Bizarre Besuchsregeln und Balkon-Verbot

Untermieter-Horror: Für dieses Zimmer zahlte Vinzent 650 Euro

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Teilmöbliert – mit Betonung auf Teil. Vinzent Tschirpke  machte in seinem Zimmer als Untermieter unangenehme Erfahrungen.

Vinzent Tschirpke kommt aus Münster und lebt gerade für vier Wochen in München, weil er bei unserer Zeitung ein Praktikum macht. Als Untermieter machte er dann aber kuriose Erfahrungen. Der 19-Jährige berichtet, Anja Franz vom Mieterverein ordnet ein.

Der Preis

Vinzent: „Ich habe das Zimmer bei wg-gesucht.de im Internet gefunden. 550 Euro für 14 Quadratmeter im ersten Stock – das fand ich zwar happig, aber man weiß ja, dass München teuer ist. Was ich dann für dieses Geld bekam, hat mich doch überrascht. Teilmöbliert – so die Formulierung im Internet – bedeutete: eine Pritsche zum Schlafen, ein Gestell als Kleiderschrank, das war’s. Absperren konnte ich das Zimmer nicht. Und: Es sollte noch teurer werden: 100 Euro Nebenkosten!“

Anja Franzvom Mieterverein: „Das ist natürlich sehr teuer. In München gilt zwar die Mietpreisbremse, auch für möblierten Wohnraum. Jedoch halten sich viele Vermieter nicht daran, und die wenigsten Mieter wollen gleich zu Beginn ihr Mietverhältnis belasten, indem sie die Mietpreisbremse treten.“

Vinzent Tschirpke macht derzeit ein Praktikum in München - und erlebt mit seiner Unterkunft Kurioses.

Balkonverbot

Vinzent:„Wie ich merke, war der hohe Preis erst der Anfang. Meine Vermieterin braucht nämlich „Space zum Nachdenken“, wie sie mitteilt. Heißt: Ich darf den Balkon (der auf der Internet-Plattform angegeben war) nur zu bestimmten Zeiten betreten. Tagsüber zwischen 12 und 18 Uhr darf ich nicht raus! Ist so etwas zulässig?

Anja Franz: In einem Mietvertrag kann man letztlich alles vereinbaren, solange es nicht sittenwidrig ist. Wenn ich mit meinem Vermieter zusammensitze, Klausel für Klausel durchspreche, und mich dann mit so einem Verbot einverstanden erkläre und unterschreibe, gilt das auch. Einzelne Klauseln können zwar trotzdem unwirksam sein – aber das ist dann im Einzelfall zu klären und juristisch oft schwierig. Allerdings: In diesem Fall stand das Balkonverbot nicht im Mietvertrag. Das schrieb die Vermieterin erst am zweiten Tag per E-Mail an die Büro-Adresse des 19-Jährigen.

Besuch

Vinzent: „Weiter geht’s mit den seltsamen Vorschriften. Einen Tag nach der Balkonverbots-Mail sagt mir meine Vermieterin, dass ich nur einmal im Monat Übernachtungsbesuch bekommen dürfe. Ich hatte nachgefragt, weil ich meinen Vater und meine Freundin für je ein Wochenende einladen wollte. Die Vermieterin ist nicht begeistert (Wir sind ja kein Bed & Breakfast) und fordert eine schriftliche Voranmeldung von mir. Vater und Freundin geht auf keinen Fall – wenn, dann nur eine/r von beiden.

Anja Franz:„Wenn ich solche Besuchsregeln in einer individuellen Vereinbarung mit meinem Vermieter ausmache, muss ich mich wohl daran halten. Die einseitige Bestimmung am nächsten Tag von der Vermieterin ist aber wohl nicht ausreichend, denn das ist dann nicht Bestandteil des Vertrages.“

Vinzent: „Ich wollte mich jedenfalls nicht entmutigen lassen und lud meinen Vater zum Wochenendbesuch ein. Das teilte ich meiner Vermieterin mit – mündlich. Als er dann da war, bekam ich einen Zettel meiner Vermieterin: Sie drohte mir mit fristloser Kündigung – mit zwei Tagen Zeit zum Ausziehen. In diesem Zettel verweist sie auch auf einen ,wichtigen Grund‘. Denn: Ich hätte die Miete bis zum Dritten des Monats überweisen sollen – was zwar grundsätzlich der Rechtslage entspricht, was wir aber nicht konkret besprochen hatten und was auch gar nicht der Grund unseres Ärgers war.“

Anja Franz: „Ein Grund für eine fristlose Kündigung ist es in diesem Fall nicht – schon allein, weil es an einer Abmahnung fehlt. Die ist Voraussetzung für eine fristlose Kündigung. Eine Kündigung wegen verspäteter Mietzahlung ist zwar grundsätzlich möglich, aber nur in einem langfristigen Mietverhältnis, wenn über mehrere Monate die Miete immer zu spät gezahlt wird – und nach vorheriger Abmahnung.“

Auszug

Vinzent: „Mir wurde der Ärger zu viel – mit Glück habe ich ein anderes WG-Zimmer gefunden, 400 Euro, drei nette Studenten, keine komischen Regeln. Also raus aus meinem seltsamen Zimmer.“

Vinzent Trschirpke und Anja Franz, Rechtsexpertin beim Mieterverein München

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