„Urban Art“

Das ist Münchens wildes neues Museum

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MUCA-Gründer Christian Utz. Die erste Ausstellung hat er großteils aus seiner eigenen Sammlung bestückt.

München - Graffiti, Comic-Collagen, Straßenkunst – am Freitag öffnet in der Münchner Innenstadt ein ungewöhnliches Museum seine Pforten. Das „Museum of Urban and Contemporary Art“, kurz: MUCA, will junge Kunst von der Straße holen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Auf den ersten Blick würde man nicht vermuten, dass sich in dem ehemaligen Umspannwerk der Stadtwerke ein Museum verbirgt. Unauffällig ist er, der Industrie-Bau an der Hotterstraße 12. Aber der Eindruck täuscht: Hier wird Kultur gefeiert, hier hat zeitgenössische Kunst ein neues Zuhause gefunden. Der Schwerpunkt: „Urban Art“, also Graffiti und Artverwandtes.

„Urban Art ist innovativ, neu, manchmal ein bisschen radikaler, frischer und humorvoller“, sagt Christian Utz, der Leiter des neuen Museums MUCA. Der Großteil der Eröffnungsausstellung besteht aus seiner persönlichen Sammlung, der Rest sind Leihgaben anderer Kunstsammler. Knapp 1000 Quadratmeter voll mit Graffiti, Gemälden, konsumkritischen Installationen und politischen Miniaturen warten auf die Besucher. „Diese Werke sind natürlich unverkäuflich“, sagt Utz. Für Anfang kommenden Jahres sei aber ein Nebenraum mit erwerbbaren Stücken geplant.

München kann auch kreativ und wild sein

Bürgermeister Josef Schmid (CSU) zeigte sich bei der Eröffnungsveranstaltung am gestrigen Donnerstag begeistert: „Dieses Museum bereichert unsere Kulturlandschaft ungemein.“ Urban Art sei eine Art von Kunst, die die Stadt gebrauchen könne, sagte Schmid. „Oft wird Berlin als wilder, kreativer Gegenpol zu München wahrgenommen – hier zeigen wir, dass das so nicht stimmt.“

Sieben Jahre gilt der Mietvertrag, den Christian Utz mit der Stadt hat. „Wir hoffen aber, länger bleiben zu dürfen“, sagt er. Sein Weg zum Museumsleiter ist übriges ein ungewöhnlicher – ursprünglich war er Unternehmensberater. „Aber ich war schon immer der Kunst verfallen“, sagt Utz. Als Jugendlicher habe er leidenschaftlich Comichefte gesammelt – und seine Riesensammlung später gegen ein Original-Kunstwerk von Andy Warhol getauscht. „Damals ging das noch“, sagt er und lacht. Über die Warhol’sche „Pop Art“ habe er schnell eine Leidenschaft für Straßenkunst entwickelt. Diese sei aber nie so richtig in der etablierten Kunstszene angekommen, findet er. „Es war immer eine Subkultur, eine Szene von Außenseitern.“

Subkultur: „Schutzraum für Künstler“

Diese Subkultur in einen Museumskontext zu bringen, genau das ist nun die Mission, der sich das MUCA verschrieben hat. „Für mich besteht kein Widerspruch darin, Street Art zu musealisieren“, sagt Utz. „Was wir nicht machen, ist Straßen-Kunstwerke aus irgendwelchen Mauerwerken zu brechen und ins Museum zu stellen.“ Davon halte er nichts. „Vielmehr möchten wir einen Schutzraum schaffen: Für Künstler, die einmal abseits der Straße und ohne die Polizei im Nacken ihre Arbeiten machen möchten.“ Damit spielt Utz augenzwinkernd auf illegale Graffiti an. „Zum anderen soll das MUCA eine Ruhe-Oase für die Innenstadt werden.“

Dabei kommt ihm ausgerechnet seine Vergangenheit als Unternehmensberater zugute. „Früher war ich hauptverantwortlich für viele große Veranstaltungen, bin gereist und habe viel Zeit in Sydney und London verbracht“, sagt der gebürtige Münchner. Dabei habe er ein großes Netzwerk von internationalen Kunstsammlern aufbauen können. Deren Leihgaben helfen nun, sein Museum auszustatten. „Das läuft anders als im normalen Museumsbetrieb, wo es große Verträge über zahllose Seiten gibt und man zwei Jahre warten muss, bis man die Werke endlich bekommt“, sagt Christian Utz. „Bei uns gibt es einen Anruf, einen Handschlag, und dann kommen die Sachen.“ Und das ganz ohne Meißel-Arbeit.

Marian Meidel

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