1. tz
  2. München
  3. Stadt

Strompreisfalle: Münchner fühlt sich im Stich gelassen – er überlegt sogar, sein Ehrenamt aufzugeben

Erstellt:

Von: Regina Mittermeier

Kommentare

Koch mit Heizung
Stromschock für Peter Koch © Andrea Jaksch

Die Strompreisbremse soll die Menschen entlasten. Doch das Instrument greift nicht bei allen. Ein Mann aus München fühlt sich im Stich gelassen.

München - Michael Greiner traut seinen Augen nicht: Rund 1500 statt 670 Euro soll der Techniker (41) aus München ab Januar im Monat bezahlen. Denn er nutzt einen strombetriebenen Nachtspeicherofen zum Heizen. Das Problem: Wegen der speziellen Tarifstruktur der Öfen greift die Strompreisbremse nicht richtig. So wird Wärme für Greiner wohl bald zum Luxusgut. Er fühlt sich im Stich gelassen – und überlegt sogar, sein Ehrenamt bei der Wasserwacht aufzugeben.

München: Nachtspeicherheizungen nicht sehr verbreitet – Nutzern droht der Preisschock

Dann könnte er einen Nebenjob annehmen, um seine Rechnung bezahlen zu können. Nachtspeicherheizungen sind nicht sehr verbreitet, aber einige Nutzer im Raum München teilen Greiners Sorgen. Die Stadtwerke München (SWM) versorgen aber immerhin rund 20.000 Kunden in der Stadt. Sie beziehen Strom zu zwei Tarifen: Tag- und Nachtstrom. Es gibt auch zwei Zähler. Der Versorger legt die Nachtstunden fest, in der Regel gelten sie von 22 bis 6 Uhr. In dieser Zeit ist die Energie-Nachfrage geringer, das macht die Versorgung billiger.

Nachtspeicheröfen werden in der Nacht vom Anbieter bestromt und fast wie ein Akku aufgeladen, um am Tag Wärme abgeben zu können. Und bisher war Nachtstrom mit meist 16 bis 20 Cent pro Kilowattstunde vergleichsweise preiswert. Aber der Krieg in der Ukraine hat die Preise explodieren lassen. Daher billigte der Bundestag am Donnerstag die Strom- und Gaspreisbremse ab Januar. Diese sieht eine Deckelung bei 40 Cent je Kilowattstunde vor für bis zu 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs. Der Preisdeckel soll alle entlasten – allerdings fallen Nachtspeicherheizungen durchs Raster.

„Das ist ungerecht“: 40-Cent-Grenze für Preisdeckel greift nicht immer

Den Eindruck hat zumindest Greiner, denn sein Nachtstrom soll ab Januar fast 120 Prozent mehr kosten. Obwohl er dann viel mehr zahlen muss, bleibt er knapp unter der 40-Cent-Grenze für den Preisdeckel. Die Bremse hilft ihm daher nicht. Greiners Tag-Tarif soll von bisher gut 26 auf 78 Cent steigen, hier würde die Bremse noch greifen. Er verbraucht aber vor allem nachts und am Wochenende Strom – zum günstigeren Nachttarif. Aber auch bei dem soll eine Kilowattstunde bald fast 35 statt 16 Cent kosten. Eine enorme Belastung für Greiner. Während Gaskunden relativ einfach den Anbieter wechseln können, ist es bei Nutzern von Nachtspeicheröfen schwerer.

„Es gibt wenige alternative Anbieter“, sagt Greiner. Auch Rentner Norbert Stengel (64) aus Schwabing-Freimann heizt auf diese Weise. Er kann die Bestromung nicht steuern und fürchtet enorme Kosten. Sein Heiz-Tarif soll ab Januar von gut 14 auf 31 Cent je Kilowattstunde springen – die Preisbremse greift nicht. „Das ist ungerecht“, findet er. Zahlreiche Zuschriften von Nachtspeicherofen-Nutzern erreichen unsere Zeitung. Viele wissen nicht, wie sie die Rechnungen zahlen sollen. „Ich habe nur eine kleine Rente“, erzählt Peter Koch (63). Der Weßlinger (Kreis Starnberg) ist verzweifelt. Sein Tarif soll von 25 auf 45 Cent steigen. „Ich lebe schon sparsam“, erzählt er. Aber irgendwann ist Schluss.

Auch interessant

Kommentare