Verdienstorden für unseren Schwager

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Dahoam in Ebersberg: Herbert Schneider (88), Poet, Sinnierer, tz-Kolumnist

München - Ministerpräsidet Horst Seehofer ehrt den tz-Kolumnisten Herbert Schneider am Mittwoch in der Residenz mit dem Bayerischen Verdienstorden.

Ehrungen sind für Herbert Schneider, unseren tz-Schwager, fast schon wie Routine. Für seine humorvollen Bücher (über 30!), Gedichte und Verdienste um die baierische Sprache wurden ihm unter anderem die Ludwig-Thoma-Medaille, der Bayerische Poetentaler und der Sigi-Sommer-Literaturpreis verliehen. Und das Bundesverdienstkreuz hat er auch. Aber dass er am Mittwoch den Bayerischen Verdienstorden erhält, gesteht er, das ist natürlich schon etwas ganz Besonderes. „Das ist schön“, sagt er am Telefon und dehnt das ö dabei so lang, dass man spürt, wie stolz er auf diese Auszeichnung ist. Nur zwei Fragen bereiten ihm Kopfzerbrechen. Was zieh ich an? Und steh ich das durch? 88 ist er jetzt. Aber das wär’ nicht das Problem. Seit einem schweren Sturz im letzten Jahr ist er auf eine Gehhilfe angewiesen. Das schmerzt den alten Rennradlfahrer, weil er jetzt nur noch auf dem Hometrainer treten darf. „Ich hoffe, es dauert nicht allzu lang und ich krieg einen Stuhl“, meint er verschmitzt, „sonst muss ich mich halt auf den Boden setzen.“ So weit wird’s der Ministerpräsident am Mittwoch im Antiquarium der Residenz schon nicht kommen lassen. Apropos Ministerpräsident. Horst Seehofer ist für unseren Schwager der Ideale Mann, weil er ganz neue Trends setzt. „Zumindest in der Krawattenfrage. Beim Jahresempfang in Oberschleißheim war er ja oben ohne.“ Und jetzt überlegt der Schwager, ob er sich am Mittwoch auch ohne Krawattl in die Residenz trauen kann. Noch ist er sich nicht ganz sicher. „Möglicherweise umgeh’ ich das Problem auch ganz diplomatisch und komm in Tracht.“ Der Schwager in Lederhosen? Wir dürfen gespannt sein, wie er dieses Thema im nächsten Schwager verarbeitet – gewohnt gekonnt und spitzbübisch charmant. Unglaublich, aber wahr: Über 2000 seiner Kolumnen sind bisher in der tz erschienen! Und damit ist hoffentlich noch lange nicht Schluss. Gibt’s sonst noch Pläne? „Bavarica will doch heute keiner mehr lesen. Die Jungen mögen keine Mundartgedichte mehr und die Alten sterben aus.“ Und noch etwas bedauert der Schwager: dass die tz-Leser ihm nicht mehr so viele Briefe schreiben.

Mindestens zur Hälfte, meint der Schwager bescheiden, gehört der Orden natürlich der Schwägerin. „Sie hat zwar nicht gejauchzt, aber sich ganz still mit mir gefreut.“ Die tz-Redaktion gratuliert jedenfalls beiden ganz herzlich.

WdP

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