Thomas B. droht lange Haft

Vater schüttelt Baby fast tot - es bleibt behindert

+
Überfordert mit seinen Zwillingen: Familienvater Thomas B. (49).

München - Mit leiser Stimme versucht Haustechniker Thomas B. ganz sachlich zu erklären, was er seiner kleinen Mia angetan hat. Wegen schwerer Kindes-Misshandlung steht er vor Gericht.

"Es ist furchtbar, was ich getan habe. Ich war wütend, dass ich meine Tochter wieder nicht beruhigen konnte“, sagt Thomas B.  „Sie saß auf meinem Schoß und schrie wie eine Sirene. Ich wollte sie füttern, aber sie trank nicht. Ich fühlte mich so hilflos. Dann hob ich sie unter den Achseln in die Luft und habe sie fest geschüttelt.“ Wegen schwerer Kindes-Misshandlung stand der zweifache Familienvater am Mittwoch vor Gericht – und gestand, seine Tochter zweimal lebensgefährlich verletzt zu haben.

Im Juli 2013 der erste Vorfall: Thomas B. hat Erziehungsurlaub und kümmert sich in Aubing um seine gerade zwei Monate alten Zwillinge. Während Finn sich gut entwickelt, schreit Mia viel. „Das ging rund um die Uhr.“ Wütend schüttelt er das Baby im Wohnzimmer – so fest, dass Mias Kopf laut Anklage viermal herumgeschleudert wird. „Meine Frau sah das und schimpfte.“ Sie weiß: Für Babys ist das lebensbedrohlich! Aber Mia wird nicht verletzt.

"Mia schrie wie eine Sirene. Ich fühlte mich hilflos."

„Ich wusste, das war ein Fehler“, sagt B. Aber am 12. Dezember 2013 tut er es wieder! „Ich wollte alles perfekt machen, aber ich konnte Mia nicht beruhigen. Sie schrie immerzu.“ Da rastet der Vater aus und schüttelt das Baby wieder kräftig. Danach wirft er es mit Wucht auf das zwei Meter entfernte Sofa. „Es war eine Kurzschlusshandlung. Ich wusste gleich, ich habe Mist gebaut.“ Als Mia krampft und ihre Augen starr werden, ruft er den Notarzt. Im Klinikum Großhadern wird sie notoperiert. Ärzte müssen ihre Schädeldecke öffnen, weil das Gehirn anschwillt. Fünf Tage liegt das Baby im Koma. Drei Monate später die zweite Schädel-OP. Danach ist klar: Mia ist dauerhaft behindert. Ihre Großhirnrinde wurde durch die Attacke erheblich zerstört, die linke Körperseite gelähmt. Sprache und Reaktionsvermögen sind gestört.

Auch früher neigte B. bereits zu Wutausbrüchen, gibt er zu – vor Gericht führt er das Schütteln zaghaft vor. Aber Richter Stephan Kirchinger glaubt ihm nicht: „Es muss eine intensive und lange Kraftanstrengung gegeben haben, um diese Verletzungen hervorzurufen.“ Die Polizistin, die B. festnahm, sagt: „Er begriff die Gefahr für das Kind nicht.“ Dem Vater droht jahrelange Haft. Seine Ehefrau sagt am 10. Oktober aus.

Andreas Thieme

Auch interessant

Meistgelesen

Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare