Ein Untoter rettet den Nockherberg

München - Die CSU liegt in Trümmern, Bayerns Stolz ist geschrumpft. Nur noch ein untoter Strauß und eine leibhaftige Bavaria können den Freistaat retten: Der Nockherberg-Stoff für Mittwoch Abend versprach viel. Das Drehbuch aber hält wenig. Das Singspiel, früher Spitze, ist jetzt Mittelmaß.

Das Singspiel: Seine Stars und ihre Doubles

Da fiel die Wahl schon schwer: Bavaria (Luise Kinseher) und Franz Josef Strauß mussten nach den Auftritten der "Stars" einen Super-Politiker ernennen. © Schlaf
Die Schauspieler Stefan Murr (l, als Karl-Theodor zu Guttenberg), Corinna Duhr (als Angela Merkel) und Robin Brosch bei ihrer gemeinsamen Performance auf der Bühne. © dpa
Stefan Murr alias Karl-Theodor zu Guttenberg rockte die Show auch mit einer Solo-Einlage. © dpa
Er riss das Mikro leidenschaftlich an sich und gab einfach alles, um von Bavaria zum Super-Politiker gekürt zu werden. © dpa
Auch Stephan Zinner alias Markus Söder wollte an die Macht, wie diese Geste unschwer erkennen lässt. © Schlaf
Letztlich versuchter er es sogar mit Singen. Claudia Roth und Angela Merkel beäugten seinen Auftritt allerdings eher kritisch. © Schlaf
Die Bavaria (Luise Kinseher) bei ihrer Ansprache - im Rücken die Landeshauptstadt. © schlaf
Schauspieler Helmut Schleich hatte auf dem Nockherberg die Ehre, Franz Josef Strauß zu verkörpern. © dpa
Er saß gemeinsam mit der Bavaria in der Jury von "Bavaria sucht den Super-Politiker" und durfte seine Nachfolger kritisieren. © dpa
Auch gemeinsames Tanzen gehörte zur Show. © dpa
Andrè Hartmann alias Christian Ude zeigt sich hier verantwortlich für den totalen Ausverkauf der Stadt München. © dpa
Den Männern mit den dunklen Brillen scheint das nicht unbedingt zu gefallen. © schlaf
Eva-Maria Höfling alias Claudia Roth ist dagegen ganz auf Frieden bedacht. © schlaf
Und auch der bayerische Ministerpräsident darf nicht fehlen... © schlaf
Der erhobene Zeigefinger ist überhaupt DIE Geste beim Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg. © dpa
Bavaria und Franz Josef Strauß in trauter Zweisamkeit. © schlaf
Wenn Angela Merkel (gedoubelt von Corinna Duhr) singt, reißt zu Guttenberg die Hände zur Kapitulation in die Höhe. © schlaf
Nach dem Singspiel stießen die Politiker und ihre Doubles gemeinsam an: Hier Karl-Theodor zu Guttenberg und der Schauspieler Stefan Murr. © Schlaf
Die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth und ihr Nockherberg-Double Eva-Maria Höfling. © Schlaf
Auch Schauspieler Robin Brosch gesellte sich zu den "Grünen" - sein Pendant, FDP-Spitzenpolitiker Guido Westerwelle, hatte sich vor der Veranstaltung gedrückt. © dpa
Hier der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU) und Schauspieler Stephan Zinner in trauter Zweisamkeit. © Schlaf
Und auch der Schauspieler Wolfgang Krebs und das Original, der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, verstehen sich bestens. © dpa
Als Double von Franz Josef Strauß musste Schauspieler Helmut Schleich mangels lebendem Original mit Horst Seehofer und seinem Double anstoßen. © dpa
Das Starkbier stimmte alle so friedlich, dass politische Machtkämpfe für einen Abend beigelegt wurden. © Schlaf
Das Anstoßen mit gefüllten Krügen konnte gar nicht oft genug wiederholt werden. © Schlaf
Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude  und der Schauspieler Andrè Hartmann als sein Double. © Schlaf
Zum ersten Mal seit Jahren wurde Ude von einem neuen Gesicht verkörpert, da sein altes Double aufgehört hatte. © dpa

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Um ihn herum steht die Mannschaft wie Statisten. Was ist bloß los am Nockherberg? Frischer, moderner sollte das Spiel werden, herausgekommen ist eine Nummernrevue – nicht schlecht, aber auch nicht gut. Regisseur Alfons Biedermann inszeniert eine Casting-Show „Bayern sucht den Super-Politiker“. Statt der aus den Vorjahren gefürchteten feinsinnigen, bissigen, ironischen Dialoge gibt es heuer nur ein Nebeneinander, hier und da ein paar Sätze.

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Singspiel im Internet:

Der BR zeigt einen Mitschnitt der Sendung im Internet.

Einer nach dem anderen betreten die Doubles die Bühne, singen je ein Lied zur Musik vom Band, setzen sich auf die Couch und verweilen dort schweigend. rasante Kamerafahrten im Fernsehen machen daraus Action – im Vergleich zu den Vorjahren ist es tot. Über die Bühne wabern Biedermanns Flachwitze über Guido Westerwelles Homosexualität, Horst Seehofers Frauen und Karl-Theodor zu Guttenbergs viele Vornamen.

Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg

Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap
Die besten Sprüche vom Singspiel am Nockherberg: "Bavaria sucht den Superpolitiker" © ap

Es war nicht leicht, das traditionsreiche Singspiel komplett zu modernisieren. Wenn das in Ansätzen gelang, dann nur dank der Schauspieler – sie sind in der Mehrzahl ein Glücksgriff. Als wiederauferstandener, grantiger Franz Josef Strauß verdient sich der Kabarettist Helmut Schleich heftigen Beifall der echten Politikern im Parkett. Geduckt schlurft Schleichs Strauß über die Bühne, in Mimik und Sprache dem Original beängstigend nahe, schauspielerisch brillant. Er sucht das Publikum ab und raunzt in Richtung Stoiber: „Edmund, Dich hätte ich eher beim Mineralwasser-Anstich in Bad Fachingen vermutet.“ Wasser? Mit Starkbier ist das Singspiel 2010 erheblich lustiger. Die Geschichte nämlich ist eher trocken: Strauß, die Bavaria und eine Weißwurst in der Jury suchen einen Super-Politiker zur Rettung der CSU. Finden aber keinen. Punkt.

Das Beste aus der Predigt von Bruder Barnabas

Das beste aus der Predigt von Bruder Barnabas © dpa
Das beste aus der Predigt von Bruder Barnabas © dpa
Das beste aus der Predigt von Bruder Barnabas © dpa
Das beste aus der Predigt von Bruder Barnabas © dpa
Das beste aus der Predigt von Bruder Barnabas © dpa
Das beste aus der Predigt von Bruder Barnabas © dpa
Das beste aus der Predigt von Bruder Barnabas © dpa
Das beste aus der Predigt von Bruder Barnabas © dpa
Das beste aus der Predigt von Bruder Barnabas © dpa

Die Kulisse dazu ist krachig mit Rautenmustern (bis auf die Unterwäsche der Tanzgarde und dem FJS-Einstecktuch), Porzellanlöwen und München-Silouette geschmückt. Dem Spiel aber fehlt weißblauer Charme. Der Reiz des Nockherbergs reduziert sich auf den untoten, genial gespielten Kauz Strauß. Selten blitzen ein paar Bosheiten auf. Als Guttenberg (treffend aristokratisch: Stefan Murr) auf die Bühne tritt, grollt Strauß: „Da wundert’s mich nicht, dass die in den Kasernen aus Verzweiflung rohe Leber fressen.“ Söder faucht bei seinem Wirbel-Auftritt über Guttenberg, „nur wenn der einmal im Bundestag sein Krabbensandwich mit den Fingern frisst, heißt’s schon, der wär volksnah!“

Seehofer (wie gewohnt souverän von Wolfgang Krebs dargestellt) liest aus dem Quelle-Katalog vor und stichelt: „Hab ich mir eigens anfertigen lassen. Hat 50 Millionen Euro gekostet. Gegen die Milliarden bei der Hypo Alpe Adria ist das nur ein Seehäuferl.“ Auch die Idee des untoten Strauß und der vom Sockel heruntergestiegenen Bavaria (Luise Kinseher) war an sich nicht schlecht.

Starkbieranstich: Die Promis auf dem Nockherberg

Diese Promis waren beim Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg dabei: die Bundesvorsitzende der Grünen Claudia Roth und Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg ... © Marcus Schlaf
... zu Guttenberg neben der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (alle CSU) und Claudia Roth ... © dpa
... Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ... © dpa
... der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP, l-r), Ilse Aigner (CSU), der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und zu Guttenberg © dpa
.. Horst Seehofer (CSU) und seine Frau Karin ... © dpa
... Rainer Brüderle und Ilse Aigner begrüßen sich ... © dpa
... Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (l, CSU) und Paulaner-Geschäftsführer Andreas Steinfatt (r)  ... © Marcus Schlaf
... Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland ... © Marcus Schlaf
... Ilse Aigner und Gesundheitsminister Markus Söder ... © Marcus Schlaf
... Sigmund Gottlieb, Chef des Bayerischen Fernsehens, und Wolf-Dieter Ring ... © Marcus Schlaf
... die Oktoberfestwirte Toni Roiderer und Wiggerl Hagn ... © Marcus Schlaf
... Paulaner-Geschäftsführer Andreas Steinfatt, Arabella Schörghuber und Peter Pongratz ... © Marcus Schlaf
... die Karikaturisten Horst Haitzinger und Dieter Hanitzsch ... © Marcus Schlaf
... die Regisseure Marcus H. Rosenmüller und Sepp Vilsmaier ... © Marcus Schlaf
... Schauspieler Ottfried Fischer ... © Marcus Schlaf
... Landesbischof Johannes Friedrich und Wilhelm Schmidbauer, Polizeipräsident des Polizeipräsidiums München ... © Marcus Schlaf
... Schankellner Anton Niebauer und Helmut Huber (re) mit Unternehmerin Alexandra Schörghuber ... © Marcus Schlaf
... Moderatorin Caroline Reiber und Dieter Hanitzsch ... © Marcus Schlaf
... die ehemaligen deutschen Skirennläufer Markus Wasmeier und Irene Epple sowie Theo Waigel. © Marcus Schlaf
Bußprediger Michael Lerchenberg in der Rolle des Bruder Barnabas. © Marcus Schlaf

Der Rest ist Mittelmaß: Auf die Bühne darf ein Schauspieler, der laut Textbuch SPD-Chef Sigmar Gabriel darstellt, manche im Saal halten ihn zunächst für Bernd Posselt. Auch der Auftritt des Christian-Ude-Doubles, als Werbepause ins Stück gequetscht, ist verzichtbar. An jeder Ecke fehlt dem Spiel das alte OB-Double Uli Bauer.

Musikalisch überzeugt von den eigens komponierten Stücken nur Angela Merkels Song über die Krise, adrett vorgetragen mit Guttenberg und Westerwelle. Der Rest reißt nicht mit – der Verzicht auf bekannte Melodien ist ein Verlust. Das gilt auch fürs Schlusslied nach 55 Minuten. Da besingen alle Doubles die Politiker in ihrer Gesamtheit als raffgierige Abzocker – das mag Bohlen-Niveau sein, ist aber zu eindimensional, zu oberflächlich für eine gelungene Salvatorprobe.

Am Ende gibt es tapfer Beifall und heftige Diskussionen. „Ist halt was Neues“, lobt Agrarministerin Ilse Aigner und meint das ehrlich positiv. „Der Strauß hat’s rausgerissen“, sagt Sozialministerin Christine Haderthauer, und meint das weniger positiv. „Die Zeit ist eben nicht zum Schenkelklopfen“, analysiert Grünen-Chefin Claudia Roth. „Also, sagen wir mal so“, setzt Ex-Regierungschef Edmund Stoiber an: „Natürlich ist das gewöhnungsbedürftig.“

Söder darf bei seinem Krawall-Intermezzo zu Techno-Klängen singen. „MP Seehofer is in the house“, ruft er ekstatisch in die Menge. Ob das 2011 auch noch zutrifft, ist nach diesem Nockherberg nicht mehr gewiss.

Christian Deutschländer

Rubriklistenbild: © dpa

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