Streit in Harlaching

Widerstand gegen Flüchtlingswohnungen im Nobelviertel

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Idyllisch auf dem Isarhochufer gelegen, von der Straße aus kaum zu sehen: die Siedlung im Süden Harlachings. Hier plant der Freistaat Flüchtlingswohnungen. 

Mit Hochdruck versuchen Stadt und Freistaat Wohnungen für Flüchtlinge mit Bleiberecht zu schaffen. Zwei Projekte im noblen Harlaching und in Untergiesing kommen bei der Bevölkerung gar nicht gut an.

München - Ungewohnt viele Männer in dunklen Anzügen saßen am Dienstagabend mit ernsten Gesichtern im Bezirksausschuss (BA) Untergiesing-Harlaching. Teils Vertreter des staatlichen Bauamts und der Regierung von Oberbayern. Teils irritierte Bürger, die rund um den Schilcherweg wohnen. Eine edle Wohngegend am südlichsten Zipfel Harlachings. Dort will der Freistaat im Eiltempo eine Unterkunft für Flüchtlinge und Obdachlose hochziehen. Die Anwohner regen sich über „mangelnde Transparenz“ auf.

Ob die Bedenken der Bürger noch greifen, ist ungewiss. Für den Schilcherweg will das der CSU-Stadtrat Michael Kuffer ausloten. Er sieht die Stadt in der Verantwortung. „Dort, wo Spannungen auftreten, muss geklärt werden, ob alle Voraussetzungen für so ein Vorhaben erfüllt sind.“ Es müsse jetzt „mehrere Gespräche geben“. Für eine politische Bewertung sei es noch zu früh. „Mir liegen nicht alle Fakten vor.“

Wohnungen für 42 Flüchtlinge und Obdachlose

Die Anwohner des Schilcherwegs bekamen an dem Abend erstmals ausführliche Informationen vom staatlichen Bauamt und von der Regierung von Oberbayern. Im staatlichen Sofortprogramm – der ersten Säule des Wohnungspaktes Bayern – werden auf einem staatlichen Grundstück Gebäude mit elf Wohneinheiten für 42 anerkannte Flüchtlinge sowie Obdachlose gebaut. Mitte 2018 könnte alles fertig sein. Mindestens acht Millionen Euro soll das am Isarhochufer liegende Traumgrundstück wert sein. Manche sprechen sogar von bis zu zwölf Millionen Euro. „Man hätte die Fläche auch verkaufen können, dann wäre an anderer Stelle ein Vielfaches an Wohnungen möglich gewesen“, kritisierte ein Bürger.

Auf diesem Grundstück will der Freistaat bauen. Das Haus, in dem früher Forstbedienstete wohnten, steht bereits leer und soll abgerissen werden.

Bewohner fürchten Wertverlust der Immobilien

Nach Ansicht der Anwohner ist das Grundstück aufgrund seiner Lage völlig ungeeignet für die Unterbringung von Flüchtlingen. „Wie soll Integration funktionieren, was machen die Menschen dort den ganzen Tag?“, sagte ein Mann. Es gebe keine soziale Infrastruktur, keine Läden in der Nähe. Die Tram 25 hält allerdings gerade einmal 160 Meter entfernt.

„Jeder dort arbeitet sehr viel. Die meisten Familien führen ein eher in sich geschlossenes Leben“, sagte ein Mann. Die Bewohner des noblen Viertels befürchten zudem, dass ihre Immobilien an Wert verlieren, wenn Flüchtlinge in der Nachbarschaft einziehen. Bei den meisten BA-Mitgliedern bissen die Anwohner mit ihren Argumenten auf Granit. Die Mehrheit von SPD und Grünen wollte sich nicht gegen das Projekt aussprechen.

Auch in Untergiesing ist ein Projekt geplant

Die Anwohner der Wilhelm-Kuhnert-Straße in Untergiesing warten unterdessen noch auf Informationen. Eine Vertreterin des Sozialreferats, die in der BA-Sitzung die aktuellen Planungen vorstellen sollte, hatte vier Tage vorher abgesagt. „Das ist nicht nett gegenüber den Bürgern“, rügte BA-Chef Clemens Baumgärtner (CSU). „Wir wollen endlich wissen, was auf dem Grundstück entsteht“, schimpfte ein Anwohner. Dass er und seine Nachbarn nur auf Umwegen von dem Vorhaben erfuhren, sorgt für böses Blut. Trotz des Ärgers äußerten sich alle vorsichtig. Sie wollen nicht missverstanden werden. „Wir haben nichts dagegen, dass dort Flüchtlinge wohnen. Aber man muss uns einbeziehen“, forderte ein Mann.

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Baumgärtner wusste immerhin einige Details: An der Wilhelm-Kuhnert-Straße werde ein vierstöckiges Gebäude anvisiert. Ein „Wohnen für alle“-Projekt: 49 Prozent der Wohnungen sind für einkommensschwache Wohnungssuchende gedacht, 51 Prozent für anerkannte Flüchtlinge. „Das Baurecht wird voll ausgeschöpft.“ Geprüft werde, ob in dem Haus auch ein Kindergarten möglich ist. Die April-Sitzung soll Licht ins Dunkel bringen. Die Vertreterin des Sozialreferats wurde erneut eingeladen.

Auch im nicht weit entfernten Grünwald hatte es vor gut einem Jahr viel Wirbel um die Unterbringung von Flüchtlingen gegeben: Besorgte Mütter wollten ein Bürgerbegehren starten, weil sie Zustände wie in einem Pariser Vorort befürchteten. Schon Wochen zuvor hatten üble Gerüchte über Flüchtlinge, die Runde gemacht. Der Gemeinderat beschäftigte sich ausführlich mit dem Thema.

Brigitta Wenninger

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