Amok-Angst: Polizei zieht Berufsschüler aus dem Verkehr!

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Gefährlich: Waffen und virtuelle Gewalt (Symbolfoto)

München - Die Polizei hat möglicherweise einen Amoklauf an einer Münchner Schule verhindert. Rechtzeitig war sie auf einen jungen Mann aufmerksam geworden.

Er passt in vielerlei Hinsicht in das Täter-Raster, das Psychologen und Fachleute nach den Amokläufen von Erfurt (2002), Emsdetten (2006) und Winnenden (2009) als eine Art „Frühwarnsystem“ entwickelt haben. Und nur darum hat ihn die Polizei nun aus dem Verkehrs gezogen – bevor etwas Schlimmes passiert: Ein 18-Jähriger Berufsschüler aus Erdweg (Landkreis Dachau) wurde wegen des Verdachts der Gemeingefahr in die Psychiatrie eingewiesen. Der junge Mann hat zwar nicht gegen geltende Gesetze verstoßen. Seine gesamte Gedankenwelt jedoch schien in beunruhigender Weise um das Thema Amok zu kreisen. So unübersehbar, dass zuletzt sogar seine Mitschüler Angst vor ihm hatten und nicht mehr länger schweigen wollten.

Der 18-Jährige besuchte eine Schwabinger Berufsschule. Anschluss fand und suchte er jedoch nie. Er war vielmehr ein Einzelgänger, wirkte auch auf seine Lehrer desinteressiert und unkooperativ. Ein Gespräch mit dem Schulpsychologen lehnte er ab. Ein unzugänglicher Träumer, der ins einer eigenen Welt zu leben schien. In einer unheimlichen und gefährlichen Welt, wie sich bald herausstellte. Mitschüler berichteten kürzlich einem Lehrer, dass sie ein Buch bei ihm gesehen hatten mit dem Titel „Stalker und Amok“. Der Lehrer verständigte die Schulleitung, die wiederum die Jugendbeamten der Polizeiinspektion Schwabing ins Vertrauen zog.

Der 18-Jährige wurde diskret zu einem Gespräch gebeten, in dem er erklärte, sich nicht sonderlich für das Thema Amok zu interessieren. Das war ganz offensichtlich eine Lüge. Zudem ist sein Vater Sportschütze und hat angemeldete Waffen im Haus. Unter diesen Umständen entschloss sich die Polizei in Absprache mit einem Richter zur Hausdurchsuchung.

Im Kinderzimmer des 18-Jährigen fanden die Beamten kistenweise sogenannte „Anscheinswaffen“ – täuschend echte, aber nicht funktionstüchtige Waffen-Attrappen sämtlicher Fabrikate sowie Munition. Wo er die her hat, muss noch geklärt werden. Der Vater hat seine Waffen samt Munition jedenfalls ordnungsgemäß und auch sicher in einem speziellen Waffenschrank verwahrt, zu dem Bub keinen Zugang hatte.

Bei der Durchsuchung des Computers des Schülers bestätigte sich der Verdacht: Der 18-Jährige surfte offensichtlich häufig auf einschlägigen Amok-Seiten und hat sich intensivst mit der Thematik beschäftigt. Er wird nun in der Klinik von einem ärztlichen Gutachter untersucht und bekommt möglicherweise auch einen Betreuer. 

Dorita Plange

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