„Sahen uns zum ersten Mal gezwungen ...“

Münchner Polizei entsetzt: Zeugenaufruf zu Vergewaltigung zieht schlimme Kommentare nach sich

Heimstettener See
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Am Heimstettener See wurde eine 15-Jährige von einem bislang unbekannten Täter vergewaltigt.

Nach einer Vergewaltigung bei München sucht die Polizei fieberhaft nach Zeugen. Ein Aufruf im Netz sorgt für unschönes Feedback.

München - „Am Wochenende sahen wir uns zum ersten Mal dazu gezwungen, die Kommentarfunktion unter einem Beitrag zu deaktivieren.“ Für die Münchner* Polizei war es eine bittere Premiere. Unter einem Zeugenaufruf hatten sich innerhalb weniger Stunden unschöne Einschätzungen gesammelt.

Vergewaltigung bei München: Schlimme Kommentare unter Zeugenaufruf

Nachdem eine 15-Jährige im Zuge einer Abschlussfeier am Heimstettener See vergewaltigt worden war, sucht die Polizei weiter fieberhaft nach dem bislang unbekannten Täter. Ein zwischenzeitlich festgenommener Verdächtiger ist wieder auf freiem Fuß.

„Insbesondere bei einem Zeugenaufruf sind wir auf Eure Hilfe angewiesen“, schreiben die Einsatzkräfte jetzt in einem viel beachteten Posting. Denn zahlreiche User hatten den Appell nicht mit wertvollen Hinweisen, sondern mit geschmacklosen Einschätzungen zur möglichen Herkunft des Täters beantwortet. Zudem waren Stimmen laut geworden, die der 15-Jährigen eine Mitschuld an der Vergewaltigung gegeben hatten.

Münchner Polizei gibt klares Statement ab: „Dulden keine Verurteilungen“

„Wir verstehen, dass Straftaten auch gesellschaftliche Diskussionen auslösen können“, erklärt die Polizei in einer emotionalen Stellungnahme. Aber: „Hatespeech und Victim Blaming in Kommentaren tragen nicht nur zur Spaltung einer Gesellschaft bei, sondern erschweren uns auch unsere Arbeit. Wir stehen für freie Meinungsäußerung, dulden jedoch keine Verurteilungen von Menschen aufgrund von Aussehen, Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung, Religion oder anderer Zuschreibungen – egal ob Täter oder Opfer.“

Für die ehrlichen Worte erhalten die Einsatzkräfte nun reichlich Zuspruch. Am Montagmorgen hatte der Beitrag knapp 3000 Likes gesammelt. „Vielen Dank für das klare Statement“, lobt ein Facebook-User prägnant. Weiter unten in den Kommentaren fordert eine Münchnerin: „Ich hoffe, diejenigen bekommen auch noch strafrechtliche Konsequenzen, wenn sie mit ihren Kommentaren gegen geltende Gesetzte verstoßen haben.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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