tz stellt die Sonntagsfrage

Verkaufsoffen am Stadtgründungsfest? So reagieren die Angestellten

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Wochen ohne Ende? Nein! Die Verkäufer ­demonstrieren ­gegen die Pläne der Stadt.

München - Angestellte im Einzelhandel müssen beim Stadtgründungsfest am 14. Juni arbeiten. Die Stadt lässt an diesem Tag einen verkaufsoffenen Sonntag zu. Das sorgt für viel Unmut. Die tz hat sich unter den Verkäufern umgehört.

Wolfgang Fischer von CityPartner.

Sonntagskaffee? Nicht für Angestellte im Einzelhandel! Die sollen arbeiten – zumindest am Stadtgründungsfest am 14. Juni, denn der Stadtrat hat den verkaufsoffenen Sonntag durchgewunken. Nicht witzig, finden manche Verkäufer. Sie fürchten, die Ausnahme könnte zur Regel werden. Die Gewerkschaft Verdi hatte zum Streik aufgerufen. Auch, weil sie gerade im Zug der Tarifverhandlungen um höhere Löhne kämpft. Rund 450 Demonstranten, unter ihnen auch Versicherungskaufleute, marschierten zum Stachus. Dort nannte Redner Georg Wäsler von Verdi den Entschluss einen „Kniefall vor den Unternehmern“. Wolfgang Fischer von der Händler-Vereinigung CityPartner dagegen wirft Verdi „Heuchelei“ vor. Anders als angekündigt habe es sich auch nicht um eine Großdemonstration gehandelt.

Die tz hörte sich vor Ort um:

Von wegen freiwillig!

Peter Kawan (31), Verkäufer bei H&M.

Wenn die Leute von CityPartner sagen, die Arbeit sei freiwillig, kann ich nur lachen. Kollegen, die einen befristeten Vertrag haben oder ihre Stunden nicht zusammenbringen, haben keine andere Wahl. Sogar wir vom Betriebsrat müssen ihnen raten, zu arbeiten.

Das rentiert sich nicht!

Kevin Max De Santana Schiestl (17), Azubi bei Karstadt.

Ganz ehrlich: Rein vom Gewinn her lohnt sich das an einem Sonntag sowieso nicht. Mal abgesehen von der Tatsache, dass auch die Verkäufer vielleicht das Stadtgründungsfest besuchen wollen. Ich als Azubi muss nicht arbeiten, aber meine Kollegen müssten ran.

Sonntag ist Familientag!

Daniela Müller (33), Verkäuferin bei Zara.

Was ist denn mit den Kindern? Wir haben alleinerziehende Mütter bei uns! Natürlich sprechen die Arbeitgeber erst die befristet Angestellten an. Die meisten sind ja nur auf 20 Stunden angestellt und bekommen dafür 700 Euro. Das reicht hier in München nicht zum leben!

Versicherungsmakler streiken

Auch Versicherungsmitarbeiter sind in Ausstand getreten. Angestellte von Allianz, bayerischer Versicherungskammer & Co. hielten am Stachus zur gleichen Zeit wie die Einzelhändler einen Warnstreik ab. Sie wollen mehr Lohn. „Wir haben 5,5, Prozent gefordert, aber der Arbeitgeber hat uns nur 0,8 Prozent angeboten“, sagt beispielsweise Versicherungskauffrau Barbara Hagspiel (26), die bei Ergo tätig ist. Am Freitag war die dritte Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt.

Kita-Streik: Reiter will schnelle Lösung

Kein Land in Sicht im Kita-Streik! Verzweifelte Eltern wollen nun mit der Aktion „Mir reicht’s!“ auf sich aufmerksam machen. Unter www.mir-reichts.jimdo.com können Eltern ihr Leid klagen. Für Bewegung könnte OB Dieter Reiter (SPD) sorgen. Er fordert, dass sich die Parteien an einen Verhandlungstisch setzen: „Gegenseitige Schuldzuweisungen helfen nicht weiter. Es ist höchste Zeit, miteinander zu reden!“ Am besten solle noch in den Pfingstferien eine Lösung gefunden werden.

Verena Usleber

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