Mehr Haustiere, mehr Unfälle

Immer mehr angefahrene Katzen: Tierschützer beklagen mitleidlose Autofahrer

Seit mehreren Jahren beobachten Tierschützer im Landkreis München einen beunruhigenden Trend: Katzen werden immer öfter Opfer von Autounfällen. Schuld sind offenbar auch die Besitzer.

Landkreis – Ein Kater wird an der Landshuter Straße in Unterschleißheim von einem Auto angefahren. Das Tier erleidet mehrere Beckenbrüche, seine Hinterbeine sind zertrümmert. Mit letzter Kraft versucht es sich am Randstein hochzuziehen. Keines der vorbeifahrenden Autos hält an. Während der Kater mit dem Tod kämpft, machen sie einen Bogen um ihn. Erst eine Mitarbeiterin des Tierschutzvereins Schleißheim hält an, liest ihn auf und bringt ihn zum Tierarzt. Zu spät. Das Tier stirbt.

Es sind Fälle wie dieser, die Christina Förster wütend machen. Etwa einmal in der Woche ruft jemand bei ihr oder ihren Kollegen vom Tierschutzverein an, um eine überfahrene Katze zu melden. Die Dunkelziffer ist aber wohl höher, schätzt sie.

Rund zweimal pro Woche meldet sich deswegen jemand bei Judith Brettmeister vom Münchner Tierheim, das auch für den Landkreis zuständig ist. Die Anrufer – oft Passanten oder Mitarbeiter der Straßenmeisterei – finden die Vierbeiner teils Tage später halb tot mit gebrochenen Knochen. Oder platt gefahren, weil niemand ihre blutigen Kadaver von der Fahrbahn entfernt.

Es ist paradox: Selten haben die Deutschen mehr Haustiere gehalten als im vergangenen Jahr. Dem Online-Statistikportal Statista zufolge lebten 2010 hierzulande 8,2 Millionen Katzen und 5,3 Millionen Hunde. 2017 waren es fast 13,7 Millionen Katzen und ungefähr 9,2 Millionen Hunde. Gleichzeitig scheinen ihre Leben immer weniger wert zu sein, berichtet Judith Brettmeister vom Tierheim. Auf die vielen Haustierhalter kämen mindestens ebenso viele, für die das Leben eines Vierbeiners nicht von Bedeutung ist.

Mehr Katzen sterben im Verkehr: Was sind die Gründe?

Seit zwei Jahren steige die Zahl der Unfälle mit Katzen, sagt Christina Förster vom Tierschutzverein Schleißheim. „Es ist ganz katastrophal.“ Einerseits führt sie dies auf zunehmenden Straßenverkehr und rabiate Fahrgewohnheiten zurück. Andererseits auf den Egoismus der Menschen. Einige würden angefahrene Tiere zurücklassen, weil sie keine Zeit haben, sie zum Arzt zu bringen. „So was von unverschämt“, sagt Förster. Andere würden Katzen halten, obwohl sie an Hauptverkehrsstraßen wohnen und Freigänger damit einem tödlichen Risiko aussetzen.

Zwar vermittelt der Tierschutzverein Schleißheim Katzen nur an Menschen, die ihnen sicheren Freigang bieten können. Doch verweigert der Verein eine Vermittlung, können Bürger Tiere aus anderen Einrichtungen adoptieren.

Ein weiteres Problem: Einige Katzen werden weder gechippt noch tätowiert, sagt Judith Brettmeister. Das erschwert die Identifikation eines Tiers und damit die Suche nach dem Besitzer. Deswegen gelten auch Katzen als vermisst, die womöglich schon tot sind, sagt sie. Nach ein paar Tagen in der Kühlkammer eines Krematoriums werden sie verbrannt.

Damit weniger Katzen auf den Straßen sterben, appelliert Brettmeister an die Autofahrer, angefahrene Katzen zum Arzt zu bringen oder den Tiernotruf zu verständigen. Wer versehentlich ein Tier anfährt, müsse keine rechtlichen Konsequenzen fürchten, sagt ein Sprecher der Münchner Polizei. „Es geht dann nur darum, dass das Tier behandelt wird.“

Bei einem Tierunfall wenden sich Verursacher an den Tiernotruf unter (08105) 84 37 73 beziehungsweise das Münchner Tierheim unter (089) 92 10 00 22 oder (0157) 32 17 93 52.

Rubriklistenbild: © dpa / Fabian Geier

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