Mehr städtische Container

Verbände sind besorgt: Der Kampf um Altkleider

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Andrea Strasser vom Paritätischen Wohlfahrtsverband: „Unsere Mitarbeiter hätten auf dem Arbeitsmarkt keine Chance“ .

München - Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) will ab Juli 300 Altkleider-Container in der Stadt aufstellen. Viele gemeinnützige Initiativen schlagen deshalb Alarm. .

Eine Tonne Altkleider pro Monat – Andrea Strasser vom Paritätischen Wohlfahrtsverband ist froh über die gute Bilanz. Doch jetzt plant der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM), im Juli 300 Altkleider-Container in der Stadt aufzustellen. Das könnte den Kleidermarkt des Sozialpsychiatrischen Zentrums in der Kühbachstraße 11 bedrohen. Strasser gegenüber Hallo München: „Von dem Geld bezahlen wir Mitarbeiter, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben.“

Martina Kreis (l.) sorgt sich um die Zukunft ihrer Altkleider-Sammlung.

Auch bei der Diakonia, einer gemeinnützigen Gesellschaft des Evangelisch-Lutherischen Dekanats und der Inneren Mission, schlägt man Alarm. Martina Kreis, Leiterin des Bereichs Second-Hand, klagt: „Wir sehen unsere Existenz und die 91 Arbeitsplätze, die wir mühevoll geschaffen haben, bedroht.“ Der AWM hingegen profitiere umso mehr. „Bei 300 Containern kommen rund 2500 Tonnen Textilien im Jahr zusammen. Wenn man mit 500 Euro pro Tonne rechnet, sind das weit über eine Million Euro. Mit dem Geld werden dann die Müllgebühren gesenkt“, sagt Kreis.

Dass die Kommune ins Altkleider-Geschäft einsteigt und in Konkurrenz zu über 30 Kleidermärkten und -kammern (s. Kasten) sozialer Einrichtungen tritt, hängt mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) zusammen, das 2012 in Kraft trat. „Die Abfälle müssen an uns gehen“, bestätigt AWM-Sprecherin Helga Seitz. Unter „Abfall“ fielen auch die Altkleider. Die Ausschreibung sei in Vorbereitung. Gemeinnützige Sammler seien, zum Ärger von Martina Kreis, nicht berücksichtigt worden. „Für die Gemeinnützigen ändert sich ja nichts. Sie dürfen nach wie vor sammeln“, sagt Seitz.

Aber nicht mehr so einfach. Wurden gemeinnützige Sammlungen bislang geduldet, müssen diese jetzt beim Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) angezeigt werden, was den Dachverband FairWertung beunruhigt: „Im Zuge der Umsetzung des neuen Gesetzes werden gemeinnützige Kleidersammlungen vielerorts durch aufwendige bürokratische Meldeverfahren erschwert“, schreibt der Verband.

Hier können Sie spenden:

Eine Auswahl der Altkleiderabgabe-Stellen von sozialen Einrichtungen:

GebrauchtWarenHaus Sendling (Weißer Rabe), Bavariastr. 30-36.

WertStoff Textilsortierung (Diakonia), Landshuter Allee 38.

„Kleidsam“ (Diakonia), Blutenburgstr. 65.

„Schickeria“ (Diakonie Hasenbergl), Stanigplatz 9.

Caritas-Kleiderkammern: Landwehrstr. 26, Hiltenspergerstr. 80, Hildegard-von-Bingen-Anger 1-3, Leipziger Str. 38, Pippinger Straße 97, Daphnestr. 29, ­Hohenschwangaustr. 24, Kreillerstr. 24.

D. Schmitt

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