Mehr ÖPNV und Radlverkehr

Münchens Anti-Auto-Strategie: Der Kampf gegen den drohenden Verkehrskollaps

Zukunftsvision: So könnte die Frauenstraße aussehen, wenn der Altstadt-Radlring realisiert ist. Aktuell ist die Straße vom Autoverkehr dominiert
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Zukunftsvision: So könnte die Frauenstraße aussehen, wenn der Altstadt-Radlring realisiert ist. Aktuell ist die Straße vom Autoverkehr dominiert.

Seit Januar gibt es in München zur Bewältigung der Verkehrswende ein eigenes Mobilitätsreferat. Amtschef Georg Dunkel und Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) erläutern die Ziele.

München - „Die Messlatte ist hoch.“ Das weiß Georg Dunkel (parteilos), Chef des neuen Mobilitätsreferats. Und Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) kann da nur zustimmen: „Es wartet ein Berg an Aufgaben.“ Zum Beispiel die Umsetzung eines zentralen verkehrspolitischen Stadtratsbeschlusses: Der Anteil der Wege, die in München* mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden, soll bis zum Jahr 2025 auf 80 Prozent steigen. Der letzte Stand datiert von 2017, da waren es 66 Prozent. Der Anteil des Autoverkehrs betrug 34 Prozent, und müsste demnach bis 2025 auf 20 Prozent sinken.

München will weniger Autos in der Stadt - Schwieriger Spagat für neues Mobilitätsreferat

Um diesen Kraftakt der Verkehrswende zu bewältigen, hat die Stadt ein eigenes Mobilitätsreferat gegründet, das zum 1. Januar 2021 gestartet ist. Der Mitarbeiterstamm soll sich von aktuell 280 auf 400 erhöhen. Dunkel sagt am Freitag bei einer Pressekonferenz, für ihn sei klar, dass der ÖPNV das Rückgrat der Verkehrswende bilden müsse. Der Stadtrat hatte zuletzt den Bau sieben neuer Tramtrassen und eine Verlängerung der U4 von der bisherigen Endstation Arabellapark ins Entwicklungsgebiet Nordost beschlossen.

Habenschaden betont, der Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik beruhe auf dem Wunsch vieler Bürger nach einer klima- und menschenfreundlichen Mobilität. Der neue Ansatz sei nicht ideologisch begründet, „sondern um den Verkehrskollaps zu verhindern“, meint die Bürgermeisterin. Trotzdem sei ihr bewusst, „dass viele Münchner nicht aufs Auto verzichten möchten“. Dies gelte es zu respektieren. „Wir müssen auch an mobilitätseingeschränkte Personen oder Handwerker denken.“ Das Mobilitätsreferat habe den schwierigen Spagat zu bewältigen, „einerseits die Befürworter der Verkehrswende zufriedenzustellen, andererseits Kritiker von deren Notwendigkeit zu überzeugen“.

München: ÖPNV als Rückgrat der Verkehrswende - Radwegenetz als zweite große Säule

Ein wesentliches Element der Verkehrswende ist auch der Ausbau des Radwegenetzes. In den kommenden Jahren soll ein durchgehender Altstadt-Radlring realisiert werden. 2021 ist die Fertigstellung des Teilabschnitts entlang der Blumenstraße geplant. Auch am Thomas-Wimer-Ring soll es bereits 2021 breite Radwege geben, genauso wie vom Lenbachplatz bis zur Von-der-Tann-Straße. Außerdem werden vier Strecken, die im Vorjahr provisorisch gelb markiert wurden, zu dauerhaften Radwegen*. Geplant sind die weiß markierten Spuren an der Rosenheimer Straße zwischen Orleansstraße und Rosenheimer Platz, an der Theresien-, Elisen- und Gabelsbergerstraße.

In der Planungsphase ist auch eine Schnellverbindung von der Münchner Innenstadt in Richtung Garching und Unterschleißheim. Langfristig soll es weitere fünf neue Radschnellwege von München ins Umland geben.

Unterdessen zeigt sich Münchens Schickeria besorgt über einen Vorstoß der rot-grünen Stadträte*: An der Maximilianstraße sollen schrittweise Parkplätze wegfallen. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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