Kaufleute kritisieren Gewerkschaft

"Verdi ist am Durchdrehen": Klage gegen offenen Sonntag

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Ein Blick in die Fußgängerzone: Hier werden am Sonntag viele Geschäfte offen haben.

München - Vor dem Stadtgründerfest gibt es Ärger um den verkaufsoffenen Sonntag. Die Gewerkschaft Verdi will dagegen klagen, die Kaufleute der Innenstadt kontern.

Die Wettervorhersage fürs Wochenende: Sommergewitter. Den großen Krach gibt’s aber schon vorher – nämlich zwischen den Innenstadt-Kaufleuten und Verdi. Die Gewerkschaft wird gegen den verkaufsoffenen Sonntag klagen, der zum Stadtgründungsfest an diesem Wochenende gehört. Das kündigte Georg Wäsler (59), stellvertretender Bezirksgeschäftsführer von Verdi, am Donnerstag ab. Er sagt: „Dieser verkaufsoffene Sonntag ist eine Vorstufe zur Abschaffung des Ladenschlussgesetzes.“ Und: „856 Jahre lang hat die Stadt München ohne solche Aktionen Geburtstag gefeiert – warum muss man jetzt auf einmal sonntags Ananas und Unterwäsche kaufen?“

Wolfgang Fischer (53), Sprecher der Innenstadt-Kaufleute von CityPartner, hält dagegen: „Verdi ist am Durchdrehen. Da vertritt die Gewerkschaft auch nicht die Interessen der Mitarbeiter, sondern versucht eine Machtdemonstration. Wir bekommen viel positive Rückmeldung von den Unternehmen. Viele können an diesem Sonntag gar nicht alle Leute einsetzen, die arbeiten wollen. Schließlich bekommen die Arbeitnehmer ja auch kräftige Zuschläge.“

So oder so wird die Sache jetzt vor Gericht landen: Verdi hat eine Leipziger Anwaltskanzlei mit der Sache beauftragt. Im Juristendeutsch: Es wird eine Klage vor dem Verwaltungsgericht gegen die Verordnung der Landeshauptstadt München geben. Klar ist jetzt schon: Den diesjährigen offenen Sonntag wird die Gewerkschaft nicht mehr stoppen können – dafür ist die Zeit zu knapp. Aber, so Wäsler: „Wir wollen eine Wiederholung verhindern. Die Verordnung, die am 20. Mai beschlossen wurde, ist ja unbefristet.“

Wäsler versteht sich dabei als Teil einer „Allianz für den Freien Sonntag München“ – zusammen mit dem deutschen Gewerkschaftsbund und kirchlichen Arbeitnehmerorganisationen. In die gleiche Kerbe schlägt der Münchner Betriebsrat von Hugendubel, der in einem Brief an OB Dieter Reiter (57, SPD) gegen die Pläne protestiert.

Die Öffnung der Geschäfte gilt an diesem Sonntag von 13 bis 18 Uhr – beteiligt sind viele Geschäfte in der Innenstadt.

Uli Heichele

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