Nach Sturz in der Wohnung

Ursula S.: Ich war zu Unrecht in Psychiatrie

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Ursula S. (97)

München - Was kurz vor Weihnachten 2007 im Klinikum Schwabing passiert ist, verfolgt Ursula S. bis heute. Die Rentnerin ist nach einem Sturz ins Bezirkskrankenhaus Haar geschickt worden.

Die 97-Jährige wurde dort nach einem Sturz in ihrer Wohnung eingeliefert. Zwei Tage später schickten die Schwabinger Ärzte sie auf die geschlossene Station des Bezirkskrankenhauses Haar. Vor dem Oberlandesgericht München kämpft die alte Dame um Schadenersatz – und um eine Entschuldigung der verantwortlichen Ärzte.

In erster Instanz wurde Ursula S. bereits eine Vergleichssumme von 1200 Euro angeboten. Die lehnte die Rentnerin ab. „Meiner Mandantin geht es nicht um Geld. Sie will wissen, was mit ihr passiert ist“, sagt ihre Anwältin Monika Wiegand. Denn Ursula S. fühlt sich zu Unrecht eingewiesen. An vieles, was im Krankenhaus passiert ist, kann sie sich nicht mehr erinnern.

Unstrittig ist, dass die Rentnerin aus Milbertshofen während ihres Aufenthalts im Klinikum Schwabing verwirrt war. Wann die Verwirrtheit aber anfing und wovon sie ausgelöst wurde, darüber gehen die Meinungen auseinander. In der Krankenakte steht, bereits der Notarzt habe diese Dia-gnose gestellt. Anwältin Monika Wiegand hält das für Unsinn: „Meine Mandantin hatte ihr Hörgerät nicht dabei. Aber sie konnte sich schminken.“ Ursula S. hat eine andere Vermutung, woher die Verwirrung kam: Medikamente und Flüssigkeitsmangel.

Wie viel Flüssigkeit Ursula S. durch Infusionen und Trinken bekommen hat, lässt sich nicht mehr nachweisen. Laut Akte waren es täglich mindestens 700 Milliliter. Als Maßstab für ältere Menschen gelten 1500 Milliliter. Ein Facharzt für Innere Medizin, der als Gutachter geladen war, sieht darin keinen groben Fehler. Denn im Protokoll wurde vermerkt: „Die Patientin trinkt ausreichend.“ Die Ärzte hätten also darauf geachtet. Außerdem ist Ursula S. nur 1,60 Meter groß und extrem dünn. „Die Flüssigkeitszufuhr könnte gerade so ausgereicht haben.“

Am Abend des dritten Tages hat Ursula S. angeblich eine Krankenschwester gezwickt. „Sie wollte nur zur Toilette“, meint die Anwältin. Daraufhin bekam sie Beruhigungsmittel. Diese Medikamente können Verwirrung auslösen. Einen Beweis, dass das in diesem Fall so war, gibt es aber nicht. Wenige Stunden später ließen die Ärzte Ursula S. nach Haar bringen. Dort blieb sie eine Woche auf der geschlossenen Station und vier weitere Wochen zum Aufpäppeln. Inzwischen ist die 97-Jährige wieder topfit.

Die Vorsitzende Richterin ließ anklingen, dass die Berufung keine Chance auf Erfolg hat. Ursula S. will aber bis zur letzten Instanz klagen. Stirbt sie vorher, müssen ihre Erben den Prozess weiterführen. So steht es im Testament.

Beate Winterer

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