Ex-Sportlerin legt Mandat nieder

Aus im Stadtrat: Polit-Biathlon wird Bentele zu viel

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Verena Bentele holte bei den Paralympics 2010 in Kanada fünf Goldmedaillen.

München - Stadträtin in München, Behindertenbeauftragte der Bundesregierung in Berlin: Für Verena Bentele ist diese Doppelbelastung zu viel, deshalb legt die blinde Ex-Sportlerin ihr Stadtrats-Mandat nieder.

Die zwölffache Paralympics-Siegerin Verena Bentele (32), früher in der Loipe und mit dem Gewehr bärenstark, legt seit Monaten einen Polit-Biathlon hin. Anfangs dachte die blinde Münchnerin: Die beiden Ämter zusammen werden zwar happig – aber das funktioniert schon. Jetzt muss sie feststellen: Es funktioniert doch nicht. Deshalb legt Bentele ihr Stadtrats-Mandat nieder.

Verena Bentele mit Arbeitsministerin Andrea Nahles.

Die gebürtige Lindauerin, die ihre Sportkarriere 2011 beendete, war als SPD-Kandidatin bei der Kommunalwahl im März 2014 souverän in den Stadtrat gewählt worden. Bereits zwei Monate zuvor war sie auf Vorschlag von Arbeitsministerin Andrea Nahles (44, SPD) zur Behindertenbeauftragten der Bundesregierung berufen worden. Diese zwei Posten sind der Wahl-Münchnerin, die seit ihrem Studium an der Isar lebt, zu viel. „Ein Stadtratsmandat braucht viel Zeit, wenn man es gut machen will“, so Bentele. „Neben den Stadtratssitzungen gibt es die Ausschuss- und Fraktionssitzungen sowie Abendveranstaltungen. Ich möchte mich mit voller Energie meiner neuen Aufgabe widmen – beides geht nicht.“

Bentele zieht positive Bilanz

Über ihre Herausforderung in Berlin sagt Bentele: „Das ist ein 70-Stunden-Job.“ Im Amtssitz im Berliner Kleisthaus begleitet Bentele zum Beispiel Gesetzgebungsprozesse der Bundesregierung. Aktuell geht es etwa um das Bundesteilhabegesetz. „Derzeit dürfen Menschen mit einer Behinderung, die einen hohen Hilfebedarf haben, nur 2600 Euro auf dem Konto haben.“ Das soll sich ändern. Der nächste Termin: Ende März wird die UN-Behindertenrechtskommission in Genf Deutschland zum Stand der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention befragen. Was Bentele in dieser Hinsicht besonders beschäftigt: „Der Anteil Behinderter unter den Arbeitslosen ist überproportional groß.“

Über ihre zehnmonatige Arbeit als Stadträtin zieht Bentele, die im Westend wohnt, trotz des Rücktritts eine positive Bilanz. Vor allem die medizinische Versorgung lag ihr sehr am Herzen, aber natürlich auch die Inklusion Behinderter: „Wir konnten vieles anstoßen, etwa einen Stadtplan für Blinde. Für mich ist auch die Verbesserung der Barrierefreiheit ein wichtiges Thema, vor allem die Zugänglichkeit von Behörden für alle.“

Sie selbst sei von der Stadt hervorragend unterstützt worden: „Ich habe einen Laptop bekommen mit einem Sprachprogramm, das ich bedienen kann. Für die Begleitung zu Terminen hatte ich eine Arbeitsassistenz.“ Um zwei Ämter mit vollem Einsatz auszufüllen, war aber auch das nicht genug.

Und er wird Benteles Nachfolger

Ex-Stadtrat Haimo Liebich (70, SPD), der bei der Kommunalwahl 2014 knapp gescheitert war, rückt für Verena Bentele in den Stadtrat nach. Er sagt: „Ich bedauere es, dass Verena ihr Mandat zurückgibt. Gleichzeitig freue ich mich, dass ich nach zehn Monaten Pause wieder in den Stadtrat zurückkehre.“ Liebich war bei der Stadtratswahl auf dem 35. Platz angetreten und um acht Plätze nach oben gewählt worden – doch das hatte (knapp) nicht gereicht.

J. Welte

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