachtlicher Friede sieht anders aus. Am Hans-Mielich-Platz in Untergiesing ist ein Streit zwischen zwei Betreibern von Weihnachtsmärkten entbrannt.  

München - Im Kern geht es um die Frage, ob der eine Markt den anderen, der danach stattfindet, finanziell kannibalisiert.

Im Bezirksausschuss wurde Kritik am Verfahren des Kreisverwaltungsreferats (KVR) laut, beiden Betreibern grünes Licht für ihre Events zu geben. Nach kontroverser Erörterung fordert der Bezirksausschuss nun von der Stadt, die Konkurrenzsituation noch irgendwie aufzulösen. Eile ist geboten: Die erste Veranstaltung soll bereits von 1. bis 3. Dezember stattfinden, die zweite eine Woche später.

Schadet die Konkurrenz?

Roland Henn versteht die Welt nicht mehr. Seit einigen Jahren betreibt er den Weihnachtsmarkt am Hans-Mielich-Platz. Der dort rührig aktive Verein „Mehr Platz zum Leben“ hatte den erfahrenen Organisator einst ins Boot geholt, weil der Verein laut seiner Vorsitzenden Melly Kieweg „schlicht überfordert war“. Henn sprang ein. „Letztes Jahr war der Markt ein voller Erfolg.“

Die Euphorie ist passé. „Wenn der neue Markt eine Woche vorher stattfindet, sehe ich die Gefahr, dass nichts mehr geht“, sagte Henn am Dienstagabend in der Bezirksausschuss-Sitzung. Er trage wirtschaftlich auch eine Verantwortung für die Betreiber der zwölf Stände. Sogar eine Absage des Programms mit Engelauftritt oder klassischem Chor stehe im Raum.

Wer steckt hinter dem Elterninitiativ-Verein „Karl & Liesl“? 

Auslöser für Henns Verärgerung ist das Vorhaben des Elterninitiativ-Vereins „Karl & Liesl“, erstmalig selbst einen „Untergiesinger Advent“ am Platz zu veranstalten. Warum ausgerechnet vor unserem Markt?“, will Henn wissen.

BA-Chef Clemens Baumgärtner unterstellt dem Elternverein finanzielle Interessen.

Während Henns Vorhaben vom Bezirksausschuss (BA) einstimmig durchgewinkt wurde, hatten die Erst-Veranstalter mit größeren Vorbehalten der BA-Mehrheit zu kämpfen. BA-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) und andere Lokalpolitiker unterstellten dem Verein vor allem wirtschaftliches Interesse „unter dem Feigenblatt des Vereins“. Immerhin werde der von einem lokalen Wirt kräftig bezuschusst.

Initiativ-Vorstand Markus Müller wehrte sich. „Wir vertreten hier einhundert Kleinkinder von Krippe bis Kita, 20 Mitarbeiter und 170 Eltern.“ Der Platz sei das Zentrum des Miteinanders. Man brauche jeden Euro, um den Verein am Leben zu erhalten. Die eigene Veranstaltung sei aber nicht auf Gewinn ausgerichtet. „Wir planen fünf eigene Stände mit Bastelarbeiten, Gebäck, Musik von örtlichen Künstlern und den Kindern.“

Die Überschüsse sollen laut Müller Projekten der Initiative „Karl & Liesl“ zugutekommen. Der Wirt sei für die gute Sache eingesprungen und betreibe „lediglich eine Bude mit Glühwein und Bier“. Der Wirt habe Organisatorisches erledigt und mitfinanziert. „Gewinnorientiert arbeitet der Wirt nicht“, erklärte Müller. Vom KVR habe man eine „mündliche Zusage“, so Müller weiter. „Die schriftliche Genehmigung soll demnächst eingehen“, habe er dort erfahren.

Auch der Bezirksausschuss verwies letztlich auf die Stadtbehörde. Markus Müller vom Elterninitiativ-Verein war am Ende erbost. „Natürlich bleibt ein Nachgeschmack.“ Der Vorwurf der wirtschaftlichen Ausrichtung sei „infam“. Laut KVR-Sprecher Johannes Mayer würden beide Märkte eine Genehmigung bekommen.

In jedem Stadtviertel in München gibt es eigene Christkindlmärkte, und keiner ist wie der andere. Hier finden Sie eine Übersicht der schönsten Weihnachtsmärkte in München

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Giesing – mein Viertel“.

Von Harald Hettich

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