Angeklagter wurde rückfällig

Vergewaltigung in München: Prozess gegen den Täter mit der Wolfsmaske - Es geht auch um die Betreuer

Diese Tat schockierte: Ein Mann vergewaltigte im Sommer 2019 in München eine Elfjährige und trug dabei eine Wolfsmaske. Dabei geht es auch um die Frage, ob die Tat hätte verhindert werden können.

München - Grau meliertes Haar, kantiges Gesicht, hängende Schultern – so sieht der Mann hinter der Wolfsmaske aus. Christoph K. hat sie getragen, als er Ende Juni 2019 am helllichten Tag ein elfjähriges Mädchen in Obergiesing vergewaltigte.

Mehr als anderthalb Jahre später verhandelt das Landgericht nun den Fall des schweren sexuellen Kindesmissbrauchs. Laut Anklage hatte Christoph K. sein Opfer gezielt ausgesucht. Er soll die damals Elfjährige schon vor der Tat in der S-Bahn beobachtet und fotografiert haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass K. am Tattag mit dem Vorsatz losfuhr, das Mädchen zu missbrauchen – denn die Wolfsmaske hatte er dabei. Das Verbrechen hat er gestanden – den Vorsatz nicht.

„Mit einer Entschuldigung lässt sich das Geschehene nicht wiedergutmachen“, sagt Verteidiger Adam Ahmed für Christoph K. am ersten Prozesstag. „Er möchte aber, soweit das möglich ist, aufrichtig um Verzeihung bitten“ K. räumt ein, das Mädchen am Tattag schon länger im Auge gehabt zu haben. Dennoch: Es sei ein spontaner Entschluss gewesen, das Kind zu vergewaltigen. „Er hatte mit sich gehadert. Es gab so ein gewisses Hin und Her: Soll ich? Soll ich nicht?“ Mit diesen Worten beschreibt Ahmed, was Christoph K. vor der Tat umgetrieben haben soll.

München: Vergewaltiger mit der Wolfsmaske mehrfach vorbestraft - Hätte Tat verhindert werden können?

Es ist nicht sein erstes Verbrechen: K. ist bereits mehrfach verurteilt – als Jugendlicher beging er den ersten sexuellen Missbrauch. Zuletzt lebte er in einer betreuten Wohngemeinschaft in Giesing. Gutachter hatten ihn als nicht mehr so gefährlich eingestuft: K. war in der letzten von vier Lockerungsstufen des Maßregelvollzugs und durfte in einem technischen Betrieb in Unterhaching unter Aufsicht arbeiten.

Anhand einer Wolfsmaske suchten Ermittler im Sommer 2019 nach dem brutalen Vergewaltiger.

Doch er wurde rückfällig, zur einzigen Tageszeit, an der er unbegleitet war: auf seinem Arbeitsweg. In der S3 hatte er das Mädchen wiedererkannt. Laut Anklage war die Elfjährige nachmittags auf dem Heimweg von der Schule und stieg am Fasangarten aus – Christoph K. folgte ihr unbemerkt auf der Cincinnatistraße. In einem Waldstück zog er die Wolfsmaske auf, griff das Mädchen von hinten an und verging sich an ihm.

München: Angeklagter Vergewaltiger wies Betreuer vor der Tat auf psychische Probleme hin

„Hör auf zu schreien, dann passiert dir nichts“, soll Christoph K. zu dem Kind gesagt haben. Sein Gesicht sah es nicht. Ermittlern zufolge drohte er dem Mädchen danach, es und seine Eltern zu töten, wenn es zur Polizei* gehe.

Vor Gericht gilt der Vergewaltiger als schuldfähig. Wie es zu dem Verbrechen kommen konnte, müsse jedoch „kritisch hinterfragt werden“, fordert Anwalt Adam Ahmed. Christoph K. sei es in den Wochen zuvor psychisch immer schlechter gegangen, die Betreuer habe er auch darauf hingewiesen. Nun soll geprüft werden, welche Kontrollmaßnahmen und Fachgespräche es gegeben hatte – und ob diese Sexualstraftat womöglich hätte verhindert werden können.

Das will der Vorsitzende Richter Bertholt Gedeon an neun weiteren Prozesstagen klären auch mithilfe von Gutachtern. Am 4. Mai soll dann das Urteil fallen. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Wera Engelhardt/dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion