Prozess in München

Vater missbraucht Stiefsohn hunderte Male

München - Hunderte Male verging sich Wolfram B. (58) am Stiefsohn und zwang auch zwei weitere Kinder zu sexuellen Handlungen.

Hunderte Male verging sich Wolfram B. (58) an seinem Stiefsohn und zwang auch zwei weitere Kinder zu sexuellen Handlungen. Jetzt steht er vor dem Landgericht München I. Zum Auftakt des Prozesses wegen schweren sexuellen Missbrauchs hat er die Vorwürfe am Mittwoch weitgehend gestanden. Allein einen Übergriff auf seinen leiblichen Sohn streitet er ab.

Die Taten, um die es geht, liegen viele Jahre zurück. Wolfram B. ist Gartenbauer, lebte und arbeitete in München. Im Oktober 2002 zog seine Lebensgefährtin mit ihrem zehnjährigen Sohn zu ihm, die beiden heirateten. Der Bub half Wolfram B. öfter bei der Arbeit: „Er war total anhänglich“, schildert der Stiefvater vor Gericht. Doch irgendwann wurde Wolfram B. von der Vaterfigur zum Peiniger des Kindes: Mindestens 216 Mal soll er ihn an verschiedenen Orten sexuell missbraucht haben – im Badezimmer, auf dem Dachboden bei der elektrischen Eisenbahn, auf Baustellen.

„Das könnte hinkommen“, gibt B. heute zu. Er sei dem Kind „näher gekommen“, habe „ihm am Glied manipuliert, teilweise haben wir es gemeinsam gemacht“. Die Anklage geht davon aus, dass die Übergriffe über Jahre hinweg mindestens einmal wöchentlich stattfanden. B. erklärte, seine Frau habe die beiden ein paar Mal erwischt und gesagt, das müsse aufhören. Er habe dann 2005 eine Therapie begonnen: „Seitdem war nichts mehr.“

Der heute 22-jährige Stiefsohn zeigte Wolfram B. an – und die Polizei fand weitere Opfer: Zwischen den Jahren 1993 und 1996 besuchte die anfangs sieben Jahre alte Nachbarstochter häufig die Gärtnerei. Eines Tages ging Wolfram B. mit ihr in den Schuppen, nahm sie auf den Schoß und fasste ihr in die Unterhose. „Es war ein spontanes Interesse, wie sich das anfühlt“, sagt er vor Gericht. Auch die Tochter einer Angestellten berührte er unsittlich, während sie schlief. Während der Verhandlung entschuldigt er sich bei den heute erwachsenen Opfern im Saal: „Ich würde es wahnsinnig gern rückgängig machen.“

Laut Anklage soll Wolfram B. auch einmal vor den Augen seines heute zehnjährigen leiblichen Sohnes onaniert haben – das bestreitet er aber. „Bei seinem leiblichen Sohn hätte mein Mandant definitiv Hemmungen gehabt“, sagt der Verteidiger.

Wolfram B. äußerte sich ausführlich zu allen Taten, er will seine Unterbringung in der Sicherungsverwahrung verhindern. Die droht, weil B. bereits einschlägig vorbestraft ist: Im Jahr 1997 verurteilte das Amtsgericht München ihn wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in fünf Fällen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Und auch in seiner eigenen Jugend gab es einen Vorfall in Augsburg: Damals hatte er nach eigenen Angaben „drei oder vier Buben im Volksschulalter“, die im gleichen Fußballverein spielten wie er, zu sexuellen Handlungen gezwungen.

Für den Prozess sind vorerst sieben weitere Termine angesetzt.

Ann-Kathrin Gerke

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

auch interessant

Meistgelesen

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion