Vergewaltigung erfunden: Kommt Helmut W. frei?

München - Vier Jahre muss Helmut W. wegen Vergewaltigung seiner Ex-Geliebten ins Gefängnis. Doch jetzt behauptet die Frau: "Es hat nie eine Vergewaltigung gegeben." Kommt der 60-Jährige nun frei?

Anna M. hat vor Gericht gelogen, das steht fest. Die 26-Jährige hatte behauptet, von dem 60-jährigen Helmut W. vergewaltigt worden zu sein. Dieser sitzt deshalb im Gefängnis: viereinhalb Jahre lang! Jetzt behauptet Anna M. das Gegenteil. „Es hat nie eine Vergewaltigung gegeben.“ Was ist die Wahrheit, was Lüge? Kommt Helmut W. deshalb frei?

Anna M. und Helmut W. hatten gut zehn Jahre lang ein Verhältnis miteinander. Er hatte der gebürtigen Armenierin die deutsche Sprache beigebracht. Der verheiratete BMW-Ingenieur war zunächst wie ein Vater zu ihr, doch dann wurde er auch ihr Geliebter. Anna hatte von dem Dreiecksverhältnis schließlich genug, wollte die Beziehung lösen. Es gab Zoff. Wütend zeigte sie ihn wegen Vergewaltigung an: Zum ersten Sex im Jahr 1998 habe er sie gezwungen, behauptete sie. Erst später habe sie freiwillig mitgemacht. So brachte sie die Justiz-Maschinerie ins Rollen.

Helmut W. beteuerte immer seine Unschuld. Im Prozess gegen ihn vor dem Landgericht blieb Anna bei ihrer Vergewaltigungs-Version. Alles hing von ihrer Glaubwürdigkeit ab. Rechtsanwalt Hermann Borchert, der Verteidiger des Ingenieurs: „Sie hat sich bei der Beweisaufnahme häufig widersprochen.“ Die Richter glaubten ihr dennoch, denn der Kern ihrer Aussage sei konstant gewesen. Urteil: vier Jahre und sechs Monate Gefängnis. Borchert: „Ein krasses Fehlurteil.“

Helmut W. musste seine Haftstrafe antreten. Doch inzwischen packte Anna M. das schlechte Gewissen. Sie wandte sich an Rechtsanwalt Hartmut Girshausen. Dieser klärte sie darüber auf, dass ihr deshalb auf jeden Fall eine Strafe drohe. Entweder wegen falscher Verdächtigung (weil sie Helmut H. zu Unrecht beschuldigte) oder wegen Strafvereitelung (weil sie ihn zu Unrecht aus dem Knast holen will). Sie ging dennoch zur Polizei und widerrief ihre Aussagen von früher.

„Auch wenn man mir nicht glaubt“, gab sie zu Protokoll, „dann habe ich zumindest mein Gewissen erleichtert“. Das Amtsgericht hält ihre jetzige Aussage für eine Lüge! Die Richterin verurteilte sie wegen versuchter Straftvereitelung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen, insgesamt 6300 Euro! Anwalt Girshausen: „Wir gehen in Berufung.“ Anwalt Borchert hofft dennoch, dass er Helmut W.ausdemKnastholen kann. Er betreibt ein Wiederaufnahmeverfahren beim Landgericht Augsburg.

Eberhard Unfried

Rubriklistenbild: © Unfried

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