Kompliziertes Verfahren

Auto-Deal perfekt - Verkäufer tot

München - Ein Autohausbesitzer stand so kurz davor, einen seltenen Oldtimer zu erstehen - quasi wie "ein Sechser im Lotto" sei das gewesen. Der Deal lief auch wunderbar - wäre der Verkäufer nicht plötzlich verstorben.

Auch ein mündlicher Vertrag ist laut Bürgerlichem Gesetzbuch gültig. Was aber ist, wenn einer der Vertragspartner noch vor Abwicklung des Geschäfts stirbt? Vor diesem Problem stand ein Autohausbesitzer mit Spezialgebiet Restaurierung von Oldtimern.

Er hat den Kauf eines BMW zum Preis von 700 000 Euro nicht nachweisen können und schließlich auf Rat des Richters am Münchner Landgericht seine Klage auf Herausgabe zurückgezogen.

Der Käufer Uli Berberich-Martini, Rennfahrer der FIA GT3-Serie und Restaurator der begehrten Alt-Autos, hatte über Vermittlung eines ehemaligen Auszubildenden den Verkäufer kennengelernt. Der Sporthaus-Chef und Schlittenhundesportler sammelte Oldtimer und besaß einen, auf den der Kläger ein Auge geworfen hatte: einen BMW 507 vom Baujahr 1958.

„Wenn man so was erfährt, darf man nicht nachdenken, das ist wie ein Sechser im Lotto“, schwärmte Berberich-Martini. Er würde 1,5 bis 1,7 Millionen für einen BMW 507 bezahlen. Da habe er ja mit den 700 000 Euro „ein Schnäppchen gemacht“, meinte der Richter Oliver Schön. „Ja“, bestätigte der Oldtimer-Fan. Verkauft habe er gerade jetzt einen für 2,42 Millionen Euro. Die Restaurierung sei freilich sehr aufwendig.

Mit dem Verkäufer wurde sich der Restaurator im September 2012 seinen Worten zufolge wenige Tage nach einer Besichtigung des Autos („Zustand 3 bis 4, aber er fuhr noch“) telefonisch einig. Doch dafür gibt es keinen Zeugen. Zwar war gegenüber dem Vermittler von dessen Provision und von einer Kontomitteilung für die Bezahlung die Rede, das könnte für einen Abschluss sprechen. Doch die entscheidenden Worte hat keiner gehört.

Der Verkäufer kann sich nicht mehr äußern, er ist Ende 2012 überraschend gestorben. Seine Lebensgefährtin sagte, er habe sich bei dem Geschäft „unter Druck gesetzt“ gefühlt. Er habe bei einem Telefonat mit dem Vermittler abgeblockt und sich nicht entscheiden wollen. Der BMW 507 ging im Oktober 2012 für 750 000 Euro nach Italien.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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