Intolerant oder ein gutes Modell?

Biergarten-Wirt sperrt Kinder aus: Das sagen die Münchner

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Hoch die Tassen: Münchner lieben Abstecher in den Biergarten - viele fühlen sich aber von kreischenden Kindern belästigt.

München - In Düsseldorf sperrt ein Wirt Kinder aus seinem Biergarten aus. Viele Münchner würden sich Ähnliches in ihrer Stadt auch wünschen. Andere Länder sollten als Vorbild gelten.

Wirt Patrick Weiss hat die Sandlandschaft in seinem Biergarten "Sonnendeck" zur kinderfreien Zone erklärt. Weil der Nachwuchs andere Gäste mit Sand beworfen oder Palmen angezündet haben soll, hat der Düsseldorfer vorgesorgt. Für die Mädchen und Jungen steht ein umzäunter Spielplatz zur Verfügung. Feiern Mama und Papa zwischen Liegestühlen und Sonnenschirmen, können sie aber nur zuschauen. Eltern empörten sich öffentlich. Viele Münchner loben den Wirt für diesen durchaus mutigen Schritt. "Meine Hochachtung vor diesem Wirt. Chapeau! Eine solche Ruheoase würde ich mir auch hier in München öfter wünschen", schreibt etwa "aGiasinga". Claudia B. schreibt bei Facebook: "Richtig so, ich möchte mich im Biergarten auch nicht mit Sand bewerfen lassen und/oder in den Hundehaufen treten!"

Für andere User ist zumindest der Biergarten kein Platz, an dem Kinder herumtoben sollen - unabhängig davon, ob sie andere Besucher belästigen. "Ich finde die Entscheidung des Wirts nachvollziehbar. Ein Biergarten ist KEIN Kinderspielplatz", schreibt Frederic H. bei Facebook. "Leanda" stellt klar: "Zum Austoben gibt es schließlich Spielplätze!" Auch "Lutz" sieht das ähnlich: "Es gibt Orte und Situationen, wo man sein Kind bremsen sollte. Sei es ein Flugzeug, die Bahn oder eben auch ein Biergarten. Wenn ich Kinder sehe, die ohne Ende um Tische rennen und dabei nur kreischen, dann hört es einfach auf."

"Woanders sind Bereiche für Erwachsene normal"

Dieses Schild sperrt Kinder und Hunde aus dem Biergarten "Sonnendeck" aus.

"anno2015" wünscht sich von dem Vorgehen des Düsseldorfer Wirtes "Modellcharakter. Wer täglich in der Öffentlichkeit erleben darf, wie uninteressiert oder überfordert manche Eltern mit den Grundlagen der Erziehung sind, wird solche Initiativen unterstützen." Kinderfreie Zonen sind auch für "Schneekönig" das reinste Paradies: "Ich hoffe, es wird irgendwann auch Freiräume geben, wo Familien mit Kindern nicht erwünscht sind." Sabrina S. versteht die Aufregung nicht." Also in anderen Ländern ist es normal, Bereiche für Erwachsene auszuweisen - warum dann nicht auch in Deutschland? Ist alles nur gewöhnungsbedürftig", lässt sie via Facebook wissen.

Ein kinderfreier Biergarten würde also in München viele Befürworter finden. Markus K. zählt jedoch nicht dazu. "So einen Biergarten würde ich meiden, auch ohne Kind. Schon aus Prinzip, ich verabscheue diese Kinderfeindlichkeit und gerade ein Biergarten ist ein Ort der Geselligkeit. Kinder davon auszunehmen, ist ein Unding", schreibt er bei Facebook. Auch "Walter" wünscht sich mehr Toleranz: "Ich habe keine kleinen Kinder, meide aber solche Lokale und Hotels! Kinderlachen und Geschrei ist mir immer noch lieber als gröhlende, alkoholisierte Jugendliche oder Erwachsene!"

Modell mit vereinzelten kinderfreien Tagen?

So weit wie Michael N. würden sie aber wohl nicht gehen. Der kann über das Thema nur milde lächeln und mokiert sich bei Facebook augenzwinkernd: "Skandal!!! Jetzt dürfen sich noch nicht einmal mehr Kinder und Hunde im Biergarten vollaufen lassen!"

Spielt das Wetter mit, verströmen Biergärten Geselligkeit für Jung und Alt - ob mit oder ohne Kinder. Zumindest vereinzelte kinderfreie Tage würden in München aber anscheinend viele Freunde des gepflegten Bierschnacks anlocken.

mgi

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