Muntere Verhandlung

Justizpalast-Schütze vor Gericht

München - Weil er mit gezogener Pistole in den Justizpalast gegangen war, muss sich ein Wirt vor Gericht verantworten. Die Stimmung beim Angeklagten war alles andere als trüb.

Der 58-jährige Mann, der mit gezogener Waffe in den Münchner Justizpalast marschiert war, sieht sich durch Urteile von Zivilrichtern um die Existenz gebracht. „Es hat einfach etwas passieren müssen“, sagte der zum Prozessauftakt vor dem Landgericht. Er hatte im Januar im Lichthof des Justizpalastes sogar abgedrückt - aber es löste sich kein Schuss, weil die Waffe nicht durchgeladen war.

„Ich weiß, das war ein Schmarrn, um Gottes Willen“, gestand der Angeklagte. Trotzdem fühle er sich jetzt wohler, „trotz der Untersuchungshaft“. Die Anklage wirft ihm Führen einer Schusswaffe und versuchte Sachbeschädigung vor. Nach dem vergeblichen Betätigen des Abzugs hatte der Wirt die Pistole samt Ersatzmagazin, einer Feuerzeugpistole und einem Messer dem Pförtner übergeben.

Im Prozess lachte der behäbig wirkende Bayer immer wieder freundlich und verhedderte sich beim Erzählen in Details seines Berufslebens. Der Bauernsohn hatte sich schon beim Umbau seines Bistros finanziell überhoben. Das Lokal sei aber schließlich gut gelaufen, es hatte bis ein Uhr früh geöffnet und am Wochenende bis drei Uhr. Dann erregte der nächtliche Lärm den Unmut der Mutter des Vermieters - vor Gericht erwirkte er die Schließung täglich um 22 Uhr. Als der Wirt das Lokal aufgab, bekam er keine Ablöse - wiederum abgesegnet durch einen Richter. Er habe sich ohnmächtig und einen „unglaublichen Druck auf der Brust“ gefühlt, sagte er.

Der Prozess dauert an. Der Zwischenfall hatte im Januar auch eine Sicherheitslücke offenbart: Der Pförtner im Justizpalast hatte den Alarmknopf in seiner Box gedrückt - aber vergebens, das System war defekt. Darauf hatte er per Telefon die Polizei gerufen.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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